Colonia Dignidad

Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück

Regie: Florian Gallenberger , 110 Min, D,L,F 2105; in DF gesehen

Gallenberger, der einen Kurzfilm-Oscar und viel Lob für seinen Film „John Rabe“ erhielt, hat sorgfältig über die „Colonia Dignidad“ in Chile recherchiert, in deren Kellern die Militärs Pinochets Regimegegner folterten und der Sektenführer Schäfer als Halbgott verehrt wurde, aber Kinder und seine Anhänger missbrauchte und die brutalen Elektroschock-Foltern der Militärs mit subtileren psychologischen Methoden fortsetzte, wenngleich Schläge und die Peitsche auch mitregierten. Im Film ist auch von einem Großauftrag der Militärs zur Herstellung von Sturmgewehren und des Nervengases Sarin die Rede. Es gilt als erwiesen, dass der christdemokratische frühere chilenische Präsident Frey mit Gift aus den Labors der Colonia vergiftet wurde. Nicht genannt hingegen wird die enge Verbindung zur CSU und zu F.J. Strauss, oder dass die Colonia deutsche Würstel in Chile produzierte. Der von der konservativen Fox-Mediengruppe mitproduzierte Film versucht also ein dunkles Kapitel der deutschen wie amerikanischen Geschichte aufzuarbeiten. Immerhin hatten die Amerikaner mit „Missing“ ebenfalls schon ihre Verwicklungen in den Putsch des demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Allende und die Unterstützung des Folter-Diktators Pinochets blendend verfilmt.
Doch nun zu dem Film. Ich fand ihn zwar extrem spannend – zu spannend, um sachlich mit dem ernsthaften Thema umzugehen. Daniel (Daniel Brühl) ist ein deutscher Fotograf, der für die Volksfront Allendes Plakate macht, seine Freundin Lena (Emma Watson) ist Stewardess bei der Lufthansa. Sie fliegt nach Santiago de Chile und überrascht Daniel, als er gerade politisch agiert. Das Liebesglück währt nicht lange, Allende wird geputscht und die Militärjunta verhaftet Oppositionellen und steckt sie ins Nationalstadion. Weil Daniel von diesen Verhaftungen Fotos macht, werden auch die beiden erwischt und Daniel in die Colonia Dignidad zur Folter verbracht. Lena kommt frei und ermittelt seinen Aufenthaltsort. Um ihm nahe zu sein, meldet sie sich freiwillig bei der Colonia als Sektenmitglied und wird zur Feldarbeit und Kartoffelschälen eingeteilt. Daniel stellt sich nach brutaler Folter als verblödet dar, wodurch er eine gewisse Narrenfreiheit genießt. Kurz bevor er als Testperson mit Sarin getötet werden soll, gelingt den beiden über die unterirdischen Bunkeranlangen die Flucht. In der deutschen Botschaft werden ihnen zwar neue Pässe gegeben und sie mit diplomatischen Schutz zum Flughafen gebracht, doch dort wartet wieder das Militär und Schäfer auf sie, die eigene Botschaft hat sie verraten. Nur durch die Courage des Piloten, der Lena kennt, entkommen sie dem Horror.
Obwohl alle Details auf wahren Begebenheiten basieren, ist natürlich die Geschichte von Lena und Daniel Fiktion und ihr Handeln kaum nachvollziehbar, warum etwa lässt sich Lena in diesem KZ einsperren, aus dem es kein Entrinnen gibt, wir erfahren nicht, warum ihre Liebe zu Daniel so stark war. Wie der ständig bewachte Daniel Zeit für Dunkelkammerarbeiten hatte, ist auch unklar. Auch die Figur Schäfers ist schlecht gezeichnet, der langhaarige Typ (Michael Nyqvist) hat nicht die Aura eines Sektengottes und seine pädophilen Verbrechen werden nur angedeutet. Die anderen Bewohner des Lagers haben offenbar gar keine Vergangenheit und Handeln wie Marionetten …
Zwar war es sicherlich der blanke Horror, in der Colonia Dignidad gefoltert zu werden, daraus aber einen Horrorfilm (mit dem typischen massiven Musikeinsatz) zu machen ist genauso gewagt, wie Komödien über KZ´s. So läuft alles recht vorhersehbar ab …

** Derartige Verbrechen gegen die Menschlichkeit und deren politische Hintermänner dürfen nie vergessen werden, dennoch hätten die Opfer eine etwas differenzierte Aufarbeitung verdient.

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