Programm November 2005

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€, Überlänge 8€ - Weltlichtspiele Dornbirn


Donnerstag, 10.11.05 - 19.30 und Freitag, 11.11.05 - 21.30 Uhr

Toni Takitani

Japan 2004, 35mm , 75 min, Farbe
Regie : Jun Ichikawa
Drehbuch: Jun Ichikawa nach der gleichnamigen Erzählung von Haruki Murakami
Schnitt: Tornoo Sanjyo
Kamera: Taishi Hirokawa
mit: Issey Ogata, Rie Miyazawa, Nishijima Hidetoshi, Shinohara Takahumi,
Shihodo Wataru, Kino Hana, Kusano Toru, Oyamada Sayuri, Tanigawa Saho,
Shioya Keiko

Tony Takitani hatte eine einsame Kindheit. Seine Mutter starb wenige Tage nach seiner Geburt, und sein Vater verbrachte mehr Zeit mit seiner Jazzband als mit seinem Sohn. Einsamkeit schien für Tony ein natürlicher Zustand zu sein
Eines Tages jedoch begegnet Tony Eiko, verliebt sich in die attraktive, junge Frau und heiratet sie wenig später. Sein Leben verändert sich dadurch grundlegend: Zum ersten Mal erlebt Tony das Glück von Nähe und Geborgenheit. Etwas aber trübt Tonys Glück: Eikos obsessive Leidenschaft für Designer-Kleidung. Immer wieder zieht es sie in die teuersten Boutiquen, ihre Kleider füllen schließlich ein ganzes Zimmer. Es werden so viele, dass sich Tony schließlich Sorgen macht. Doch als er sie dazu zu bewegen versucht, ihrem unstillbaren Drang zu widerstehen, hat dies tragische Folgen.
Tony ist wieder allein. Im Ankleideraum seiner Ehefrau lässt er seine Blicke über die unzähligen Garderobenstangen schweifen, an denen in endlosen Reihen ihre Kleider hängen. Tony beschließt, eine Zeitungsannonce aufzugeben: Er sucht eine junge Frau, die exakt über Eikos Maße verfügt...

 

Kein Glück der Welt ist von fortwährender Dauer. Verlust, Einsamkeit und die Sehnsucht sind die großen Themen einer jeden Haruki-Murakami-Erzählung. Regisseur Jun Ichikawa ist der erste, der sich daran macht, den erfolgreichen Lesestoff zu verfilmen. Das Ergebnis kann mit der Vorlage nicht ganz mithalten ­ wie man es eigentlich auch erwartet hatte.

Tony Takitani (Issey Ogata) entspricht auf den ersten Blick so ziemlich den Vorstellungen, die man von den Protagonisten hat, die in Haruki Murakamis Büchern auftauchen: Ein Mann mittleren Alters, mit endlos traurigem Blick, der Vorliebe von Jazz und allerhand Talenten, die von einer grenzenlosen Normalität einfach nicht geweckt werden. Als Illustrator für renommierte Werbeagenturen führt Tony Takitani allerdings ein äußerst komfortables Leben, das einzige was ihm zu seinem Glück fehlt ist eine Frau. Doch seit seiner Kindheit lebt er in ständiger Einsamkeit ­ die Mutter starb wenige Tage nach der Geburt und sein Vater verbrachte mehr Zeit mit der Jazzband als mit seinem Sohn. Durch ständige Isolation vermochte er mit den Jahren kaum soziale Bindungen einzugehen, während ihm die Lehrer vorwarfen, seine künstlerischen Versuche ließen jede Form von Emotionalität vermissen.

Eines Tages begegnet Tony Takitani der 15 Jahre jüngeren Eiko (Rie Miyazawa). Hals über Kopf verliebt er sich in die junge Schönheit und macht ihr bereits am Abend der fünften Verabredung einen Heiratsantrag. Sie willigt ein und, siehe da, das Eheleben verändert Tony Takitani von Grund auf. Aus dem blassen Melancholiker wird ein scheinbar zufriedener Mann, der seiner Frau noch etwas argwöhnisch bei der Autowäsche an freien Tagen zuguckt. Während sie lächelt, schaut er schüchtern zurück ­ so richtig will er der neu gewonnenen Situation noch nicht trauen.

Wie es sich für eine Geschichte von Haruki Murakami gehört, lässt auch hier die Tragödie nicht lange auf sich warten, denn kein Glück währt ewig, keine Schönheit ist von lang anhaltender Dauer. Warum der japanische Erfolgsautor diesmal allerdings die obsessive Leidenschaft für Designer-Kleidung seiner Protagonistin Eiko als Ursprung allen Unglücks erwählt hat, bleibt sein Geheimnis. Doch gerade das Verschwommene und das Vermischen von surrealen und realen Vorkommnissen machen Murakamis Erzählungen so lesenswert und spannend. Dass es die Verfilmung von Jun Ichikawa nicht ganz mit der Romanvorlage (erscheint hierzulande im Mai 2005) aufnehmen kann, kann man dem Regisseur eigentlich nicht vorwerfen. Ist er doch der erste, der sich daran gewagt hat den erfolgreichen Lesestoff in bewegte Bilder zu verwandeln. Hauptdarsteller Issey Ogata verinnerlicht den täglichen Trübsinn zwar blendend, allerdings scheint sich diese Stimmung auch auf das gesamte
Filmprojekt übergetragen zu haben. Müde und dünn klingt die Erzählerstimme aus dem Off, grau und farblos wirken die Bilder, langatmig und endlos die Kamerafahrten, die sich zudem wiederholen. Rechts werden die Personen im Bild eingefangen, die Kamera fährt an ihnen vorbei und lässt sie links wieder verschwinden. Vielleicht ist dies aber auch nur ein stilistischer Clou, der die Vergänglichkeit und das unvermeidliche Fortschreiten der Zeit symbolisieren soll. Bleibt die heimliche Hoffnung, dass sich eines Tages jemand vom Kaliber eines Wong Kar-Wai an ein weiteres Buch von Haruki Murakami herantraut.

David Siems



Donnerstag, 24.11.05 - 19.30 und Freitag, 25.11.05 - 21.30 Uhr

Sex in Brno

Tschechien 2003, 35mm, 103 Min., Dolby Digital, s/w 
Regie: Vladimir Morávek
Drehbuch: Vladimir Morávek, Jan Budar
Produzent: Cestmir Kopecky-Prvni Verejnopravni
Co-Produzent: Jan Stern-Czech Television
Ausführender Produzent: Cestmir Kopecky
Kamera: Divis Marek / Schnitt: Jiri Brozek
mit: Katerina Holanova, Jan Budar, Miroslav Donutil, Martin Pechlat u.a.

Standa und Olinka haben sich vor einem Jahr bei einer Sportveranstaltung kennengelernt und schreiben sich seitdem fast jeden Tag.
Jetzt hat Olinka Standa eingeladen, sie zu besuchen und über Nacht zu bleiben. Beide sehen dem Treffen aufgeregt entgegen, denn es wird für beide das erste mal sein. Olinkas Freundinnen beeilen sich, die junge Frau vorzubereiten, während Standa von seinem Bruder erklärt bekommt, wie ein Kondom funktioniert... Andere Paare haben andere Probleme in dieser Nacht im tschechischen Brno...

Schräge Komödie mit tschechischem Humor in nostalgischem Schwarz-Weiß, Gewinner von zahlreichen Festivalpreisen in Tschechien und in der Slowakei, u.a. Tschechischer Löwe 2003 für den besten Film und die beste Regie.

  


Dezember 2005

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