Kategorie-Archiv: Festivalblogs

Die Gewinner von Huelva 2018

44.Iberoamerikanisches Filmfestival von Huelva

Erwartungsgemäß war Àlvaro Brechner Folter-Drama La noche de 12 años / Die zwölfjährige Nacht der große Gewinner des Festival. Er errang zwar „nur“  den Silbernen Columbus für die beste Regie, den besten technisch-künstlerischen Beitrag, den  besten Schauspieler, Alfonso Tort, und den Publikumspreis für den besten Spielfilm. (siehe unsere Kritik)

Der Film „Miriam Miente / Miriam lügt“  gewinnt den Goldenen Columbus beim 44. Iberoamerikanischen Filmfestival von Huelva.

Laut der Jury ist der Film „Miriam Mente“ von Cabral y Estrada „eine faszinierende Chronik der Dominikanischen Jugend, in der es den Regisseuren gelingt, die sozialen Widersprüche und rassischen Vorurteile, die Eltern an Kinder vermitteln, mit exquisiter Zartheit und Frische darzustellen. Die komplexen Charaktere, die strenge Inszenierung, der scharfe Einsatz des Vordergrunds, die Detailfülle und die schönen Interpretationen bestätigen, dass es sich um einen intelligenten, sensiblen und bewegenden Film handelt und die Regisseure über ein außergewöhnliches Talent verfügen um alles zu zeigen, wagen seine Figuren nicht zu sagen „.
Siehe unsere Kritik

Pilar Gamboa (in „Recreo“)  erhält den  Silbernen Columbus als beste Schauspielerin
Siehe unsere Kritik
und „Las Herederas“ erhält den Sonderpreis der Jury

Der Film „Las herderas/Die Erbinnen“ (Paraguay, Deutschland, Uruguay, Brasilien, Norwegen und Frankreich) von Marcelo Martinessi wurde ebenfalls von der Jury gelobt, die beschlossen hat, ihm den Sonderpreis zu verleihen, weil er das Publikum mit einem verborgenen Thema konfrontiert, die verbotene weibliche Homosexualität in der paraguayischen Gesellschaft und dies auf eine Weise tut, die es unmöglich macht, wegzusehen. Für die fließende, elegante, ehrliche und schöne Fotografie eine universelle Geschichte über Zuneigung, Freiheit, Angst und Verlangen. Für die Verwendung einer subjektiven Kamera, die hilft, in das dunkle Universum der beiden Hauptfiguren einzudringen. Eine sehr kluge Idee, die er in einem Debütfilm verwendet hat. “

Alle Preise im Detail (in Spanisch und dt. Übersetzung)

Huelva gilt als bedeutendes Schaufenster für das lateinamerikanische Kino.
Leider kommen nur sehr wenige Filme in deutschsprachige Verleihe.

 

 

El piedra

Iberoamerikanisches Festival Huelva:
EL PIEDRA (Der Stein)
Kolumbien 2018, 89 Min., Regie: Rafael Martínez Moreno

Ein sehr bewegender Film, sehr realistisch, führt uns auf den Grund des echten Boxens, Boxen, wo die große Mehrheit Verlierer sind, die nie die Spitze erreichen und nur schlecht leben, sie müssen ihre Leidenschaft mit anderen Jobs finanzieren.
Manchmal sieht es so aus, als würden wir einen Dokumentarfilm und keinen Film sehen, weil viele Szenen in der Stadt Cartagena spielen, gerade weil viele reale Szenen des Lebens gedreht wurden, und zwar nicht mit hohen Persönlichkeiten sondern mit echten Menschen der Stadt, mit ihren authentischen menschlichen Bedingungen.
Ein großer Treffer ist  dass die Boxer durch Profis dargestellt wurden, was die Boxkämpfe realistischer macht.
Gutes Kamera, guter Sound und eine schöne Geschichte. Ein weiterer guter Film, aber eher durchschnittlich **
Im Detail

Ultimos

Iberoamerikanisches Filmfestival Huelva:
Ultimos (Die Letzten)
Kolumbien 2018, 91 Min, Regie: Rafael Martinez Moreno,

Ökologischer Science-Fiction-Film, sehr realistisch, futuristisch, der Regisseur bringt Aspekte von großer Relevanz zusammen, wie „Krieg“, „Imperialismus“, „humanitäre Krisen von Einwanderern“ und „Zerstörung der natürlichen Ressourcen von die Erde.“

Die lange Flucht durch die bolivianische Wüste erinnert uns auch an Mad Max ‚Wüstenlandschaften, heruntergekommene Häuser, Nachkriegsszenen, eine lange endlose Straße und ständig lauernde Drohnen.

Sehr guter Film, sehr gute Spezialeffekte, sehr realistisch, sehr gutes Drehbuch und sehr gute Leistungen der drei Protagonisten.

Erwähnenswert ist, dass dies der erste Film ist, der die weibliche Protagonistin als bedeutende Schauspielerin hervorhebt, die fast ohne zu sprechen mit ihrem Gesichtsausdruck und ihren Gesten die herzzerreißende Geschichte kommuniziert.****
Im Detail

La Noche de 12 Años

Die zwölfjährige Nacht, Regie: Alvaro Brechner, Spanien, Uruguay, Frankreich, Argentinien 2018, 123 Minuten.
Vom 44. Iberoamerikanischen Filmfestival in Huelva berichtet Ray:

Ein ausgezeichneter Film, ein sehr gutes Drehbuch, in dem es um psychische Folter geht, welche den Tupamaros-Häftlingen vom uruguayischen Militär zugefügt wurde,  es gibt dabei gewisse Ähnlichkeiten mit dem Film „Midnight Express“ (Alan Parker).

Der größte Teil des Films spielt in militärischen Arrestzellen, traurig, schmutzig, fast ohne Licht. Der Zuschauer fühlt sich in der Zelle und man spürt das  psychologische Martyrium der drei Tupamaros.

Gute Kameraführung, sehr glaubwürdige Szenarien, die Musik wird ein wenig von den Geigen dominiert, die drei Schauspieler spielen fabelhaft.

Als negative Kritik, möchte ich sagen, dass der Film, wie viele andere Filme, die von den südamerikanischen Militärdiktaturen des letzten Jahrhunderts handeln (Argentinien, Chile, Paraguay, Nicaragua usw.), immer der Guerillakämpfer gut, intelligent, ehrlich und menschlich ist. Hingegen ist der Militär immer ein bisschen dumm, böse, ignorant, fast Analphabet und gefühllos. Die Tupamaros-Guerillas sind nicht immer die Guten und die Militärs sind nicht immer die Bösen.

Es ist ein sehr guter Film, der die Geschichte freilich nur von einer Seite, der Geschichte der Guerilla, erzählen will. ***

Als private Meinung glaube ich, dass es vielleicht ein Favorit ist, den Colon de Oro zu gewinnen, aber nicht für den Film selbst, sondern in Anerkennung an „El Pepe“ José Mújica, der später Präsident Urugays wurde.

(Anm. unser Korrespondent Ray ist Berufssoldat in Spanien)
Der FKC zeigte von Alvaro Brechner bereits „Se
ñor Kaplan“ (2014). Dieser Film wurde bereits in Venedig und San Sebastian gezeigt, allerdings nicht im Wettbewerb. Übersetzung: Norbert
Originaltext (spanisch)  und weitere Infos

Ray hatte Recht: dieser Film sahnte die meisten Preise ab!
siehe Preise

Iberoamerikanische Filme / Vorschau Festival Huelva 2018

Festival de Huelva 2018
Cine Iberoamericano

Was steht im Wettbewerb auf dem Programm?

Spielfilme im Wettbewerb  –
Sección Oficial Largometrajes a Concurso

1. Aos Teus Olhos (In deinen Augen)
De Carolina Jabor

Brasil / 90 minutos / 2017, Drama

Sinopsis
Un profesor de deportes es acusado de acoso sexual por uno de sus jóvenes alumnos durante una clase de natación. Es imposible verificar su culpabilidad o inocencia, pero el caso tiene una gran reacción en línea y las consecuencias son nefastas.
(Einem Sportlehrer wird vorgeworfen, während eines Schwimmkurses einen seiner jungen Schüler sexuell belästigt zu haben. Es ist nicht möglich, seine Schuld oder Unschuld zu überprüfen, aber der Fall hat online eine große Reaktion und die Folgen sind düster.)

2. Recreo (Erholung)
Hernán Guerschuny y Jazmín Stuart

Argentina / 90 minutos / 2018, Comedia – Drama

Sinopsis
Una comedia ácida sobre sexo, pañales y rock and roll. Como una radiografía de aquellos que están en sus 40 años, “Recreo” se sumerge en la dualidad de la vida familiar, la fantasía de volver a la adolescencia, deseos pendientes, las contradicciones de la vida burguesa y el tiempo que se nos escapa.
(Wer schon über 40 ist, denkt gerne an die Pubertät, die Zeit von Sex, Windeln  und Rock&Roll zurück, die immer mehr durch das bürgerliche Leben verdrängt wird)

Unsere Kritik

3. El Hijo del Acordeonista
(Der Sohn des Akkordeonisten)

De Fernando Bernués, España / 95 minutos / 2018, Drama

Sinopsis

David está a punto de morir en California, a donde tuvo que huir hace años, acusado de traición por los suyos. Uno de ellos, Joseba, quien fuera su amigo del alma, ha venido a visitarle. Y de paso, a ajustar cuentas pendientes.

(David stirbt in Kalifornien, wohin er wegen Verrat fliehen musste. Doch einer der Verratenen hat ihn noch besucht…)

4. La Noche de 12 Años
(die zwölfjährige Nacht)

De Álvaro Brechner, Drama

España, Uruguay, Francia, Argentina / 123 minutos

SINOPSIS
1973. Uruguay está bajo el poder de la dictadura militar. Una noche de otoño, nueve presos Tupamaros son sacados de sus celdas en una operación militar secreta. La orden es precisa: “como no pudimos matarles, vamos a volverles locos”. Los tres hombres permanecerán aislados durante 12 años. Entre ellos Pepe Mujica, quien más tarde llegó a convertirse en presidente de Uruguay.

(1973 – Uruguay steht unter der Macht der Militärdiktatur. In einer Herbstnacht werden neun Tupamaros-Gefangene in einer geheimen Militäroperation aus ihren Zellen entfernt. Die Anweisung lautet: „Wenn wir sie nicht töten können, machen wir sie verrückt.“. Die drei Männer bleiben für 12 Jahre isoliert. Unter ihnen Pepe Mujica, der später Präsident von Uruguay wurde.)

Dieser Film sahnte die meisten Preise ab!
Unsere Kritik

5. Miriam Miente (Miriam lügt)

De Natalia Cabral y Oriol Estrada

República Dominicana, España / 90 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
El tranquilo mundo de una familia pequeñoburguesa comienza a desmoronarse cuando Miriam (14) conoce a su novio de internet. Mientras sus familiares y amigas preparan con entusiasmo la tradicional fiesta de los 15 años, Miriam no sabe cómo explicar que su novio es negro.
(Die stille Welt einer kleinbürgerlichen Familie beginnt auseinanderzufallen, als Miriam (14) ihren Freund im Internet trifft. Während ihre Familie und ihre Freunde begeistert die 15-jährige auf traditionelle Party [des Frau-Werdens] vorbereiten, weiß Miriam nicht, wie sie erklären kann, dass ihr Freund schwarz ist.)

Dieser Film gewann den Hauptpreis, den Goldenen Columbus.
Unsere Kritik

6. El ombligo de Guie’dani
(Der Nabel der Guie´dani)

De Xavi Sala

México / 119 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
Guie’dani, una niña indígena zapoteca, y su madre, entran a trabajar para una familia acomodada de la Ciudad de México. La pequeña no se adapta y es conflictiva. Todo cambia cuando conoce a Claudia, una niña rebelde con la que entabla una intensa relación.

(Guie’dani, ein indigenes Mädchen aus Zapotec, und ihre Mutter arbeiten für eine wohlhabende Familie in Mexiko-Stadt. Das kleine Mädchen passt sich nicht an und führt zu Konflikten. Alles ändert sich, als es Claudia trifft, ein rebellisches Mädchen, zu dem es eine intensive Beziehung hat.)

7. Restos de Viento (Reste des Windes)

De Jimena Montemayor Loyo

México / 93 minutos / 2017, Drama

Sinopsis
Una familia se mantiene a  la deriva  tras  la  ausencia  del  padre.  Madre  e  hijos  tendrán  que   crecer  y  soltar  sus  miedos  para  sobrevivir.
(Eine Familie triftet wegen der Abwesenheit des Vaters ab. Mutter und Kinder müssen wachsen und ihre Ängste loslassen, um zu überleben.)

Unsere Kritik

8. Las Herederas (Die Erbinnen)

De Marcelo Martinessi

Paraguay, Alemania, Uruguay, Brasil, Noruega / 97 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
Desde hace más de 30 años, Chela (66) y Martina (67) viven juntas. Como hijas de familias de buena posición social habían heredado suficiente dinero como para vivir cómodamente sin necesidad de trabajar . Pero ahora, cuando ambas tienen más de 60 años, ese dinero heredado se ha acabado. Cuando Martina va a la carcel por no poder pagar las deudas que contrajo, Chela empieza a proveer a mujeres mayores de familias acomodadas con un servicio de taxi que le ayuda a poder mantenerse. Así conoce a Josefina, una mujer glamurosa 20 años más joven que ella, con quien conecta de inmediato. Esa conexión va transformando la relación de Chela consigo y con su entorno provocándole una revolución interna.

(Seit über 30 Jahren leben Chela (66) und Martina (67) zusammen. Als Töchter von Familien mit gutem sozialen Status hatten sie genug Geld geerbt, um bequem leben zu können, ohne arbeiten zu müssen. Aber jetzt, als beide über 60 sind, ist das vererbte Geld ausgegangen. Als Martina ins Gefängnis geht, weil sie ihre Schulden nicht bezahlen kann, beginnt Chela, ältere Frauen aus wohlhabenden Familien mit einem Taxidienst zu versorgen, der ihr hilft, sich selbst zu ernähren. So trifft sie Josefina, eine glamouröse Frau, 20 Jahre jünger als sie, mit der sie sich sofort versteht. Diese Verbindung verändert Chelas Beziehung zu sich selbst und ihrer Umgebung und provoziert eine innere Revolution.)

9. Los Últimos (Die Letzten)

De Nicolás Puenzo

Argentina / Chile / 91 minutos / 2017, Thriller

Sinopsis
Una niña quechua embarazada y su compañera criolla escapan de un campo de refugiados. En su viaje hacia el sur a través de las Tierras Altas de Bolivia, ahora un desierto estéril controlado por grupos de milicias sangrientas, se encuentran con Ruiz, un fotógrafo de 50 años de edad, con cicatrices de la guerra que busca salvarlos de la zona de guerra, rescatando los restos de su humanidad.

(Ein schwangeres Quechua-Mädchen und ihr kreolischer Partner flüchten aus einem Flüchtlingslager. Auf ihrer Reise nach Süden durch das bolivianische Hochland, heute eine kahle Wüste, die von Gruppen blutrünstiger Milizen kontrolliert wird, begegnen sie Ruiz, einem 50-jährigen Fotografen mit Narben vom Krieges, der versucht sie aus dem Kriegsgebiet zu bringen und einen letzten Rest von Humanität zu zeigen.)
Unsere Kritik

10. El Piedra (Der Stein)

De Rafael Martínez Moreno

Colombia / 89 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
La vida del boxeador Reynaldo “El Piedra” Salgado cambia cuando Breyder, un chico de la calle, aparece en su puerta diciendo ser su hijo… Ahora, dos solitarios tendrán que aprender como construir una familia juntos.

(Das Leben des Boxers Reynaldo „El Piedra“ Salgado ändert sich, als Breyder, ein Straßenkind, an seiner Tür erscheint und behauptet, sein Sohn zu sein … Nun müssen zwei Einzelgänger lernen, wie sie gemeinsam eine Familie gründen können.)
Unsere Kritik

Es gibt noch viele weitere Filme in anderen Sektionen, das Gastland heuer war die Dominikanische Republik.
Auffallenderweise war heuer kein brasilianischer Film auf dem Programm.

Übersetzung: Norbert Fink, Titel können auf dem deutschen Markt (so sie überhaupt dort auftauchen) einen anderen Namen erhalten.

14.TODD-AO 70mm Festival Karlsruhe 2018

Auch heuer besuchte ich wieder mit einem Freund aus Deutschland das weltbekannte Festival für Filme im 70mm-Format.

Es ist vor allem auch die stark gekrümmte Original Cinerama Leinwand in der Schauburg zu Karlsruhe, welche das Königsformat des Films besonders attraktiv macht. Heuer gab es wieder einige neue 70mm Filme und einige gut restaurierte neben „Vintage“ mit entsprechendem Farbschwund zu sehen. Überraschend auch, dass es noch Kleinfirmen von Tüftlern gibt, die wieder neue 65mm-Kameras bauen und auch Hollywood will wieder mindestens drei Filme im Jahr auf 70mm herausgeben. Wenn also wieder analog, dann gleich 70mm. Wir hatten es nicht bereut!
Hier der pdf-Bericht

33. Alpinale 2018

  1. Alpinale Nenzing 2018
    Eröffnungstag, Di 7.8.18

Der Auftakt zur heurigen Alpinale Nenzing war von einem netten Symbol gekennzeichnet: das Einhorn, das Wappentier der Alpinale war leibhaftig als Kuscheltier anwesend und wurde ausgiebig für Selfies und andere Erinnerungsfotos genutzt. Es war das Überraschungsgeschenk für Manuela Mylonas, die zum 10. Mal das Festival leitet.

Der Wettergott war leider weniger gutmütig. Als alle um 20:30 Uhr auf dem Ramschwagplatz bei angenehm warmen Temperaturen Platz genommen hatten und die einführenden Reden stattfinden hätten sollen, begann es an zu regnen, zuerst wurden noch Regen-Ponchos verteilt und kurz danach wurde doch der Befehl erteilt „alle in den Saal!“.
Bis nun auch die Technik umgestellt war, verging einige Zeit und so konnte gegen 21:30 der erste Film starten.

Norbert Fink mit Einhorn

STILL (Regie: Hanna Mathis, A 2018).
Dieser war aus der Kategorie v-shorts und 4 Minuten kurz in SW und Cinemascope.
In der Wiener U-Bahn setzt sich ein älterer Mann neben einen jungen Mann, der sehr laut Musik hört und auf einem Behindertensitzplatz sitzt. Sie kommen ins Gespräch und statt des erwarteten Konflikts löst sich die Situation in Wohlgefallen auf, war der junge Mann gehörlos? ***

RIEN NE VA PLUS (Sophie Linnenbaum, D 17, 15 Min, Hochschule)
Ein verzweifelter Mann will sich durch Sprung von einem Hochhausdach das Leben beenden, als das Handy klingelt. Eine Frauenstimme verkündet ihm, er habe Jetons für das Casino gewonnen, welche er gar nicht will. Doch gleichzeitig wird jenes Casino überfallen und die Frau am Telefon bedroht. Nun will er ihr Leben retten!
Interessante Parallelmontage ***

A THOUSAND KISSES (Richard Goldgewicht, BR  18, 16 min, Animation)
1933 fühlt sich ein jüdisches Paar in Berlin wegen der Nazis nicht mehr wohl und will nach Rio de Janeiro auswandern. Erst wagt der Mann die Schiffspassage, als er in Brasilien Fuß gefasst hat, holt er seine Geliebte nach. Die beiden schreiben sich eifrig Briefe –  die 80 Jahre später von deren Enkeln gefunden werden. Kunstvoll und stilsicher animierter Film mit vielen korrekten Details ****

ICARE (Nicolas Bucart, B 17, 25 Min, International)
Das eindrucksvoll an einer Steilküste fotografierte Drama um einen vom Fliegen faszinierten Mann, der einen achtjährigen Jungen nach langem Training und Vorbereitungen mit Flügeln über die Klippen springen lässt war stellenweise langatmig und vor allem das Ende mehr oder minder vorhersehbar. ***

AUGENBLICKE (Kiana Nagshineh, D 2018, 4 Min, Animation)
Eine Frau ängstigt sich beim nächtlichen Nach-hause-gehen. Sehr experimenteller, wenig verständlicher Animationsfilm. *

WANNABE (Lenz/Jannis A/D, 30 Min, Hochschule)

Die 17jg. Coco schwänzt die Schule, um sich in Castings und Musikvideodrehs zu beweisen – und setzt sich damit einer Demütigung nach der anderen aus. Weil sie als Model, Tänzerin und Schauspielerin nicht weiter kommt, konzentriert Coco sich immer stärker auf die Produktion ihres eigenen YouTube Kanals. Dort kann sie sich so darstellen, wie sie gerne wäre, aber nicht ist.

Der schon auf vielen Festivals ausgezeichnete Film spricht ein sehr junges Publikum an und nervt die älteren Semester.

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Letzter Tag mit Wettbewerbsprogramm
Fr 10.8.18

Der Vorarlberger Felix Kalavainan – schon vorletztes Jahr in den v-shorts präsent -, zeigte
METASTAATEN (A 2019/10 Min)

Er hat inzwischen die Grundausbildung an der Filmakademie Wien abgeschlossen und machte einen Kurzfilm ohne die starren Regeln der Filmakademie. So wagte er sich an das Tabu-Thema heran, Tiere und Kinder zu filmen, stieß in Bürs auf dressierte Hühner und castete einen Jungen.

Paul weiß ganz genau, dass seine Mutter schwer krank ist und baut sich im Wald eine eigene Welt zusammen, in der Tiere eine große Rolle spielen. Als Papa heimkommt, ist er sehr traurig.
Der Zusammenhang zwischen der Fantasiewelt des Jungen mit Tieren und den Metastasen einer Krebserkrankung erscheint mir etwas konstruiert. Dennoch eine gute Idee! ***

FANNY (Haldan Ullman Tǿndel, N 2017, 29 Min, international, Cinemascope)
Fanny, mitte Zwanzig, etwas schüchtern, studiert in ihrer Heimatstadt und gerät in einer Kennenlern-Runde in eine makabre Situation. Sowohl eine heterosexuelle, als auch eine lesbische Bekanntschaft laufen schief. Auf dem Hintergrundes eines sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater werden die Folgen auf die sexuelle Identität geschildert. **

BERNARD (Anna Oparkowska, PL  2017, 6 Min, Animation)
Schwer verständliche Geschichte im Eis – Ein Eisbär, ein lebender Eisblock, ein Mensch? Was im Programmheft steht (Geschichte über Einsamkeit, Verhaltensstörungen und den verzweifelten Versuch nach Nähe in einer unwirtlichen Winterlandschaft) ist nur unklar auszumachen und wenig exakt gezeichnet. *

FUCKING DRAMA (Michael Podogil, A 2017, 17 Min, Hochschule)
Ein Pärchen wird zum Spontanbesuch eines Off-Theaterstücks überredet, in einem alten Kellergewölbe soll ein Drama gespielt werden. Eine Frau spielt Cello, eine andere entblöst ihre Brüste, als Manfred Amour, der Autor des Stücks, seine SchauspielerInnen und das Publikum beschimpft, kommt Dynamik auf. Mit einer Pistole droht er sich zu erschießen, als dann eine Frau den Saal verlassen will wird sie (scheinbar) erschossen und das Publikum zittert. Wie weit darf Kunst gehen um beim abgestumpften Publikum auf jeden Fall Emotionen zu provozieren?
Hochspannend wirft Podogil einen Blick auf die aktuelle Kunstszene. ****

59 SECONDS (Carraro Mauro, CH 2017, 16 Minuten, Animation)

Im Mai 1976 erschütterte ein 59 Sekunden dauerndes schweres Erdbeben die Gegend um Friaul. Wir sehen den Alltag davor, unter anderem auch für den Soldaten Bruno, dessen Kaserne im Epizentrum liegt. Seine Geliebte Tiziana macht sich nach der Katastrophe Sorgen um ihn. Zeichnerisch eher unkonventionell gestaltet, mit düsterem Unterton, durchaus sehenswert.***

MANEKI NEKO (Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, International, Cinemascope)

Ein fremder Mann wird von einer fremden Frau in der Nacht in einem Buswartehäuschen angesprochen, sich doch die Kosten für das Taxi zu teilen und so fahren sie ins Zentrum von Athen. Sie tun so, als ob sie sich schon immer kannten – eine Psychose?
Sollte dies ein Horror-Film sein? Ich konnte wenig damit anfangen!*

ALL THE TIRED HORSES (Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Hochschule, Cinemascope)

Der Film erinnerte stark an “Gott des Gemetzels” – Zwei Paare um die 30, die sich nicht kennen, verbringen einen Abend miteinander und warten auf jenes Paar, die sie zusammengebracht hat und sich verspätet hat. Die gastgebende Frau hat allerdings kurz zuvor einen positiven Schwangerschaftstest gemacht und empfindet deshalb die Diskussion über Umzug der Kreativen nach Berlin, Polygamie, Dating Apps u.a. als sehr unpassend, sie geraten sich immer mehr in der Haare.
Perfekt ausgeleuchtete Räume und eine hervorragende Kamera machen das an sich wortlastige Kammerspiel zu einem kompakten Genuss. ****


Das waren die Siegerfilme:

Felix Kalavainan und Norbert Fink


Gewinner der vorarlberg-shorts:
Felix Kalavainan mit METASTAATEN (A 2019/10 Min)
(Kritik siehe oben)
Kleiner Star war auch Lucas
William-Mathis,
der junge Hauptdarsteller des Films

Lucas William-Mathis

Bester Animationsfilm: Catherine von Britt Raes, B 2016, 12 Min

Mit subtilem schwarzem Humor wird eine Frau gezeichnet, die ihre Tiere liebt, aber auch ungewollt tötet.***

Bester Internationaler Film: MANEKI NEKO
von
Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Lobende Erwähnung der Jury: Detainment von Vincent Lambe, IRL/GB 2018, 30 Min.
Wahre Geschichte von zwei 10jg Jungen, die 1993 beschuldigt wurden ein Kleinkind entführt und ermordet zu haben.

Bester Hochschul-Film: ALL THE TIRED HORSES von Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Preis der Jury (über alle Kategorien):
ENTSCHULDIGUNG, ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN
von Bernhard Wenger, A/D 2018, 23 Minuten, Cinemascope

Die Freundin eines jungen Mannes aus Schweden verlässt diesen nach einem Streit in einem Wellness-Hotel inmitten der Alpen (Kals, Osttirol). Er sucht im Hotel verzweifelt nach ihr, findet neue Gesprächs- und Tischtennisfreunde und verpatzt sich eine Chance, eine neue Freundin zu finden. In Wahrheit ist er auf der Suche nach sich selbst.****
Der Film gewann in Saarbrücken den Publikumspreis Kurzfilm!

Bester Kinderfilm (von den Kindern und Jugendlichen selbst prämiert):
HALIM
von Werner Fiedler, D 2017, 30 Min, Cinemascope

Elias trifft auf Halim, einen eigenartigen älteren Mann mit fremdländischem Aussehen,
der sich nur über Pantomime verständigen kann und auf einer Naturbühne kleine Stücke zur Freude der Kinder zum Besten gibt. Als seine Mutter Elias mit diesem Asylanten entdeckt, verbietet sie ihm jeden Kontakt zu ihm und meint, die Asylanten seien böse und fielen uns zur Last. Doch Elias kontert, er suche seine Familie, die er auf der gefährlichen Flucht verloren hat. Er ist traurig, als er abgeschoben werden soll und erneut fliehen muss. Elias veranstaltet am selben Ort eine Veranstaltung zu Ehren von Halim.
Erstaunlich, dass dieses humanistische Anliegen von den Kindern und Jugendlichen zum besten Kinderfilm gewählt wurde.****

Publikumspreis:

El escarabajo al final de la calle


EL ESCARABAJO AL FINAL DE LA CALLE (Der Käfer am Ende der Straße)
von Joan Vives Lozano, E 2017 (Katalanien), 19 Minuten, Hochschule.

Eines Tages hat die Fischverkäuferin Lolín eine Vision: Amadeo soll nur noch sieben Tage zu leben haben. Amadeo kümmert sich um seinen invaliden Schwiegervater Agustín. Diese Weissagung setzt eine Serie von Ereignissen in Gang, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Sein Begräbnis wird vorbereitet.
Doch nicht Amadeo stirbt, sondern Agustín. Hatte Lolín eine Zuckung und auf den falschen gezeigt? ***

Der Film gewann auch schon beim Festival Internacional de Cine en Guadalajara den Preis für den besten Kurzfilm und war auf vielen Festivals präsent. Er hat seine Wurzeln in der Spanischen Folklore

Detaillierte Kritik in Spanisch:
https://www.cortoespana.es/critica-el-escarabajo-al-final-de-la-calle

Norbert Fink

27. Int. Filmfestival Innsbruck, 2018

Hier der erste Teil des Berichtes vom IFFI. Ich berichte von meinen Erlebnissen vom Dienstag bis Donnerstag.

Hier der zweite Teil, das Ergebnis der Preisverleihung und Kommentare. Stand: So 3.6.18

15. Crossing Europe Filmfestival Linz

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz.

Der ausführliche Bildbericht ist nun hier

Diese Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz
von Dr. Norbert Fink gesehene Filme

Christine Dollhofer hat wieder ein streng gegendertes Filmprogramm (heuer 48%, letztes Jahr 52% Filme von Frauen) zusammengestellt, das Beste aus Europa, und das Thema Flüchtlinge ist nach wie vor ziemlich präsent.
„Wer hier lebt, ist von da!“ ist ihr Motto. Etwa  im Eröffnungsfilm Jupiters Moon, im Schlussfilm Transit, Montags in Dresden, der Charmeur, Zentralflughafen THF, Mr. Gay Syria , u.a.
blau, kursiv= Text des Festivalkatalogs/Homepage.

 

FIFF – Fribourg 2018

Vom 16. bis 24.3.18 fand im Schweizerischen Fribourg das Internationale  Filmfestival statt, das auf Filme aus Ländern des Südens und Ostens spezialisiert ist – Ähnlich wie Innsbruck.
Urs war für den FKC dort und berichtet hier ausführlich: Bitte Links zu Trailern beachten!
http://www.fkc.at/archiv/img18/FIFF2018.pdf