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Gegen den Strom

Gegen den Strom
(Kona fer í stríð; Woman at War)

Island 2018, 101 Min, Cinemascope, isl. OmU
Regie und Buch: Benedikt Erlingsson

Halla ist Chorleiterin und hat vor vier Jahren einen Antrag auf Adoption eines Kindes gestellt. Doch sie führt ein Doppelleben, indem sie einen Krieg gegen die immer mächtig werdendere Aluminiumindustrie führt. Mit Pfeil und Bogen legt sie inmitten der archaischen isländischen Landschaft die Stromleitungen lahm. Wir vom FKC haben auch diskutiert, ob wir diesen Film spielen sollten. Ein promovierter Physiker unter uns war dagegen, so was sei physikalisch unmöglich! Gut, sie schießt mit Pfeil und Bogen erst ein dünnes Seil über die drei Phasen der Hochspannungsleitung und wenn der Pfeil auf der anderen Seite den Boden erreicht hat, zieht sie das Seil, an dessen Ende ein Stahlseil folgt mit Gummihandschuhen über die Leitung und verursacht einen Kurzschluss. „Die Terroristen“ werden dann natürlich gleich mit Drohnen und Hubschraubern gesucht, während sie geschickt der Polizei entkommt wird als Running Gag jeweils ein Rad fahrender lateinamerikanischer Tourist verhaftet, der sich in der Nähe aufhielt. Halla findet in einem vermeintlichen Cousin und Schafszüchter bald eine Verbündeten und kann mit härteren Bandagen, wie Sprengstofffanschlägen weitermachen.

Ihre zum Verwechseln ähnliche Schwester Asa plant eine innere Reise zu sich selbst und will zu Gurus gehen. Doch Halla bekommt plötzlich die Möglichkeit ein ukrainisches Kriegswaisenkind adoptieren zu können. Doch bei der Ausreise auf dem Flughafen gerät sie in strenge DNA-Kontrollen und wird nach einer Verfolgungsjagd in einem Taxi verhaftet.
Nun tauschen die beiden Schwestern die Rollen, notgedrungen macht Halla die innere Reise im Gefängnis und Asa adoptiert Nika, das Kind aus der Ukraine. Auch die Reise von Asa und Nika nach Hause in Island wird ein Abenteuer!

Stilistisch hat Erlingsson einige „Dogma 95“ Regeln pointiert umgesetzt, andere gebrochen.
So wird die Musik immer im Bild gezeigt, drei Musiker (Tuba, Harmonium / Klavier und Schlagzeug) und ein ukrainischer 3-Frauen-Chor greifen aber nie ein. Auch die Regel, kein künstliches Licht einzusetzen, dürfte befolgt worden sein und versetzen die meisten Szenen in ein düsteres, fahles Licht; hingegen wurde im Scope-Format und natürlich digital gedreht, um die Landschaften besser zur Geltung zu bringen.

***1/2 Insgesamt ist der Film mit seinen Verfolgungsjagden durchaus spannend und sehr originell, die „Bergfrau“, wie sie sich in einem Bekennerschreiben nennt, hätte aber ihre Gründe für ihr Handeln etwas detaillierter ausführen können, die angeblichen Umweltbestrebungen für eine lebenswerte Zukunft auf dem Planeten der Energiekonzerne auf Hochglanzpapier hören sich ähnlich an!
Norbert Fink

Roma (Netflix)

ROMA
Mexico, USA , 135 Min. span/mixtekische OmU
SW/Cinemascope
Regie: Alfonso Cuarón
ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen von Venedig, 2018

Der Titel “Roma” hat weder was mit der italienischen Hauptstadt Rom, noch der fahrenden europäischen Minderheit der Sinti und Roma zu tun, sondern einem Stadtteil von Mexiko-Stadt.

Mit dokumentarischer Präzision begleitet der Film die indigene Hausangestellte Cleo, die von einem Kampfsportler geschwängert wird und der sie schon bei der ersten Andeutung, sie könnte von ihm schwanger sein, verlässt. Doch auch die Hausherrin Sofia hat mir ihrem Gatten Probleme, auch er verlässt die Familie mit 4 Kindern. Trotz der Schwangerschaft hält sie zu Cleo und leidet mit ihr, als sie ein totes Kind gebärt. Sie wird schließlich zur Heldin, als sie – eine Nichtschwimmerin –zwei Kinder von Sofia aus den Fluten des Ozeans rettet, welche die Kraft der Wellen unterschätzen.
Der Film spielt im Stadtteil Roma von Mexiko-Stadt, wo 1971 ein Massaker (Matanza de Tlateloloc) an protestierenden Studenten angerichtet wurde.

Der anfangs etwas langsam dahin fließende Film gewinnt im weiteren Verlauf an Fahrt und Spannung und kann auch als Beispiel klassenübergreifender Frauensolidarität interpretiert werden. Von der Stärke des Körpers, der Seele und des Geistes, wie es die Kampfsportler predigen, ist freilich in der Praxis nichts zu merken.
Ein sehr sehenswerter Film über den Alltag in Mexiko.***1/2

Zu sehen auf Netflix und ev. in Schweizer Kinos.
Auch ich meine, dass Filme ins Kino gehören und auf einer großen Leinwand angeschaut werden sollen. Dass gerade die Streamingdienste in Punkto Bildqualität die normalen Fernsehsender übertreffen (full-HD oder sogar UHD) und deshalb in den immer größer werdenden Heimkinos beliebt werden, ist eine Tatsache. Mutig ist es sicher, in Schwarzweiß und Cinemascope zu drehen, eine eher unübliche Kombination. Erfreulich auch, dass Netflix immer mehr europäische Filme auf die Liste nimmt und auch OmU-Fassung anbietet.

Genaue Handlung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Roma_(Film)

Glücklich wie Lazzaro

Glücklich wie Lazzaro
Lazzaro felice

D, F, IT, CH 2018 (arte,TSI, rai), 127 Min, it OmU, aufgenommen auf 16mm analog

Regie: Alice Rohrwacher

Eine scheinbar verwunschene Dorfgemeinschaft tief in der italienischen Provinz lebt noch wie zu feudalen Zeiten, ausgebeutet von einer Gräfin, die sie durch Verschuldung in einer Art Leibeigenschaft hält. Wenn jemand Hilfe braucht, ruft er Lazzaro herbei; der junge Mann von sanftem Gemüt ist zu jedem Handlangerdienst bereit. Aber dann wird der Gräfin doch noch das Handwerk gelegt, die Dorfgemeinschaft verschlägt es ins Exil, alle altern bis auf Lazzaro … LAZZARO FELICE trifft den Ton zwischen Märchen und Neorealismus so genau, dass man beides als wahres Wunder erlebt. Ein Film, der mit jeder Szene überrascht und verführt und doch von sozialer Wirklichkeit erzählt. (Barbara Schweizerhof)

Auf der Tabakplantage der Marchesa Alfonsina de Luna in einem durch eine Naturkatastrophe weitgehend abgeschnittenen Teil Süditaliens, herrscht noch die Leibeigenschaft, blanke Sklaverei. Die Arbeiter werden immer mehr verschuldet und kennen kein Geld, nur Tauschgeschäfte. Sie bekommen schlechteres Essen als die Haustiere der Herrin. Als Tancredi, der rebellische Sohn der Marchesa seine eigene Entführung inszeniert und ein Kind die Polizei anruft, fliegt die illegale Tabakproduktion, die Nichtbezahlung und -versicherung der Arbeiter auf und die Herrin wird verhaftet.
Räuber räumen ihre luxuriöse Wohnung leer. Lazzaro hilft ihnen gutgläubig noch dabei, wird aber zu Fuß in die ferne Stadt geschickt, wo er erstmals so etwas wie das moderne Leben kennen lernt. Die Arbeiter werden in eine Stadt gebracht, wo sie am Rande des Bahnhofes dahinvegetieren und von Gelegenheitsdiebstählen etc. leben.
Lazzaro scheint zu nichts nütze, kennt jedoch unscheinbare Pflanzen, die man Essen kann.

Hauptfigur ist die biblische Gestalt des Lazarus, ein Bauernjunge, der so gutmütig ist, dass er oft für einfältig gehalten wird. Nach einem scheinbar tödlichen Sturz von einem Felsen wird er von einem Wolf wieder zum Leben erweckt und altert nicht mehr. Später in der Stadt, trifft er Tancredi, den er als Halbbruder wähnt, wieder, wird von ihm aber schwer enttäuscht.

Im nostalgischen 16mm-Stil, mit eher verhaltenen dumpfen Farben, erinnert der Film an den Sozialrealismus des Neorealismo, zeigt die Ausbeutung der Menschen, aber auch die Lebenskraft der einfachen, armen und meist analphabetischen Menschen. Mehrere religiöse Andeutungen und an Wunder grenzende Absurditäten nagen freilich etwas an seiner Glaubwürdigkeit.

Ein berührender Film mit märchenhaften Wendungen. ****

Neben einigen Programmkinos soll er demnächst auch auf Netflix zu sehen sein.

THE HOUSE THAT JACK BUILT

THE HOUSE THAT JACK BUILT

Regie: Lars von Trier, DK,D,F,S 2018,  153 Min, Cinemascope
Erstaufführung: Festival Cannes, 14.5.2018 (außer Konkurrenz)
Mit Matt Dillon, Bruno Ganz u.a..

Dem Film eilt der Ruf voraus, einer der unerträglichsten, grausamsten und zynischsten Filme zu sein. Bezüglich der Gewalteskalation übertreffe er sogar Haneke´s „Funny Games“. Soll man sich das antun?

Der Film spielt in den USA und handelt von dem hochintelligenten Ingenieur Jack, der sich rühmt Serienmörder von 61 Menschen zu sein, vorwiegend Frauen, aber auch Kinder und Männer hat er innert 12 Jahren auf dem Gewissen. Er ist zugegebenermaßen ein Psychopath und Zwangsneurotiker, der sich durch das Morden Erleichterung verschafft. Redegewandt und höflich gelingt es ihm, Zutritt in die Wohnungen der Opfer zu erlangen, um sie dann zu erwürgen, erstechen oder zu erschießen.

Die Polizei ist in dem Film nicht nur dumm, sondern auch als ineffizient und ignorant dargestellt, statt Hilferufen geschundener Frauen nachzugehen, jagt sie lieber kleinkriminelle Drogenhändler. Doch sein teuflisches Werk wird auch dadurch erleichtert, dass die Umwelt nicht auf Schreie reagiert und der alles egal zu sein scheint, was in der Nachbarschaft passiert.

Der Film ist in mehrere Episoden, hier „Ereignisse (Incidents) genannt, und einen Epilog am Schluss eingeteilt. Jack sieht seine Taten als inszenierte Kunstwerke und Trier vergleicht sie mit gotischen Kathedralen und bedeutenden Gemälden. In der Tat gibt es in der Kunstgeschichte die Darstellung der Heiligen Agatha von Catanien (gest. um 250) mit abgeschnittenen Brüsten. Eine der grausamsten Szenen des Films ist sicherlich eine solche Amputation, wo eine vorher verbal gedemütigte Frau, Simple, gefesselt, die schönen Brüste abgeschnitten und sie dann ermordet wird. Zuvor zeichnet er penibel mit einem Filzstift den Schnitt vor.

Abgemildert und in eine christliche Ethik eingeordnet wird das ganze freilich durch die Stimme Bruno Ganz´aus dem Off, der als Verge Jack immer wieder auf seinen Zynismus hinweist und auch Parallelen zum Massenmord der Nazis in den KZ zieht.

Schließlich wird auch bildgewaltig die Hölle dargestellt, wie sie Kirchenmaler kaum drastischer ausmalen könnten: als glühender Lavastrom in eine unendliche Tiefe. Dorthin begleitet ihn Verge dann auch.

Sicherlich ist es Trier gelungen, wieder einen Skandal zu entfachen und das Arthouse-Publikum zu schockieren, während echte Splatter-Fans sicher nur gähnen werden. Aber er kreiert wieder Bilder, die man nicht so leicht vergisst und provoziert eher die Kunstwelt.

Auch der Musikeinsatz ist gekonnt David Bowie, John Lennon und Carlos Alomar, provokant wenn auch ein paar Takte Vivaldi erklingen.

Langweilig ist der Film wahrlich nicht, allerdings steigert sich die Spannung nicht kontinuierlich wie bei Haneke, sondern muss sich in jedem neuen „Ereignis“ neu aufbauen.
Es hängt von den individuellen Seherfahrungen der Zuschauer ab, ob sie die Bilder ertragen möchten, die doch deutlich über der Tatort-Schwelle liegen.
Sicher ein Film, der zwiespältige Gefühle hinterlässt. ***

Cold War – Breitengrad der Liebe

Cold War –
Der Breitengrad der Liebe

Regie: Pawel Pawlikowski  („Ida“)
Mit Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc u.a.
Polen, GB F, 2018, 88 Min, SW, 1:1.37

Ist Cold War ein Musikfilm? Oder ein Liebesfilm? Oder gar ein Agentenfilm im Kalten Krieg?
Musikalisch ist der Bogen sehr weit gespannt und geht von mazurischer und anderer Volksmusik über Cool Jazz  und Klassik bis zum Rock & Roll und Schlager. Er ist in kontrastreichem Schwarzweiß und im „uralten“ fast quadratischen Format, welches den Blick einengt und ihn nach vorne drängt, im Gegensatz zum Cinemascope, welches uns in weite Landschaften schweifen lässt. Dies ist natürlich alles bewusst so gemacht und soll der räumlichen Enge der Protagonisten entsprechen, jedes Bild ist für dieses Format komponiert.

Der Komponist Wiktor und seine Kollegin Irena reisen im Jahr 1949, zur Zeit des polnischen Wiederaufbaus, mit ihrem Tonbandgerät durch die ärmlichen Bergdörfer ihres Landes, um dort nach versteckten Gesangstalenten zu suchen. Die besten der so entdeckten Musikerinnen und Musiker werden zu einem Vorsingen und Vortanzen in ein schönes altes Herrschaftshaus geladen, wo eine politisch konforme Vorzeige-Truppe geformt werden soll. Darunter ist auch die auf Bewährung freigelassene blonde Schönheit Zula, in die sich Wiktor verliebt. Doch ihre Liebe ist nicht ganz ungetrübt, wurde Zula doch nur unter der Bedingung freigelassen, Wiktor politisch zu bespitzeln. In der Tat flieht er bei einem Auftritt bei den int. Jugendfestspielen der DDR in Ostberlin in den Westen (die Mauer stand damals noch nicht), obwohl ihm eigentlich mit seiner Folklore-Truppe „Mazura“ eine große internationale Karriere bevorstand. Doch Zula, die eigentlich mitkommen sollte, lässt ihn alleine.
Jahre später treffen und lieben sie sich in Paris wieder, er nimmt mit ihr eine Jazz-Platte auf und lebt von Auftritten in Jazzclubs. Im blockfreien Jugoslawien besucht er erneut einen Auftritt der Truppe und wird dabei entführt. Was dies soll, bleibt uns freilich verborgen.

Selbst der polnische Botschafter in Paris hält ihn für verrückt, als er, inzwischen offenbar staatenlos, einen Antrag auf Einreise in die Volksrepublik Polen stellt. Dort angekommen wird er sofort interniert und wegen Verrats zu 15 Jahren verurteilt. Doch Zula, die über beste Kontakte verfügt, holt ihn wieder raus. Was sie nun gemeinsam vorhaben, ist mehr als tragisch.
Durchgehend spannend und mit längeren Musikbeiträgen durchsetzt, macht Pawlikowsi im Stile seines preisgekrönten Filmes „Ida“ weiter, der ebenfalls in diesem strengen SW-Format gedreht wurde und besticht durch die an den „Film-Noir“ erinnernde Fotographie. Die Liebesgeschichte hingegen  erscheint mir etwas holprig und schwer nachvollziehbar. ****

Die Gewinner von Huelva 2018

44.Iberoamerikanisches Filmfestival von Huelva

Erwartungsgemäß war Àlvaro Brechner Folter-Drama La noche de 12 años / Die zwölfjährige Nacht der große Gewinner des Festival. Er errang zwar „nur“  den Silbernen Columbus für die beste Regie, den besten technisch-künstlerischen Beitrag, den  besten Schauspieler, Alfonso Tort, und den Publikumspreis für den besten Spielfilm. (siehe unsere Kritik)

Der Film „Miriam Miente / Miriam lügt“  gewinnt den Goldenen Columbus beim 44. Iberoamerikanischen Filmfestival von Huelva.

Laut der Jury ist der Film „Miriam Mente“ von Cabral y Estrada „eine faszinierende Chronik der Dominikanischen Jugend, in der es den Regisseuren gelingt, die sozialen Widersprüche und rassischen Vorurteile, die Eltern an Kinder vermitteln, mit exquisiter Zartheit und Frische darzustellen. Die komplexen Charaktere, die strenge Inszenierung, der scharfe Einsatz des Vordergrunds, die Detailfülle und die schönen Interpretationen bestätigen, dass es sich um einen intelligenten, sensiblen und bewegenden Film handelt und die Regisseure über ein außergewöhnliches Talent verfügen um alles zu zeigen, wagen seine Figuren nicht zu sagen „.
Siehe unsere Kritik

Pilar Gamboa (in „Recreo“)  erhält den  Silbernen Columbus als beste Schauspielerin
Siehe unsere Kritik
und „Las Herederas“ erhält den Sonderpreis der Jury

Der Film „Las herderas/Die Erbinnen“ (Paraguay, Deutschland, Uruguay, Brasilien, Norwegen und Frankreich) von Marcelo Martinessi wurde ebenfalls von der Jury gelobt, die beschlossen hat, ihm den Sonderpreis zu verleihen, weil er das Publikum mit einem verborgenen Thema konfrontiert, die verbotene weibliche Homosexualität in der paraguayischen Gesellschaft und dies auf eine Weise tut, die es unmöglich macht, wegzusehen. Für die fließende, elegante, ehrliche und schöne Fotografie eine universelle Geschichte über Zuneigung, Freiheit, Angst und Verlangen. Für die Verwendung einer subjektiven Kamera, die hilft, in das dunkle Universum der beiden Hauptfiguren einzudringen. Eine sehr kluge Idee, die er in einem Debütfilm verwendet hat. “

Alle Preise im Detail (in Spanisch und dt. Übersetzung)

Huelva gilt als bedeutendes Schaufenster für das lateinamerikanische Kino.
Leider kommen nur sehr wenige Filme in deutschsprachige Verleihe.

 

 

El piedra

Iberoamerikanisches Festival Huelva:
EL PIEDRA (Der Stein)
Kolumbien 2018, 89 Min., Regie: Rafael Martínez Moreno

Ein sehr bewegender Film, sehr realistisch, führt uns auf den Grund des echten Boxens, Boxen, wo die große Mehrheit Verlierer sind, die nie die Spitze erreichen und nur schlecht leben, sie müssen ihre Leidenschaft mit anderen Jobs finanzieren.
Manchmal sieht es so aus, als würden wir einen Dokumentarfilm und keinen Film sehen, weil viele Szenen in der Stadt Cartagena spielen, gerade weil viele reale Szenen des Lebens gedreht wurden, und zwar nicht mit hohen Persönlichkeiten sondern mit echten Menschen der Stadt, mit ihren authentischen menschlichen Bedingungen.
Ein großer Treffer ist  dass die Boxer durch Profis dargestellt wurden, was die Boxkämpfe realistischer macht.
Gutes Kamera, guter Sound und eine schöne Geschichte. Ein weiterer guter Film, aber eher durchschnittlich **
Im Detail

Ultimos

Iberoamerikanisches Filmfestival Huelva:
Ultimos (Die Letzten)
Kolumbien 2018, 91 Min, Regie: Rafael Martinez Moreno,

Ökologischer Science-Fiction-Film, sehr realistisch, futuristisch, der Regisseur bringt Aspekte von großer Relevanz zusammen, wie „Krieg“, „Imperialismus“, „humanitäre Krisen von Einwanderern“ und „Zerstörung der natürlichen Ressourcen von die Erde.“

Die lange Flucht durch die bolivianische Wüste erinnert uns auch an Mad Max ‚Wüstenlandschaften, heruntergekommene Häuser, Nachkriegsszenen, eine lange endlose Straße und ständig lauernde Drohnen.

Sehr guter Film, sehr gute Spezialeffekte, sehr realistisch, sehr gutes Drehbuch und sehr gute Leistungen der drei Protagonisten.

Erwähnenswert ist, dass dies der erste Film ist, der die weibliche Protagonistin als bedeutende Schauspielerin hervorhebt, die fast ohne zu sprechen mit ihrem Gesichtsausdruck und ihren Gesten die herzzerreißende Geschichte kommuniziert.****
Im Detail

La Noche de 12 Años

Die zwölfjährige Nacht, Regie: Alvaro Brechner, Spanien, Uruguay, Frankreich, Argentinien 2018, 123 Minuten.
Vom 44. Iberoamerikanischen Filmfestival in Huelva berichtet Ray:

Ein ausgezeichneter Film, ein sehr gutes Drehbuch, in dem es um psychische Folter geht, welche den Tupamaros-Häftlingen vom uruguayischen Militär zugefügt wurde,  es gibt dabei gewisse Ähnlichkeiten mit dem Film „Midnight Express“ (Alan Parker).

Der größte Teil des Films spielt in militärischen Arrestzellen, traurig, schmutzig, fast ohne Licht. Der Zuschauer fühlt sich in der Zelle und man spürt das  psychologische Martyrium der drei Tupamaros.

Gute Kameraführung, sehr glaubwürdige Szenarien, die Musik wird ein wenig von den Geigen dominiert, die drei Schauspieler spielen fabelhaft.

Als negative Kritik, möchte ich sagen, dass der Film, wie viele andere Filme, die von den südamerikanischen Militärdiktaturen des letzten Jahrhunderts handeln (Argentinien, Chile, Paraguay, Nicaragua usw.), immer der Guerillakämpfer gut, intelligent, ehrlich und menschlich ist. Hingegen ist der Militär immer ein bisschen dumm, böse, ignorant, fast Analphabet und gefühllos. Die Tupamaros-Guerillas sind nicht immer die Guten und die Militärs sind nicht immer die Bösen.

Es ist ein sehr guter Film, der die Geschichte freilich nur von einer Seite, der Geschichte der Guerilla, erzählen will. ***

Als private Meinung glaube ich, dass es vielleicht ein Favorit ist, den Colon de Oro zu gewinnen, aber nicht für den Film selbst, sondern in Anerkennung an „El Pepe“ José Mújica, der später Präsident Urugays wurde.

(Anm. unser Korrespondent Ray ist Berufssoldat in Spanien)
Der FKC zeigte von Alvaro Brechner bereits „Se
ñor Kaplan“ (2014). Dieser Film wurde bereits in Venedig und San Sebastian gezeigt, allerdings nicht im Wettbewerb. Übersetzung: Norbert
Originaltext (spanisch)  und weitere Infos

Ray hatte Recht: dieser Film sahnte die meisten Preise ab!
siehe Preise

Iberoamerikanische Filme / Vorschau Festival Huelva 2018

Festival de Huelva 2018
Cine Iberoamericano

Was steht im Wettbewerb auf dem Programm?

Spielfilme im Wettbewerb  –
Sección Oficial Largometrajes a Concurso

1. Aos Teus Olhos (In deinen Augen)
De Carolina Jabor

Brasil / 90 minutos / 2017, Drama

Sinopsis
Un profesor de deportes es acusado de acoso sexual por uno de sus jóvenes alumnos durante una clase de natación. Es imposible verificar su culpabilidad o inocencia, pero el caso tiene una gran reacción en línea y las consecuencias son nefastas.
(Einem Sportlehrer wird vorgeworfen, während eines Schwimmkurses einen seiner jungen Schüler sexuell belästigt zu haben. Es ist nicht möglich, seine Schuld oder Unschuld zu überprüfen, aber der Fall hat online eine große Reaktion und die Folgen sind düster.)

2. Recreo (Erholung)
Hernán Guerschuny y Jazmín Stuart

Argentina / 90 minutos / 2018, Comedia – Drama

Sinopsis
Una comedia ácida sobre sexo, pañales y rock and roll. Como una radiografía de aquellos que están en sus 40 años, “Recreo” se sumerge en la dualidad de la vida familiar, la fantasía de volver a la adolescencia, deseos pendientes, las contradicciones de la vida burguesa y el tiempo que se nos escapa.
(Wer schon über 40 ist, denkt gerne an die Pubertät, die Zeit von Sex, Windeln  und Rock&Roll zurück, die immer mehr durch das bürgerliche Leben verdrängt wird)

Unsere Kritik

3. El Hijo del Acordeonista
(Der Sohn des Akkordeonisten)

De Fernando Bernués, España / 95 minutos / 2018, Drama

Sinopsis

David está a punto de morir en California, a donde tuvo que huir hace años, acusado de traición por los suyos. Uno de ellos, Joseba, quien fuera su amigo del alma, ha venido a visitarle. Y de paso, a ajustar cuentas pendientes.

(David stirbt in Kalifornien, wohin er wegen Verrat fliehen musste. Doch einer der Verratenen hat ihn noch besucht…)

4. La Noche de 12 Años
(die zwölfjährige Nacht)

De Álvaro Brechner, Drama

España, Uruguay, Francia, Argentina / 123 minutos

SINOPSIS
1973. Uruguay está bajo el poder de la dictadura militar. Una noche de otoño, nueve presos Tupamaros son sacados de sus celdas en una operación militar secreta. La orden es precisa: “como no pudimos matarles, vamos a volverles locos”. Los tres hombres permanecerán aislados durante 12 años. Entre ellos Pepe Mujica, quien más tarde llegó a convertirse en presidente de Uruguay.

(1973 – Uruguay steht unter der Macht der Militärdiktatur. In einer Herbstnacht werden neun Tupamaros-Gefangene in einer geheimen Militäroperation aus ihren Zellen entfernt. Die Anweisung lautet: „Wenn wir sie nicht töten können, machen wir sie verrückt.“. Die drei Männer bleiben für 12 Jahre isoliert. Unter ihnen Pepe Mujica, der später Präsident von Uruguay wurde.)

Dieser Film sahnte die meisten Preise ab!
Unsere Kritik

5. Miriam Miente (Miriam lügt)

De Natalia Cabral y Oriol Estrada

República Dominicana, España / 90 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
El tranquilo mundo de una familia pequeñoburguesa comienza a desmoronarse cuando Miriam (14) conoce a su novio de internet. Mientras sus familiares y amigas preparan con entusiasmo la tradicional fiesta de los 15 años, Miriam no sabe cómo explicar que su novio es negro.
(Die stille Welt einer kleinbürgerlichen Familie beginnt auseinanderzufallen, als Miriam (14) ihren Freund im Internet trifft. Während ihre Familie und ihre Freunde begeistert die 15-jährige auf traditionelle Party [des Frau-Werdens] vorbereiten, weiß Miriam nicht, wie sie erklären kann, dass ihr Freund schwarz ist.)

Dieser Film gewann den Hauptpreis, den Goldenen Columbus.
Unsere Kritik

6. El ombligo de Guie’dani
(Der Nabel der Guie´dani)

De Xavi Sala

México / 119 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
Guie’dani, una niña indígena zapoteca, y su madre, entran a trabajar para una familia acomodada de la Ciudad de México. La pequeña no se adapta y es conflictiva. Todo cambia cuando conoce a Claudia, una niña rebelde con la que entabla una intensa relación.

(Guie’dani, ein indigenes Mädchen aus Zapotec, und ihre Mutter arbeiten für eine wohlhabende Familie in Mexiko-Stadt. Das kleine Mädchen passt sich nicht an und führt zu Konflikten. Alles ändert sich, als es Claudia trifft, ein rebellisches Mädchen, zu dem es eine intensive Beziehung hat.)

7. Restos de Viento (Reste des Windes)

De Jimena Montemayor Loyo

México / 93 minutos / 2017, Drama

Sinopsis
Una familia se mantiene a  la deriva  tras  la  ausencia  del  padre.  Madre  e  hijos  tendrán  que   crecer  y  soltar  sus  miedos  para  sobrevivir.
(Eine Familie triftet wegen der Abwesenheit des Vaters ab. Mutter und Kinder müssen wachsen und ihre Ängste loslassen, um zu überleben.)

Unsere Kritik

8. Las Herederas (Die Erbinnen)

De Marcelo Martinessi

Paraguay, Alemania, Uruguay, Brasil, Noruega / 97 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
Desde hace más de 30 años, Chela (66) y Martina (67) viven juntas. Como hijas de familias de buena posición social habían heredado suficiente dinero como para vivir cómodamente sin necesidad de trabajar . Pero ahora, cuando ambas tienen más de 60 años, ese dinero heredado se ha acabado. Cuando Martina va a la carcel por no poder pagar las deudas que contrajo, Chela empieza a proveer a mujeres mayores de familias acomodadas con un servicio de taxi que le ayuda a poder mantenerse. Así conoce a Josefina, una mujer glamurosa 20 años más joven que ella, con quien conecta de inmediato. Esa conexión va transformando la relación de Chela consigo y con su entorno provocándole una revolución interna.

(Seit über 30 Jahren leben Chela (66) und Martina (67) zusammen. Als Töchter von Familien mit gutem sozialen Status hatten sie genug Geld geerbt, um bequem leben zu können, ohne arbeiten zu müssen. Aber jetzt, als beide über 60 sind, ist das vererbte Geld ausgegangen. Als Martina ins Gefängnis geht, weil sie ihre Schulden nicht bezahlen kann, beginnt Chela, ältere Frauen aus wohlhabenden Familien mit einem Taxidienst zu versorgen, der ihr hilft, sich selbst zu ernähren. So trifft sie Josefina, eine glamouröse Frau, 20 Jahre jünger als sie, mit der sie sich sofort versteht. Diese Verbindung verändert Chelas Beziehung zu sich selbst und ihrer Umgebung und provoziert eine innere Revolution.)

9. Los Últimos (Die Letzten)

De Nicolás Puenzo

Argentina / Chile / 91 minutos / 2017, Thriller

Sinopsis
Una niña quechua embarazada y su compañera criolla escapan de un campo de refugiados. En su viaje hacia el sur a través de las Tierras Altas de Bolivia, ahora un desierto estéril controlado por grupos de milicias sangrientas, se encuentran con Ruiz, un fotógrafo de 50 años de edad, con cicatrices de la guerra que busca salvarlos de la zona de guerra, rescatando los restos de su humanidad.

(Ein schwangeres Quechua-Mädchen und ihr kreolischer Partner flüchten aus einem Flüchtlingslager. Auf ihrer Reise nach Süden durch das bolivianische Hochland, heute eine kahle Wüste, die von Gruppen blutrünstiger Milizen kontrolliert wird, begegnen sie Ruiz, einem 50-jährigen Fotografen mit Narben vom Krieges, der versucht sie aus dem Kriegsgebiet zu bringen und einen letzten Rest von Humanität zu zeigen.)
Unsere Kritik

10. El Piedra (Der Stein)

De Rafael Martínez Moreno

Colombia / 89 minutos / 2018, Drama

Sinopsis
La vida del boxeador Reynaldo “El Piedra” Salgado cambia cuando Breyder, un chico de la calle, aparece en su puerta diciendo ser su hijo… Ahora, dos solitarios tendrán que aprender como construir una familia juntos.

(Das Leben des Boxers Reynaldo „El Piedra“ Salgado ändert sich, als Breyder, ein Straßenkind, an seiner Tür erscheint und behauptet, sein Sohn zu sein … Nun müssen zwei Einzelgänger lernen, wie sie gemeinsam eine Familie gründen können.)
Unsere Kritik

Es gibt noch viele weitere Filme in anderen Sektionen, das Gastland heuer war die Dominikanische Republik.
Auffallenderweise war heuer kein brasilianischer Film auf dem Programm.

Übersetzung: Norbert Fink, Titel können auf dem deutschen Markt (so sie überhaupt dort auftauchen) einen anderen Namen erhalten.