Archiv für den Autor: Norbert Fink

2001 von Stanley Kubrick jetzt neue 70mm Kopie

2001 Odyseee im Weltraum „unrestored“ 70mm Fassung (Stanley Kubrick 1968).


Diese Fassung wurde kürzlich von Regisseur Christopher Nolan vom Original 70mm-Negativ gezogen, wobei nur analoge / chemische Methoden zur Verbesserung herangezogen wurden. Der Ton ist in DTS, da kein Labor mehr 6-Kanal-Magnetton-Kopien herstellen kann.

Der Film ist mancher Hinsicht prophetisch, Dietmar Zingl
wies darauf hin, dass es

  • Flachbildschirme (auch im PanAm Flugzeug im
    Vordersitz)
  • Bildtelefon (heute Skype)
  • Kreditkartenzahlung
  • Künstliche Intelligenz, welche allmählich die
    Kontrolle über den Menschen erlangt und Menschen tötet
  • Sprachausgabe und –Eingabe – Computer

im Film gibt. Dies war 1968 reine Utopien, die aber eingetroffen sind. Mir ist auch aufgefallen dass „Fake News“ eingesetzt wurden, um die Bevölkerung ruhig zu stellen.
Noch heute faszinierend wirkt die Filmmusik (R. Strauss, also sprach Zarathurstra, J.Strauss, Donauwalzer u.a.).
Eigenwillig ist die Idee des Quaders, der von Außerirdischen stammen soll und das Böse in die Welt trägt (Die Vormenschen lernen, einen Knochen als Mordwaffe einzusetzen und werden so zu Jägern), psychedelisch die Rückkehr auf die Erde und irgendwie esoterisch, als zum Schluss er sich als alter Mann und Greis selber sieht. Doch dies dürfte auch von Einsteins Theorie der Zeit beeinflusst worden sein.

Die Handlung kann in Wikipedia nachgelesen werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/2001:_Odyssee_im_Weltraum#/media/File:Screenplay_(8649765020).jpg

Er ist in 70mm wieder zu sehen beim 70mm Festival in Karlsruhe am Sa.29. 9.18 um 21:00 in der Schauburg (siehe:  in70mm.com,)

Auch nach 50 Jahren ist dieser Klassiker des SF-Films
absolut sehenswert!

Grenzenlos (Wim Wenders)

Grenzenlos (Submergence)
Regie: Wim Wenders, USA, F, D, E 2017, 112 Min.

Der Film nach dem Roman von Jonathan M. Ledgards hatte bei den Filmfestspielen von San Sebastian seine Europapremiere und erschien bei einem US-Verleih.
In einem Luxus-Schlosshotel am Atlantik in Frankreich treffen zwei Menschen mit komplett unterschiedlichen Berufen aufeinander und verlieben sich. Die schöne Alicia ist Biomathematikerin und will tiefste Meeresschichten mit einem Spezial U-Boot erforschen,
Der durchtrainierte James gibt sich als Brunnenbauer in Afrika aus, ist aber Geheimagent des MI6 und wird auf eine sehr gefährliche Mission gegen die Djihadisten nach Somalia geschickt.

Im ersten Teil, sehen wir die beiden am Turteln, wobei das ganze sehr züchtig dargestellt ist. Dann müssen sie sich leider trennen und ihren Aufgaben nachgehen, was beide sehr schmerzt. Werden Sie sich je wieder sehen?

Er wird bei der Ankunft in Somalia gleich enttarnt, gefoltert und in ein dunkles Loch gesteckt, bei ihr ist die Dunkelheit die Tiefe des Meeres, es gibt nur ein solches U-Boot, bekommt es einen Defekt, wird sie entweder ertrinken oder binnen 5 Tagen ersticken, außerdem ist ihr Tauchgang der letzte der Mission. Im zweiten Teil lebt der Film von der Parallelmontage und gewaltigen Naturaufnahmen (v.a. der Faroer-Inseln). Beide denken ständig aneinander und sind in großer Gefahr, Alicia verzehrt sich vor Sorgen, da sie keine Nachricht von James erhält und keinen Kontakt zu ihm herstellen kann. Als James wenigstens halbwegs anständig behandelt wird und statt in einem Loch in einem Ausbildungscamp in den Mangroven gefangen gehalten wird, kann er einen Sender in seiner Zahnprothese aktivieren. Bald greifen die Amerikaner das Camp an, und er kann nur ins Wasser springen, um sich zu retten.

Alicia ist jetzt in 3000 m Tiefe und entdeckt neue Lebensformen, als das U-Boot plötzlich jeden Strom verliert. Nun, wenigstens kein Happyend. Das Ende des Films kann man in mehrere Richtungen interpretieren, ist das helle Licht der Übergang ins Jenseits oder doch das Licht an der Wasseroberfläche? Einen Hoffnungsschimmer lässt er den Zusehern.  Wenders neigt ja manchmal zum Übersinnlichen…
Viele Themen werden angeschnitten, es wäre eigentlich Stoff da für einen James-Bond-Film einerseits und einen Nautilus-Film andererseits, die wissenschaftlichen Erörterungen der Meeresschichten überfordern sicher die meisten Zuseher, während die Schilderung der Djihadisten eher den Klischees entspricht. Richtig spannend wird der Film erst zum Schluss.
Leider nicht in Cinemascope gedreht!

*** Wim Wenders versucht die Parallelen zweier frisch Verliebter in höchst unterschiedlichen Gefahrensituationen und Umwelten durch harte Schnitte darzustellen, und gleichzeitig einen Bericht zur Lage des Planeten – politisch wie ökologisch – abzuliefern, was einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

 

33. Alpinale 2018

  1. Alpinale Nenzing 2018
    Eröffnungstag, Di 7.8.18

Der Auftakt zur heurigen Alpinale Nenzing war von einem netten Symbol gekennzeichnet: das Einhorn, das Wappentier der Alpinale war leibhaftig als Kuscheltier anwesend und wurde ausgiebig für Selfies und andere Erinnerungsfotos genutzt. Es war das Überraschungsgeschenk für Manuela Mylonas, die zum 10. Mal das Festival leitet.

Der Wettergott war leider weniger gutmütig. Als alle um 20:30 Uhr auf dem Ramschwagplatz bei angenehm warmen Temperaturen Platz genommen hatten und die einführenden Reden stattfinden hätten sollen, begann es an zu regnen, zuerst wurden noch Regen-Ponchos verteilt und kurz danach wurde doch der Befehl erteilt „alle in den Saal!“.
Bis nun auch die Technik umgestellt war, verging einige Zeit und so konnte gegen 21:30 der erste Film starten.

Norbert Fink mit Einhorn

STILL (Regie: Hanna Mathis, A 2018).
Dieser war aus der Kategorie v-shorts und 4 Minuten kurz in SW und Cinemascope.
In der Wiener U-Bahn setzt sich ein älterer Mann neben einen jungen Mann, der sehr laut Musik hört und auf einem Behindertensitzplatz sitzt. Sie kommen ins Gespräch und statt des erwarteten Konflikts löst sich die Situation in Wohlgefallen auf, war der junge Mann gehörlos? ***

RIEN NE VA PLUS (Sophie Linnenbaum, D 17, 15 Min, Hochschule)
Ein verzweifelter Mann will sich durch Sprung von einem Hochhausdach das Leben beenden, als das Handy klingelt. Eine Frauenstimme verkündet ihm, er habe Jetons für das Casino gewonnen, welche er gar nicht will. Doch gleichzeitig wird jenes Casino überfallen und die Frau am Telefon bedroht. Nun will er ihr Leben retten!
Interessante Parallelmontage ***

A THOUSAND KISSES (Richard Goldgewicht, BR  18, 16 min, Animation)
1933 fühlt sich ein jüdisches Paar in Berlin wegen der Nazis nicht mehr wohl und will nach Rio de Janeiro auswandern. Erst wagt der Mann die Schiffspassage, als er in Brasilien Fuß gefasst hat, holt er seine Geliebte nach. Die beiden schreiben sich eifrig Briefe –  die 80 Jahre später von deren Enkeln gefunden werden. Kunstvoll und stilsicher animierter Film mit vielen korrekten Details ****

ICARE (Nicolas Bucart, B 17, 25 Min, International)
Das eindrucksvoll an einer Steilküste fotografierte Drama um einen vom Fliegen faszinierten Mann, der einen achtjährigen Jungen nach langem Training und Vorbereitungen mit Flügeln über die Klippen springen lässt war stellenweise langatmig und vor allem das Ende mehr oder minder vorhersehbar. ***

AUGENBLICKE (Kiana Nagshineh, D 2018, 4 Min, Animation)
Eine Frau ängstigt sich beim nächtlichen Nach-hause-gehen. Sehr experimenteller, wenig verständlicher Animationsfilm. *

WANNABE (Lenz/Jannis A/D, 30 Min, Hochschule)

Die 17jg. Coco schwänzt die Schule, um sich in Castings und Musikvideodrehs zu beweisen – und setzt sich damit einer Demütigung nach der anderen aus. Weil sie als Model, Tänzerin und Schauspielerin nicht weiter kommt, konzentriert Coco sich immer stärker auf die Produktion ihres eigenen YouTube Kanals. Dort kann sie sich so darstellen, wie sie gerne wäre, aber nicht ist.

Der schon auf vielen Festivals ausgezeichnete Film spricht ein sehr junges Publikum an und nervt die älteren Semester.

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Letzter Tag mit Wettbewerbsprogramm
Fr 10.8.18

Der Vorarlberger Felix Kalavainan – schon vorletztes Jahr in den v-shorts präsent -, zeigte
METASTAATEN (A 2019/10 Min)

Er hat inzwischen die Grundausbildung an der Filmakademie Wien abgeschlossen und machte einen Kurzfilm ohne die starren Regeln der Filmakademie. So wagte er sich an das Tabu-Thema heran, Tiere und Kinder zu filmen, stieß in Bürs auf dressierte Hühner und castete einen Jungen.

Paul weiß ganz genau, dass seine Mutter schwer krank ist und baut sich im Wald eine eigene Welt zusammen, in der Tiere eine große Rolle spielen. Als Papa heimkommt, ist er sehr traurig.
Der Zusammenhang zwischen der Fantasiewelt des Jungen mit Tieren und den Metastasen einer Krebserkrankung erscheint mir etwas konstruiert. Dennoch eine gute Idee! ***

FANNY (Haldan Ullman Tǿndel, N 2017, 29 Min, international, Cinemascope)
Fanny, mitte Zwanzig, etwas schüchtern, studiert in ihrer Heimatstadt und gerät in einer Kennenlern-Runde in eine makabre Situation. Sowohl eine heterosexuelle, als auch eine lesbische Bekanntschaft laufen schief. Auf dem Hintergrundes eines sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater werden die Folgen auf die sexuelle Identität geschildert. **

BERNARD (Anna Oparkowska, PL  2017, 6 Min, Animation)
Schwer verständliche Geschichte im Eis – Ein Eisbär, ein lebender Eisblock, ein Mensch? Was im Programmheft steht (Geschichte über Einsamkeit, Verhaltensstörungen und den verzweifelten Versuch nach Nähe in einer unwirtlichen Winterlandschaft) ist nur unklar auszumachen und wenig exakt gezeichnet. *

FUCKING DRAMA (Michael Podogil, A 2017, 17 Min, Hochschule)
Ein Pärchen wird zum Spontanbesuch eines Off-Theaterstücks überredet, in einem alten Kellergewölbe soll ein Drama gespielt werden. Eine Frau spielt Cello, eine andere entblöst ihre Brüste, als Manfred Amour, der Autor des Stücks, seine SchauspielerInnen und das Publikum beschimpft, kommt Dynamik auf. Mit einer Pistole droht er sich zu erschießen, als dann eine Frau den Saal verlassen will wird sie (scheinbar) erschossen und das Publikum zittert. Wie weit darf Kunst gehen um beim abgestumpften Publikum auf jeden Fall Emotionen zu provozieren?
Hochspannend wirft Podogil einen Blick auf die aktuelle Kunstszene. ****

59 SECONDS (Carraro Mauro, CH 2017, 16 Minuten, Animation)

Im Mai 1976 erschütterte ein 59 Sekunden dauerndes schweres Erdbeben die Gegend um Friaul. Wir sehen den Alltag davor, unter anderem auch für den Soldaten Bruno, dessen Kaserne im Epizentrum liegt. Seine Geliebte Tiziana macht sich nach der Katastrophe Sorgen um ihn. Zeichnerisch eher unkonventionell gestaltet, mit düsterem Unterton, durchaus sehenswert.***

MANEKI NEKO (Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, International, Cinemascope)

Ein fremder Mann wird von einer fremden Frau in der Nacht in einem Buswartehäuschen angesprochen, sich doch die Kosten für das Taxi zu teilen und so fahren sie ins Zentrum von Athen. Sie tun so, als ob sie sich schon immer kannten – eine Psychose?
Sollte dies ein Horror-Film sein? Ich konnte wenig damit anfangen!*

ALL THE TIRED HORSES (Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Hochschule, Cinemascope)

Der Film erinnerte stark an “Gott des Gemetzels” – Zwei Paare um die 30, die sich nicht kennen, verbringen einen Abend miteinander und warten auf jenes Paar, die sie zusammengebracht hat und sich verspätet hat. Die gastgebende Frau hat allerdings kurz zuvor einen positiven Schwangerschaftstest gemacht und empfindet deshalb die Diskussion über Umzug der Kreativen nach Berlin, Polygamie, Dating Apps u.a. als sehr unpassend, sie geraten sich immer mehr in der Haare.
Perfekt ausgeleuchtete Räume und eine hervorragende Kamera machen das an sich wortlastige Kammerspiel zu einem kompakten Genuss. ****


Das waren die Siegerfilme:

Felix Kalavainan und Norbert Fink


Gewinner der vorarlberg-shorts:
Felix Kalavainan mit METASTAATEN (A 2019/10 Min)
(Kritik siehe oben)
Kleiner Star war auch Lucas
William-Mathis,
der junge Hauptdarsteller des Films

Lucas William-Mathis

Bester Animationsfilm: Catherine von Britt Raes, B 2016, 12 Min

Mit subtilem schwarzem Humor wird eine Frau gezeichnet, die ihre Tiere liebt, aber auch ungewollt tötet.***

Bester Internationaler Film: MANEKI NEKO
von
Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Lobende Erwähnung der Jury: Detainment von Vincent Lambe, IRL/GB 2018, 30 Min.
Wahre Geschichte von zwei 10jg Jungen, die 1993 beschuldigt wurden ein Kleinkind entführt und ermordet zu haben.

Bester Hochschul-Film: ALL THE TIRED HORSES von Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Preis der Jury (über alle Kategorien):
ENTSCHULDIGUNG, ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN
von Bernhard Wenger, A/D 2018, 23 Minuten, Cinemascope

Die Freundin eines jungen Mannes aus Schweden verlässt diesen nach einem Streit in einem Wellness-Hotel inmitten der Alpen (Kals, Osttirol). Er sucht im Hotel verzweifelt nach ihr, findet neue Gesprächs- und Tischtennisfreunde und verpatzt sich eine Chance, eine neue Freundin zu finden. In Wahrheit ist er auf der Suche nach sich selbst.****
Der Film gewann in Saarbrücken den Publikumspreis Kurzfilm!

Bester Kinderfilm (von den Kindern und Jugendlichen selbst prämiert):
HALIM
von Werner Fiedler, D 2017, 30 Min, Cinemascope

Elias trifft auf Halim, einen eigenartigen älteren Mann mit fremdländischem Aussehen,
der sich nur über Pantomime verständigen kann und auf einer Naturbühne kleine Stücke zur Freude der Kinder zum Besten gibt. Als seine Mutter Elias mit diesem Asylanten entdeckt, verbietet sie ihm jeden Kontakt zu ihm und meint, die Asylanten seien böse und fielen uns zur Last. Doch Elias kontert, er suche seine Familie, die er auf der gefährlichen Flucht verloren hat. Er ist traurig, als er abgeschoben werden soll und erneut fliehen muss. Elias veranstaltet am selben Ort eine Veranstaltung zu Ehren von Halim.
Erstaunlich, dass dieses humanistische Anliegen von den Kindern und Jugendlichen zum besten Kinderfilm gewählt wurde.****

Publikumspreis:

El escarabajo al final de la calle


EL ESCARABAJO AL FINAL DE LA CALLE (Der Käfer am Ende der Straße)
von Joan Vives Lozano, E 2017 (Katalanien), 19 Minuten, Hochschule.

Eines Tages hat die Fischverkäuferin Lolín eine Vision: Amadeo soll nur noch sieben Tage zu leben haben. Amadeo kümmert sich um seinen invaliden Schwiegervater Agustín. Diese Weissagung setzt eine Serie von Ereignissen in Gang, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Sein Begräbnis wird vorbereitet.
Doch nicht Amadeo stirbt, sondern Agustín. Hatte Lolín eine Zuckung und auf den falschen gezeigt? ***

Der Film gewann auch schon beim Festival Internacional de Cine en Guadalajara den Preis für den besten Kurzfilm und war auf vielen Festivals präsent. Er hat seine Wurzeln in der Spanischen Folklore

Detaillierte Kritik in Spanisch:
https://www.cortoespana.es/critica-el-escarabajo-al-final-de-la-calle

Norbert Fink

303

303

D 2018, Regie: Hans Weingartner, Buch: Hans Weingartner und Silke Eggert

145 Min, gesehen in DF

https://de.wikipedia.org/wiki/303_(Film)  (genauer Inhalt)
https://303-film.de (Homepage mit Reiseroute und Musiklinks)

Der neue Film des Vorarlbergers Hans Weingartner („Das weisse Rauschen“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und vier weitere Langfilme) ist eine gekonnte Mischung aus Road-Movie (von Deutschland via Belgien, Frankreich, Spanien bis nach Portugal) in einem alten Wohnmobil auf Basis des Mercedes 303 Kleinlasters. Jule und Jan sind 24jg. Studenten, bei denen das Studium nicht ganz so läuft wie erhofft, außerdem ist Jule schwanger und ihre Mutter drängt sie zur Abtreibung. Sie fährt mit ihrem Wohnmobil zu ihrem Freund nach Portugal, der sie geschwängert hat, um dies zu besprechen und nimmt sie Jan als Autostopper mit. Sie diskutieren über die biologischen und genetischen Grundlagen der Liebe, also über Hormone und Pheromone, Jule träumt von einer solidarischen Gesellschaft, Jan hält den Konkurrenzkampf für wichtig, kritisiert aber das kapitalistische System, das die Menschen „systemimmanent“ einsam und so krank mache. Jan möchte eigentlich seinen leiblichen Vater kennenlernen, der im spanischen Baskenland bei einer Werft arbeitet.

Die Gespräche sind auf einem intellektuell hohen Niveau und entsprechen durchaus dem Stand der Wissenschaft. Es dauert zwei Stunden, bis die beiden ihre theoretischen Gespräche über Sex zaghaft in die Realität umzusetzen.

Mich erinnerte der Film doch stark an meine Studentenzeit, wo wir viel über Gott und die Welt, Kapitalismus und Sozialismus, Psychoanalyse und Behaviourismus usw. diskutiert hatten und auch mit alten Autos durch südliche Gegenden gefahren sind.

Die Schauspieler Mala Emde und Anton Spieker spielen grandios, die langen Dialoge wirken spontan und echt, sind aber haargenau nach Drehbuch eingelernt. Einige tolle Landschaftsaufnahmen sind auch dabei. Mit 145 Min. ist der Film schon etwas lang geraten, ist aber nie langweilig. Es war ein Wagnis den Film zu produzieren, zumal keine großen Fernsehanstalten mitmachten.
Doch er berührt das Publikum! ****

 

FIFF – Fribourg 2018

Vom 16. bis 24.3.18 fand im Schweizerischen Fribourg das Internationale  Filmfestival statt, das auf Filme aus Ländern des Südens und Ostens spezialisiert ist – Ähnlich wie Innsbruck.
Urs war für den FKC dort und berichtet hier ausführlich: Bitte Links zu Trailern beachten!
http://www.fkc.at/archiv/img18/FIFF2018.pdf

Solothurner Filmtage 2018

Unser Schriftführer Urs Vokinger war drei Tage in Solothurn und schaffte 10 Filmvorführungen! Hier ist sein Bericht!

Die dunkelste Stunde

Die dunkelste Stunde

GB 2017, 121 Min, Regie: Joe Wright
gesehen in DF

Es geht in diesem kammerspielartigen Film um die Persönlichkeit Winston Churchills. 1940 ist er der einzige Konservative, der auch von der Opposition akzeptiert und so vom König zum Premierminister ernannt wird. Er ist keine einfache Person, in der eigenen Partei ein Außenseiter, trinkt und raucht gerne und viel, braust manchmal auf, hat aber trotz rauer Schale das Herz am richtigen Fleck.
Eigentlich wollen die meisten Politiker nach dem Einmarsch Hitlers in Belgien Mussolini um Vermittlung zu einem Friedensvertrag bitten, doch Churchill ist strikt dagegen, mit dem Diktator zu verhandeln und will bis zum Sieg kämpfen. Die Ausgangslage dazu ist nach der Einkesselung der Truppen in Dünkirchen alles andere als rosig, Hitlers Wehrmacht scheint in allem überlegen zu sein, die Amerikaner wollen (noch) neutral bleiben und die Armee ist einem desolaten Zustand. Außerdem wird Churchill angelastet, im Ersten Weltkrieg Schuld am Desaster von Gallipoli zu sein. So kommt er auf die glorreiche Idee, die eingeschlossenen Truppen in Dünkirchen mit zivilen Booten zu retten, was bekanntlich gelungen ist (vgl. den Film „Dünkirchen“). Churchill ist freilich ein begnadeter Redner und so büxt er einmal von seinem Dienstwagen aus, um erstmals in seinem Leben mit der U-Bahn zu fahren, wo er die Meinung der normalen Bevölkerung hören will, die ihn in seinen Ansichten bestärkt, gegen Hitler zu kämpfen. Diese Szene ist freilich Fiktion. Der Rest ist Geschichte.
**** Brillant gespielt von Gary Oldman ist der Historienfilm trotz einer gewissen Wortlastigkeit nie langweilig!

Max-Ophüls-Preis Saarbrücken 2018

Bildbericht und Kritik aller gesehenen Filme von Norbert Fink, Langfassung, pdf, 1,92 MB

MOP Saarbrücken 2018 –  Die Preise
Sieger war „Landrauschen“ aus Deutschland, der Österr. Film „Cops“ erhielt drei Preise, die schweizer Überraschung „Blue my mind“ erhielt den Regiepreis. Hier im Detail:

Publikumspreis Kurzfilm: Entschuldigung, ich such den Tennisraum und meine Freundin (A,D,S)
Jurypreis Kurzfilm: Sacrilége, CH, F
Bester Mittellanger Film: Bester Mann, Florian Forsch, D, A
Publikumspreis Mittellang: Endling

Dokumentarfilmpreise:
Beste Musik im Doc: Germania
Bester Doc: Global Family, Andreas Köhler, D
Übrigens: nächstes Jahr soll es auch einen DOC-Publikumspreis geben!

SPIELFILMPREISE:
Preis der dt/f Jugendjury : Draussen in meinem Kopf
Oekumenische Jury: Landrauschen
Publikumspreis: COPS , A
Drehbuchpreis: Landrauschen
Beste Nebenrolle: Anna Suk in COPS, A
Beste Hauptrolle:  Loane Balthasar in „Sarah spielt einen Werwolf“
Gesellschaftlich relevantester Film: COPS, A,
MOP Beste Regie: (nur deutsche UA) BLUE MY MIND, Lisa Brühlmann, CH
MOP Bester Film: (36.000€) – LANDRAUSCHEN

Bericht vom Festival von Norbert Fink
Mit der Deutschlandpremiere des packenden Dramas DER HAUPTMANN eröffnete am Montag, den 22. Januar 2018, das 39. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. „Das filmästhetisch wie inhaltlich beeindruckende Werk von Robert Schwentke legt Mechanismen des Nationalsozialismus in selten gesehener Konsequenz offen. Das Filmfestival Max Ophüls Preis trägt damit gerade in Zeiten des politischen Werteverfalls auch seinem Namensgeber Rechnung“.
Ehrengast ist dieses Jahr Mario Adorf, dem auch eine kleine Retrospektive gewidmet ist. Die Ehrenpreisträgerin des Jahres 2018 ist Doris Dörrie, vier ihrer Filme werden gezeigt.
Der Max-Ophüls-Preis gilt als bedeutendstes Filmfestival für junge FilmacherInnen aus dem deutschsprachigen Raum von Luxemburg bis Sütirol. Preise werden u.a. für die besten Langspielfilme, Langdokumentarfilme, Mittellang- und Kurzfilme vergeben.

 

Aus dem Nichts

Aus dem Nichts

Fatih Akim, D/F 2017, Cinemascope, 106 Min, Gesehen in DF

Diane Kruger, Cannes 2017, Beste Darstellerin

Nachdem uns eine Patchwork-Familie mit kleinen menschlichen Fehlern gezeigt wurde, werden wir Zeuge des Bombenanschlags, welche den Mann und das gemeinsame Kind der Familie Şekerci getötet hat. Katja und Nuri haben im Gefängnis geheiratet. Aus Verzweiflung über den Tod Nuris und des Sohnes nimmt sie Drogen, um den Schmerz zu betäuben. Diese findet die Polizei auch bei ihr, was ihr zum Verhägnis wird.
Beim Prozess kommt es überraschend zu einem Freispruch, dem gewieften Anwalt der Neonazis gelingt es, zumindest Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Opfers zu wecken und so – im Zweifel für den Angeklagten – gelten zu lassen. Da bleibt für das Opfer, brillant dargestellt durch Diane Kruger, nur noch die Selbstjustiz. Sie reist nach Griechenland, wo Mitglieder der Neuen Morgenröte ein falsches Alibi für die Täter bereitstellten.
Die Bilder sind anfangs sehr hart und dunkel, gegen Ende jedoch hell und bunt.
Der Film nimmt direkten Bezug auf den NSU und Beate Zschäppe.

Regisseur Fatih Akim ist wütend darüber, dass die rechtsextreme Terrorzelle NSU neun Menschen mit auslä¤ndischen Wurzeln erschossen hat, Polizei wie Presse aber nicht von rassistischen Motiven ausgingen, sondern die Täter jahrelang im Umfeld der überwiegend türkischstämmigen Opfer suchten und etwa Racheakte oder Mafia-Verbindungen vermuteten.

***1/2 Durchgehend spannend, nur mit wenigen Längen, wird eine fiktive Geschichte erzählt, die nach dem Zschäppe-Prozess so hätte stattfinden können.

Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Regie: Claus Räfle, D 2017, 110 Min, Cinemascope, gesehen in dt. OF.

Das „Doku-Drama“ – dokumentarische Aufnahmen werden mit nachgespielten Spielfilmszenen ergänzt – zeigt einen auch mir einen bisher wenig bekannten Aspekt des Holocaust. Statt sich in den Osten umsiedeln zu lassen, sprich vergast zu werden, flüchteten allein in Berlin mindestens 5000 in die Illegalität, 1500 davon überlebten. Dabei halfen aus unterschiedlichsten Motiven auch Deutsche, Kommunisten, Nazigegner, Nachbarn aber auch Unbekannte.
Der Film ist sehr spannend, obwohl wir anhand der Interviews mit vier Personen, die übrigens für andere Dokumentationen aufgenommen wurden, folgern können, dass sie überlebt haben. In sehr einfühlsam gemachten Rückblenden werden die wahren Begebenheiten nachgespielt. Da ist einmal Cioma Schönhaus, der als Passfälscher gut verdient und in einem ungenutzten Lager der afghanischen Botschaft unbehelligt arbeiten kann. Aber kleine Schlampereien kosten ihm fast den Kopf. Hanny Lévy lässt sich ihre dunklen Haare blond färben. Mit ihren grünen Augen und als Blondine passt sie nicht in das Klischee der dunkelhaarigen, braunäugigen Jüdin und fühlt sich gut gekleidet auf dem Kurfürstendamm sicher. Im Kino spricht sie ein Mann an, der möchte, dass sie mit ihrer ebenfalls sehr einsamen Mutter, der Kinokassiererin, spricht. Eugen Friede versucht es mit einer anderen List, er gibt sich als Ausgebombter aus, für den es unbürokratisch Gästezimmer gibt. Ganz in die Höhle des Löwen gerät Ruth Arndt, die sich als Kriegswitwe tarnt und bei einem hochrangigen Wehrmachtsoffizier das Hausmädchen wird, dort bekommt sie wenigstens gut zu essen. Alle müssen aber immer wieder ihre Zufluchtsorte wechseln.
Als Zuschauer schrecken wir auf, wenn es an der Türe läutet oder klopft, ist es die Gestapo? Wir nehmen aber auch an den kleinen Freuden des Lebens teil und der zwiespältigen Haltung zu den Bombern, die Berlin in Schutt und Asche legen. Für die Illegalen gibt es keine Schutzbunker, andererseits hoffen sie, dass dadurch der Krieg bald zu Ende sein möge.

***** ein selten spannendes und hervorragend geschnittenes „Doku-Drama“ über Jüdinnen und Juden, denen es auch nach 1943 gelang in Berlin unterzutauchen und so dem Holocaust zu entgehen.