Archiv für den Autor: Jogy Wolfmeyer

15. Crossing Europe Filmfestival Linz

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz.

Der ausführliche Bildbericht ist nun hier

Diese Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz
von Dr. Norbert Fink gesehene Filme

Christine Dollhofer hat wieder ein streng gegendertes Filmprogramm (heuer 48%, letztes Jahr 52% Filme von Frauen) zusammengestellt, das Beste aus Europa, und das Thema Flüchtlinge ist nach wie vor ziemlich präsent.
„Wer hier lebt, ist von da!“ ist ihr Motto. Etwa  im Eröffnungsfilm Jupiters Moon, im Schlussfilm Transit, Montags in Dresden, der Charmeur, Zentralflughafen THF, Mr. Gay Syria , u.a.
blau, kursiv= Text des Festivalkatalogs/Homepage.

 

Diagonale Graz 2018

Bericht von der Diagonale Graz 2018

Die Diagonale ist vorbei. Die großen Gewinner waren der Eröffnungsfilm Murer – Anatomie eines Prozesses von Christian Frosch (bester Spielfilm) und Bauliche Maßnahme von Nikolaus Geyrhalter. Der Publikumspreis ging an COPS.

Der komplette Bericht als pdf ist nun hier.

 

The Shape of Water

THE SHAPE OF WATER –
LA FORMA DEL AGUA –
die Form des Wassers

Guillermo del Toro, USA 2017, ca 125 Min, Breitwand, gesehen in spanischer Fassung.
Goldener Löwe, Venedig 2017; 13 Oscar-Nominierungen und 2 Golden Globes waren Grund genug auch im Urlaub in Kino zu gehen.

Derzeit sind Genre Filme ziemlich in Mode, jedenfalls wagen sich auch anspruchsvolle Regisseure an derartige Filme heran. Del Toro führte nicht nur Regie, er ist u.a. auch für das Buch und die Produktion verantwortlich.

Die Eingangssequenz zeigt uns ein Wohnzimmer mit Büchern unter Wasser. Gegenstände schweben frei herum. Eine versunkene Welt?
Elisa ist stumm, aber nicht taub und gebärdet sich. Sie ist eine Reinigungskraft in einem geheimen militärischen Forschungszentrum in den USA und mit einer schwarzen Kollegin befreundet. Sie lebt neben einem Plakatmaler, der aber seine Kunstwerke nicht anbringt. Wir schreiben das Jahr 1962, Kalter Krieg, große Straßenkreuzer, moderne Einbaukü¼chen, Fast Food, große Schwarzweiß-Fernseher.
Der Sicherheitsmann Strickland foltert nicht nur das angebliche Monster, er schikaniert auch die Mitarbeiter und kauft sich einen neuen Cadillac als Zeichen des Fortschritts.

In das Weltraum-Forschungszentrum wird eine angebliche Bestie, die in den Sümpfen Lateinamerikas gefunden wurde, eingeliefert. Dass Seeungeheuer braucht Salzwasser und proteinhaltige Algen, hat aber durchaus menschliche Formen, schaut wie ein Alien aus, Schuppen, Kiemen, aber auch leuchtende blaue Punkte. Und es hat besondere Fähigkeiten, die das Militär einsetzen möchte. Doch mit Folter ist mit ihm nichts zu machen.
Als Elisa es zum ersten Mal sieht, ist sie die einzige, die keine Angst vor ihm hat, ja fasziniert von ihm ist. Als es am nächsten Tag in einem Becken angekettet ist, gibt sie ihm ein gekochtes Ei zum Essen, es wird der Beginn einer langen Freundschaft sein. Es lernt rasch ihre Gebärdensprache und zeigt sich intelligent und sensibel. Auch die (natürlich bösen) Russen sind an dem Monster interessiert und haben einen Experten eingeschleust, der das Tier durch eine Injektion vernichten soll, doch er zögert, als er dessen menschlichen Züge entdeckt.
Als Elisa dies beim Putzen mithört, entscheidet sie sich das Wesen zu retten und zu sich nach Hause zu nehmen, sie ist verliebt und glücklich und hat sogar Sex mit ihm. Die spannende Befreiungsaktion und die Suche des Militärs nach ihm sei hier aber nicht verraten!

Moralisch geht es darum, Respekt auch vor fremden Wesen zu haben und ihnen bei Gefahr zu helfen. Durchaus eine aktuelle Botschaft mit manchen aktuellen Hinweisen („Die Nordkoreaner haben auch Verstand und Geühle, trotzdem töten wir sie!“ folternde US-Militärs, Langusten verspeisende russische Agenten und andere Klischees aus Agentenfilmen sind unterhaltsam eingebaut. Ebenso gibt es viele Zitate aus anderen Filmen und einen ansprechenden Soundtrack von Alexandre Desplat. Im Gegensatz zu vielen anderen Genrefilmen Überzeugt er jedoch durch seine tiefe Humanität!

Ein Märchen für Erwachsene, gut umgesetzt, mit Musical-, Politthriller und Fantasyelementen, aber auch etwas Realität. ****

Taxi Teheran

Aktuell in den Kinos:

Taxi Teheran

Jafar Panahi, Iran 2015, 82 Min, DF

Im Film fährt ein Taxi durch die Straßen Teherans und nimmt verschiedene Fahrgäste auf, um sie zu ihren Bestimmungsorten zu bringen. Wie einige von ihnen erkennen, sitzt der Regisseur Jafar Panahi am Steuer. Am Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die er auf die Fahrgäste richtet, während er sich mit ihnen unterhält. Der Film feierte am 6. Februar 2015 im Rahmen der 65. Berlinale seine Weltpremiere. Er gewann dort den Goldenen Bären und den FIPRESCI-Preis für den besten Film in der Sektion „Wettbewerb“. https://de.wikipedia.org/wiki/Taxi_Teheran
Nun, das Setting des Films ist einfach: in einem Taxi hat Panahi Kameras eingebaut, die anfangs auf die Straße gerichtet sind, danach aber meistens ihn selbst als Fahrer und seine Kunden zeigen, die in äußerst heftige Debatten verstrickt sind. Bald wird er aber erkannt, und so treffen ihn nicht nur ein Händler von DVD-Raubkopien, sondern auch eine Rechtsanwältin und vor allem seine Nichte Hana, die in der Schule eine „vorzeigbaren“ Film machen sollen. Dabei wird klar, wie strikt die Regeln für das Filmemachen in der Iranischen Republik sind, was man filmen darf und was nicht und wie schwierig es ist eine Balance zwischen „Wahrheit“ und „Schwarzmalerei“ zu finden.
Die Diskussion im Taxi beginnt in dem ausgerechnet ein Taschendieb die Todesstrafe für Reifendiebe fordert und endet mit dem Einbruch in den Wagen, wo jemand die Speicherkarte mit den Aufnahmen für diesen Film stehlen will. Dazwischen passiert einiges, jedenfalls merken manche an der mangelnden Ort- und Straßenkenntnis dass er nicht wirklich ein Taxifahrer sein kann.
*** Irgendwie hat der mit Berufsverbot belegte Panahi das Beste aus der Situation gemacht und bewiesen, mit welch einfachen Mitteln man einen durchaus vorzeigbaren Film machen kann. Er gibt durchaus Einblicke in das Straßenleben Teherans, das als recht saubere und moderne Stadt erscheint und die Menschen recht diskussionsfreudig und die Frauen überraschend selbstbewusst sind.

Weitere Kritiken finden sich Filmkritiken des FKC

Hinweis: von uns selbst gespielte Filme kritisieren wir in der Regel hier nicht.

Wenn nicht anders angegeben, ist Dr. Norbert Fink der Autor.

30. Alpinale 2015

Hier sind alle neuen Festivalberichte ab Juli 2015.

30. Alpinale 2015
von Dr. Norbert Fink

2834k

Sie begann bei Kaiserwetter und endete im Regen. Drei von fünf Tagen des Kurzfilmfestivals fanden im Freien statt. Um die Plätze streiten musste man sich nie, auch am Eröffnungstag (mit Buffet) war der Ramschwagplatz in Nenzing nur etwa zu ¾ belegt.
Das Alpinale Team um Manuela Mylonas hat dieses Jahr durchaus auch komplexe und schwierige Filme ausgewählt, nicht nur lustige und publikumsnahe.
Doch das gabs noch nie (und ist auf allen Festivals eine Ausnahme): Der „Preis der Jury“ und der Publikumspreis gingen an denselben Film. Erik Schmitt´s „Forever Over“ zeigt ein gelangweiltes junges Ehepaar, sein einziger Wunsch ist endlich schlafen zu können, sie wünscht sich mehr Abenteuer. Sie einigen sich am nächsten Tag darauf, ihre geheimen Wünsche auf Papier zu bringen und zu versuchen, sie gegenseitig zu erfüllen. Das gelingt aber nur eine Zeit lang. Manche Wünsche wie „einen Dreier“ provozieren schließlich. Marleen Lohse brillierte in der Hauptrolle, Schnitt und Kamera überzeugten. ****

Goldenes Einhorn für den besten Internationalen Film:
„Anomalo“ (Abnormal) von Aitor Guiterrez aus Spanien nahm sich Hitchcocks „Rear Window“ (1954) zum Vorbild. Drei ältere Herren mit Ferngläsern beobachten von einem Hallenbad aus die Wohnung einer Frau und glauben Zeugen eines Verbrechens zu sein. Als einer der Herren einen Anzug mit LED-Leuchten anzieht, eskaliert die Situation. Der Film war durchaus originell und witzig.***

Goldenes Einhorn für den besten Hochschul-Film:
Elena Brotschi zeigte das genauestens geregelte Leben auf einem Schweizer Campingplatz in „von Faltbooten und Heringen“ . Eigentlich, so Brotschi, wollte sie gar keine Handlung, sondern einen Ensemblefilm, also einen Film ohne Hauptdarsteller, machen, dennoch gibt es mit den Kindern, die schnorcheln lernen und die gegen den Willen der deutschen Tauchlehrerin einen nicht angemeldeten Bub in ihre Gruppe integrieren wollen und am Schluss ein Blockflötenkonzert spielen, doch einen roten Faden. Minutiös beobachtet, peinlich genau und oft symmetrisch inszeniert, zeigt Brotschi den Mikrokosmos Campingplatz gar nicht als freiere Alternative zum Alltag.***
Goldenes Einhorn für den besten Animations-Film:
Der polnische Beitrag „under_construction“ von Marcin Wojciechowski war ein streng formaler Film, der auf die Arbeitsweise von Animationsfilmern anspielt. Ein Tagebuch eines Menschen mit Höhen und Tiefen wird grafisch dargestellt, Nummern verbunden, Grafiken erstellt, daraus soll ersichtlich sein, wer der Mensch dahinter sei. Ein Film, der eher Filmemacher selbst denn das Publikum anspach.*

Gewinner des „Vorarlberg-Short“ war das 15minütige Musikvideo “Welcome to Candyland” von Regisseur Jakob Kasimir, das optisch sehr fantasiereich und handwerklich bestens gemacht war.
Wer allerdings mit der Art der Musik und der Zuschaustellung von Muskeln und Goldzähnen Probleme hat, wird damit nur begrenztes Vergnügen haben. **

Lobende Erwähnungen:
„Die Jacke“ von Patrick Vollrath spielte in einer Bar. Ein flirtendes Paar geht in eine Bar, als sie auf die Toilette muss, wird er von anderen Gästen angepöbelt und gezwungen seine Fan-Jacke auszuziehen und abzugeben. Sie hat zwar die Courage, die Jacke wieder zurückzufordern, doch zerstörte die aggressive Situation die Gefühle des Paares und so endet der Film nicht im Happend. ***
Auch dem ukrainischen Animationsfilm “Khalabudka” von Manuk Depoyan sprach die Jury eine weitere lobende Erwähnung aus. Der stilistisch einheitlich gezeichnete Film animiert ein altes Haus, das von seelenlosen Neubauten verdrängt wird, aber schließlich doch von Touristen gesucht wird. Gewürdigt wurde auf jeden Fall das Durchhaltevermögen des Filmteams, auch unter sehr schwierigen Bedingungen diesen Film vollendet zu haben. **
Auch diese beiden Filme wurden am Siegerabend geigt.

Leider…
Übrigens wurde nicht nur der Gewinner des Publikumspreises verkündet, sondern auch jene Filme, die es fast geschafft hätten:
Auf Platz 5 war „Pére“ (Vater) aus Tunesien. Die Geschichte eines Taxifahrers, der eine schwangere Frau ins Spital fährt. Als Dank dafür wird er verdächtigt, der Vater des Kindes dieser Frau zu sein. Der Bluttest ergibt, dass er keine Kinder haben kann (Klinefelter Syndrom), doch seine Frau gebar ihm zwei. ***
Platz 4 wäre mein persönlicher Favorit für die v-shorts gewesen: „Luftpost“ von Fran Grebe. Die nur zweiminütige Plastilin-Animation zeigt den ganz normalen Alltag eines Postboten, in breitem Vorarlbergerisch eingesprochen vom Vater des jungen Mannes, der tatsächlich Postbote war. ***
Platz 3 fiel auf „Anomalo“ und zeigte bei allen Kontrasten wieder eine gewisse Übereinstimmung von Jury und Publikum. (s.o.)
Platz 2 errang „Spielplatz“ von Tanja Bubbel aus Deutschland. Als eine Frau auf dem Spielplatz das Kind ihrer Freundin hütet, überlegt sie sich nochmals den Wunsch ihres Freundes, ein Kind zu bekommen.

Perfekt in Bild und Ton?
Einen etwas kritischen Kommentar kann ich mir nicht ersparen, kritisiere ich eigentlich seit 30 Jahren, das nicht immer „formatrichtige“ Abspielen der Filme. Heuer waren erstaunlich viele Filme im an sich wunderschönen Cinemascope-Format zu sehen. Das Format wurde in den 50er Jahren im Kampf gegen das 3:4 Fernsehformat entwickelt und sollte mehr als doppelt so breit wie hoch sein (ca. 1: 2,35). Wenn aber die Leinwand zu schmal ist, dann gibt es die vom Fernsehen her bekannten schwarzen Streifen oben und unten und das Bild wird kleiner statt größer. Schade!
Klar, ist die Leinwand im Origina-Cinemascope Format gibt’s bei anderen Formaten halt rechts und links die schwarzen Streifen. Ein Kompromiss aus dem heuten 16:9 Standardformat und dem 21:9 wäre vielleicht eine Notlösung.
Die HD-Schärfe der Projektion war OK, im Saal erschien mir das Bild aber etwas flau und wenig brilliant.
Und auch der Ton war nicht ganz perfekt: Im echten Kino spielt der sogenannte Center-Lautsprecher eine wichtige Rolle für die Mittenortung und Transparenz. Im Freien gab es zwar sogar zwei Surround-Lautsprecher, und die beiden L/R-Boxen, was eine gewisse Raumklangwolke mit Stereoeffekten erzeugte, nicht aber unbedingt die Sprachverständlichkeit optimierte. Auch wenn die Alpinale große Fortschritte gemacht hat, Verbessern kann man immer was.

Alle älteren Festivalberichte bis 1999 (!!!) sind hier.

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