Programm November 2004

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn

 



Mittwoch, 10.11.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 11.11.04 - 19.30 Uhr

Zatoichi- Der blinde Samurai

Mit seiner elften Regiearbeit wagt sich Takeshi Kitano (HANA-BI, DOLLS) nicht nur erstmals an einen historischen Samuraistoff, sondern bringt auch einen legendären Schwertkämpfer aus dem 19. Jahrhundert, der in Japan Held zahlloser Romane, Comics, TV-Folgen und Kinofilme ist, zurück auf die Leinwand: den geheimnisvollen Zatoichi.
Der blinde Masseur Zatoichi zieht von Ort zu Ort, um seine Dienste anzubieten. Schon zu Beginn wird klar, dass dieser Mann mit wasserstoffblonder Stoppelfrisur mehr ist als ein einfacher Wanderer: Die Bande, die ihm seinen Stock wegnehmen will, hat ihn unterschätzt. Mit blitzschneller Bewegung zieht der Blinde sein Schwert und durchbohrt die Angreifer. Als es Zatoichi in ein abgelegenes Bergdorf verschlägt, das von einer Gangsterbande terrorisiert wird, kann er seine übermenschlichen Kampfkünste zu Gunsten der drangsalierten Bauern einsetzen.
War die Figur in den alten Filmen ein warmherziger Robin Hood, so bekommt sie bei Kitano, der selbst den Part des Zatoichi übernimmt, etwas unnahbar Aristokratisches. Er spielt ihn als unergründlichen Einzelgänger, den man besser nicht aus dieser Introvertiertheit lockt, da sonst ebenso plötzliche wie exzessive Gewaltausbrüche drohen. Durch digitale Bearbeitung bekommen die Bilder einen surrealen Touch – fast unbewegliche, wie am Boden festgewachsene Kämpfer unterbrechen ihre Starre durch sekundenschnelle Bewegungen. Ehe man erkennt, was geschieht, ist es schon wieder vorbei. Dazwischen fontänenartig herausschießendes Blut, das sich in eine malerische Kalligraphie verwandelt, aufblitzende Klingen und rauschende Kimonos. Trotz allem nimmt der Film die Welt der Bandenkriege nicht besonders ernst. Kitano zelebriert die eigene Schelmenhaftigkeit, zeigt seine Vorliebe für absurde Streiche, beiläufige Witzchen, etwa wenn sich der Blinde ein paar groteske Knopfaugen auf die ewig geschlossenen Lider malt. (nach: Rüdiger Suchsland; Svenja Alsmann; epd Film 6/04; Presseheft)
Takeshi Kitano: „Ich hatte den Eindruck, dass die grundsätzliche Prämisse der Zatoichi-Geschichte – ein blinder Masseur, der außerdem ein ausgezeichneter Schwertkämpfer ist und sein Geheimschwert blitzschnell ziehen kann – in sich schon so albern und unglaubwürdig ist, dass ich es mir durchaus erlauben konnte, einen rücksichtslos unterhaltsamen Film zu machen. Also drehte ich die typischen Tanzszenen eines Historiendramas in einer modernisierten Anmutung. Ich holte mir die besten Stepptänzer Japans, besetzte sie als Bauern und Zimmermänner, kleidete sie in traditionellen Kimonos, Holzclogs und Strohsandalen – und ließ sie einen modernen Stepptanz zu den neuesten Hip-Hop-Rhythmen hinlegen.”
„Jenseits der Kämpfe entspinnen sich possenhafte Freundschaften, entfaltet sich die liebevolle Chronik eines Dörfchens und seiner Bewohner. Eine resolute Witwe, ein schreiend durchs Bild laufender Verrückter im Samurai-Kostüm, Travestie, Trinkerei und Glücksspiel – parallel zum unerbittlichen Takt der Kämpfe entwickelt sich ein Hang zum Burlesken, eine übergreifende und zutiefst humane Musikalität des Alltags. Es ist diese heitere Melodie des Lebens, die Zatoichi bei aller Grausamkeit eine unwiderstehliche Leichtigkeit verleiht.” (Die Zeit, 24.06.04)
 
Japan 2003; Regie und Buch: Takeshi Kitano, basierend auf einer Kurzgeschichte von Kan Shimozawa; Kamera: Katsumi Yanagijima; Musik: Keiichi Suzuki; DarstellerInnen: Takeshi Kitano (Zatoichi), Tadanobu Asano (Hattori), Michiyo Ogusu (O-Ume), Yui Natsukawa (Hattaoris Frau), Guadalcanal Taka (Shinkichi), Daigorô Tachibana (Geisha O-Sei), Yuuko Daike (Geisha O-Kinu) u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 116min; japanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
 
Mit seiner elften Regiearbeit wagt sich Takeshi Kitano (HANA-BI, DOLLS) nicht nur erstmals an einen historischen Samuraistoff, sondern bringt auch einen legendären Schwertkämpfer aus dem 19. Jahrhundert, der in Japan Held zahlloser Romane, Comics, TV-Folgen und Kinofilme ist, zurück auf die Leinwand: den geheimnisvollen Zatoichi.
Der blinde Masseur Zatoichi zieht von Ort zu Ort, um seine Dienste anzubieten. Schon zu Beginn wird klar, dass dieser Mann mit wasserstoffblonder Stoppelfrisur mehr ist als ein einfacher Wanderer: Die Bande, die ihm seinen Stock wegnehmen will, hat ihn unterschätzt. Mit blitzschneller Bewegung zieht der Blinde sein Schwert und durchbohrt die Angreifer. Als es Zatoichi in ein abgelegenes Bergdorf verschlägt, das von einer Gangsterbande terrorisiert wird, kann er seine übermenschlichen Kampfkünste zu Gunsten der drangsalierten Bauern einsetzen.
War die Figur in den alten Filmen ein warmherziger Robin Hood, so bekommt sie bei Kitano, der selbst den Part des Zatoichi übernimmt, etwas unnahbar Aristokratisches. Er spielt ihn als unergründlichen Einzelgänger, den man besser nicht aus dieser Introvertiertheit lockt, da sonst ebenso plötzliche wie exzessive Gewaltausbrüche drohen. Durch digitale Bearbeitung bekommen die Bilder einen surrealen Touch – fast unbewegliche, wie am Boden festgewachsene Kämpfer unterbrechen ihre Starre durch sekundenschnelle Bewegungen. Ehe man erkennt, was geschieht, ist es schon wieder vorbei. Dazwischen fontänenartig herausschießendes Blut, das sich in eine malerische Kalligraphie verwandelt, aufblitzende Klingen und rauschende Kimonos. Trotz allem nimmt der Film die Welt der Bandenkriege nicht besonders ernst. Kitano zelebriert die eigene Schelmenhaftigkeit, zeigt seine Vorliebe für absurde Streiche, beiläufige Witzchen, etwa wenn sich der Blinde ein paar groteske Knopfaugen auf die ewig geschlossenen Lider malt. (nach: Rüdiger Suchsland; Svenja Alsmann; epd Film 6/04; Presseheft)
Takeshi Kitano: „Ich hatte den Eindruck, dass die grundsätzliche Prämisse der Zatoichi-Geschichte – ein blinder Masseur, der außerdem ein ausgezeichneter Schwertkämpfer ist und sein Geheimschwert blitzschnell ziehen kann – in sich schon so albern und unglaubwürdig ist, dass ich es mir durchaus erlauben konnte, einen rücksichtslos unterhaltsamen Film zu machen. Also drehte ich die typischen Tanzszenen eines Historiendramas in einer modernisierten Anmutung. Ich holte mir die besten Stepptänzer Japans, besetzte sie als Bauern und Zimmermänner, kleidete sie in traditionellen Kimonos, Holzclogs und Strohsandalen – und ließ sie einen modernen Stepptanz zu den neuesten Hip-Hop-Rhythmen hinlegen.”
„Jenseits der Kämpfe entspinnen sich possenhafte Freundschaften, entfaltet sich die liebevolle Chronik eines Dörfchens und seiner Bewohner. Eine resolute Witwe, ein schreiend durchs Bild laufender Verrückter im Samurai-Kostüm, Travestie, Trinkerei und Glücksspiel – parallel zum unerbittlichen Takt der Kämpfe entwickelt sich ein Hang zum Burlesken, eine übergreifende und zutiefst humane Musikalität des Alltags. Es ist diese heitere Melodie des Lebens, die Zatoichi bei aller Grausamkeit eine unwiderstehliche Leichtigkeit verleiht.” (Die Zeit, 24.06.04)
 
Japan 2003; Regie und Buch: Takeshi Kitano, basierend auf einer Kurzgeschichte von Kan Shimozawa; Kamera: Katsumi Yanagijima; Musik: Keiichi Suzuki; DarstellerInnen: Takeshi Kitano (Zatoichi), Tadanobu Asano (Hattori), Michiyo Ogusu (O-Ume), Yui Natsukawa (Hattaoris Frau), Guadalcanal Taka (Shinkichi), Daigorô Tachibana (Geisha O-Sei), Yuuko Daike (Geisha O-Kinu) u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 116min; japanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
 


Takeshi Kitano, Japan 2003, 166 Min, OmU

Einerseits typisches Samurai - Genrekino, andererseits viele witzige Szenen. Vor allem die kunstvoll choreogarfierten Fechtszenen lassen den tödlichen Kampfsport harmlos, fast wie ein Computerspiel erscheinen. Die Handlung ist einfach: Japan im 19. Jahrhundert. Zatoichi (BEAT TAKESHI) ist ein blinder Wanderer, der sich seinen Lebensunterhalt mit Glücksspiel und Massagen verdient. Doch hinter der bescheidenen Fassade versteckt sich ein meisterhafter Schwertkämpfer, der blitzschnell und mit unfassbarer Präzision zuschlägt.

Eine böse Bande, die Ginzo-Gang,  terrorisiert im alten Japan ein Dorf, fordert immer mehr Schutzgelder, sie kämpft ums Monopol und versucht eine rivalisierende Bande auszurotten; ihr bester Kämpfer ist der "Fechtmeister" Hattori und ebenfalls sympathisch geschildert. Der Held des Films, (durch Beat Takeshi dargestellt) ist ein (angeblich) Blinder, der durchaus auch seine Laster hat, so frönt er dem Glücksspiel, ist den Geishas nicht abgeneigt und hört durch seine geschärften Sinne, wie die Würfel fallen, was ihn reich macht. Mit seinem sagenhaften Blindenstock - in Wahrheit ein tödliches Schwert, trifft er millimetergenau. Genregemäß kommt es zum Showdown zwischen Gut und Böse, dem Blinden, dem Fechtmeister und dessen Boss. Jeder ahnt wie es ausgehen wird: der ganz Böse wird vom Blinden geblendet, der Blinde sieht wieder und kriegt ein paar Schrammen ab.
Letztlich bleibt unklar ob er sich nur blind stellte um seine restlichen Sinne zu schärfen, denn er erklärt in der Schlußszene, dass er selbst mit offenen eigentlich nichts sehe...   
Sicherlich kein passender Film zum Thema "Menschen mit Behinderung" und auch keine glaubwürdige Handlung, sondern ein Märchenfilm für Erwachsene, in dem sehr viel Blut sprizt, aber eben so kunstvoll, dass es wieder witzig wird und so die Gewalt ironisiert. Auch der Soundtrack ist phänomenal, vor allem wenn man ihn in einem THX-zertifizierten Kino wie dem Leokino in Innsbruck hören kann. Bemerkenswert ist, dass das vom Genre vorgegebene Gut-Böse Schema immer wieder durchbrochen und relativiert wird, etwa wenn die beiden die Freier ausraubenden Geishas (eine davon ist ein Transvestit) auf der "guten" Seite stehen...
*** fulminantes Genrekino mit genialer Choreografie (Norbert Fink)


Der Cinematograph schrieb:

Mit seiner elften Regiearbeit wagt sich Takeshi Kitano (HANA-BI, DOLLS) nicht nur erstmals an einen historischen Samuraistoff, sondern bringt auch einen legendären Schwertkämpfer aus dem 19. Jahrhundert, der in Japan Held zahlloser Romane, Comics, TV-Folgen und Kinofilme ist, zurück auf die Leinwand: den geheimnisvollen Zatoichi.
Der blinde Masseur Zatoichi zieht von Ort zu Ort, um seine Dienste anzubieten. Schon zu Beginn wird klar, dass dieser Mann mit wasserstoffblonder Stoppelfrisur mehr ist als ein einfacher Wanderer: Die Bande, die ihm seinen Stock wegnehmen will, hat ihn unterschätzt. Mit blitzschneller Bewegung zieht der Blinde sein Schwert und durchbohrt die Angreifer. Als es Zatoichi in ein abgelegenes Bergdorf verschlägt, das von einer Gangsterbande terrorisiert wird, kann er seine übermenschlichen Kampfkünste zu Gunsten der drangsalierten Bauern einsetzen.
War die Figur in den alten Filmen ein warmherziger Robin Hood, so bekommt sie bei Kitano, der selbst den Part des Zatoichi übernimmt, etwas unnahbar Aristokratisches. Er spielt ihn als unergründlichen Einzelgänger, den man besser nicht aus dieser Introvertiertheit lockt, da sonst ebenso plötzliche wie exzessive Gewaltausbrüche drohen. Durch digitale Bearbeitung bekommen die Bilder einen surrealen Touch – fast unbewegliche, wie am Boden festgewachsene Kämpfer unterbrechen ihre Starre durch sekundenschnelle Bewegungen. Ehe man erkennt, was geschieht, ist es schon wieder vorbei. Dazwischen fontänenartig herausschießendes Blut, das sich in eine malerische Kalligraphie verwandelt, aufblitzende Klingen und rauschende Kimonos. Trotz allem nimmt der Film die Welt der Bandenkriege nicht besonders ernst. Kitano zelebriert die eigene Schelmenhaftigkeit, zeigt seine Vorliebe für absurde Streiche, beiläufige Witzchen, etwa wenn sich der Blinde ein paar groteske Knopfaugen auf die ewig geschlossenen Lider malt. (nach: Rüdiger Suchsland; Svenja Alsmann; epd Film 6/04; Presseheft)
Takeshi Kitano: „Ich hatte den Eindruck, dass die grundsätzliche Prämisse der Zatoichi-Geschichte – ein blinder Masseur, der außerdem ein ausgezeichneter Schwertkämpfer ist und sein Geheimschwert blitzschnell ziehen kann – in sich schon so albern und unglaubwürdig ist, dass ich es mir durchaus erlauben konnte, einen rücksichtslos unterhaltsamen Film zu machen. Also drehte ich die typischen Tanzszenen eines Historiendramas in einer modernisierten Anmutung. Ich holte mir die besten Stepptänzer Japans, besetzte sie als Bauern und Zimmermänner, kleidete sie in traditionellen Kimonos, Holzclogs und Strohsandalen – und ließ sie einen modernen Stepptanz zu den neuesten Hip-Hop-Rhythmen hinlegen.”
„Jenseits der Kämpfe entspinnen sich possenhafte Freundschaften, entfaltet sich die liebevolle Chronik eines Dörfchens und seiner Bewohner. Eine resolute Witwe, ein schreiend durchs Bild laufender Verrückter im Samurai-Kostüm, Travestie, Trinkerei und Glücksspiel – parallel zum unerbittlichen Takt der Kämpfe entwickelt sich ein Hang zum Burlesken, eine übergreifende und zutiefst humane Musikalität des Alltags. Es ist diese heitere Melodie des Lebens, die Zatoichi bei aller Grausamkeit eine unwiderstehliche Leichtigkeit verleiht.” (Die Zeit, 24.06.04)
 
Japan 2003; Regie und Buch: Takeshi Kitano, basierend auf einer Kurzgeschichte von Kan Shimozawa; Kamera: Katsumi Yanagijima; Musik: Keiichi Suzuki; DarstellerInnen: Takeshi Kitano (Zatoichi), Tadanobu Asano (Hattori), Michiyo Ogusu (O-Ume), Yui Natsukawa (Hattaoris Frau), Guadalcanal Taka (Shinkichi), Daigorô Tachibana (Geisha O-Sei), Yuuko Daike (Geisha O-Kinu) u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 116min; japanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
 

Mittwoch, 24.11.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 25.11.04 - 19.30 Uhr

Suite Habana

Fernando Perez, Kuba 2003, 84 Min. OmU, von Video übertragen (FAZ)


Mit dem Spielfilm “La vida es silbar” hatte der Kubaner Fernando Pérez vor vier Jahren die Herzen des Schweizer Kinopublikums erobert und uns das Pfeifen aufs Leben beigebracht. Jetzt kehrt er wieder mit SUITE HABANA, einem faszinierenden Filmgedicht von der Karibikinsel, einer Ode an die kubanische Hauptstadt und an Menschen, die er dort kennengelernt hat.

 In SUITE HABANA lässt uns Fernando Pérez teilhaben an 24 Stunden im Leben seiner geliebten Heimatstadt. Er betrachtet ein knappes Dutzend Menschen auf dem Gang durch ihren Alltag, inszeniert sie über eine atemberaubende Montage und lässt sie am Abend die überraschendsten Wandlungen vollziehen. Nach der Arbeit kommt der ganz besondere Rhythmus, tauchen die Figuren ein ins Nachtleben, wo sie erst richtig aufblühen.

 Der Film spricht uns an in reinster Filmsprache. Pérez komponiert aus Beobachtungen, Klängen, Musik, Gesichtern, Geräuschen, Gesten, Rhythmen seine visuelle Suite und ein Stück Kino, wie man es noch selten gesehen hat. Dabei folgt seine Montage den Tageszeiten, setzt ebenso amüsante wie sinnliche, nachdenklich stimmende wie beschauliche Akzente.

SUITE HABANA wurde diesen Sommer in seiner Heimat selber als bester kubanischer Film überhaupt stürmisch gefeiert. Er hat als Eröffnungsfilm am Festival von San Sebastian das Publikum begeistert und wurde soeben für die Karibikinsel ins Rennen um die Oscars geschickt. Eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge im Leben und an die Menschlichkeit. Ein wunderbares Kinoerlebnis zum Jahresausklang also und zur Einstimmung aufs nächste Jahr!
 

Der Cinematograph schrieb:

Fernando Pérez lässt uns teilhaben an 24 Stunden im Leben seiner Heimatstadt Havanna. Er betrachtet ein Dutzend Menschen auf dem Gang durch ihren Alltag, inszeniert sie über eine atemberaubende Montage und lässt sie am Abend die überraschendsten Wandlungen vollziehen. Nach der Arbeit kommt der ganz besondere Rhythmus, tauchen die Figuren ein ins Nachtleben, wo sie erst richtig aufblühen. Arm wie sie sind, einsam oder behindert, arbeitslos, (un-)glücklich oder verliebt, jeder mit einem Traum. All dies schildert Fernando Pérez ohne Worte; es sprechen eindringlich die Bilder.
Pérez komponiert aus Beobachtungen, Klängen, Musik, Gesichtern, Geräuschen, Gesten, Rhythmen seine visuelle Suite und ein nachdenklich-stilles Stück Kino, wie man es noch selten gesehen hat. Dabei folgt seine Montage den Tageszeiten, setzt ebenso amüsante wie sinnliche und beschauliche Akzente.
Der Regisseur bleibt seinen DarstellerInnen auf den Fersen und rückt seinen Kamerablick ganz nahe an sie heran. Dieser Blick aber bleibt immer liebevoll und wird nie zu intim. Sei es, dass er dem kleinen Francisquito und seinem Vater, der sich auf so liebevolle Weise um seinen behinderten Sohn kümmert, beim Gemüseschnipseln zusieht oder der greisen Amanda Gautier beim überlebenswichtigen Verkauf der typischen Erdnuss-Tütchen auf der Straße folgt. Der Tagesablauf eines jeden Menschen, dem das Publikum folgt, hat seine ganz eigene Logik. Da begegnet man etwa einem Arzt, der sich auch als Clown betätigt, oder einem Trompete spielenden Schienenleger. Oder auch einem jungen Mann, der seine Familie als Balletttänzer an der Oper ernährt. Ein Zoom auf harte Schicksale und Menschen, die täglich um ihr Überleben kämpfen, die Hoffnung aber nicht aufgeben und sich ihre Visionen bewahren.
Fernando Pérez: „Für mich bedeutet Suite eine sehr freie Komposition, die viele Varianten zulässt. Die Sprache des Films bricht, innerhalb seiner Einheit, auf der Ausdrucksseite, mit gewissen Normen, weshalb es schwierig sein könnte, den Film nach Genre und Stil einzuordnen. Während des künstlerischen Prozesses achteten wir auf eine Einheit in der Gestaltung, auch wenn verschiedene Stile und Genres – Dokumentarfilm und Fiktion – zusammenfließen. Ich habe keine Definition. Der Film ist das, was er ist.”
„Fernando Pérez ist ein Menschenfreund. Er geht offen auf sie zu, er hat ein Ohr für sie, und er liebt die kleinen Dinge, die das Lebens letztlich lebenswert machen. Zusammen mit dem Kameramann Raúl Pérez Ureta schafft er eine Vertrauensbasis, auf der er lebensnah filmen kann. Er liebt die Menschen, die er porträtiert, und sie lieben ihn. Er ist ihnen und dem Leben, das sie leben, nah, und sie öffnen sich ihm.”
(Walter Ruggle)
 
Kuba 2003; Regie und Buch: Fernando Pérez; Kamera: Raúl Perez Ureta; Musik: Edesio Alejandro, Ernesto Cisneros; Mitwirkende: Francisquito, Norma Pérez, Waldo Morales, Ivan Carbonell, Raquel Nodal, Francisco Cardet, Amanda Gautier, Heriberto Boroto, Juan Carlos Roque, Jorge Luis Roque, Julio Castro, Ernesto Díaz u.a.; (35mm – von Video übertragen; 1:1,66; Farbe; Dolby SRD; 84min; spanische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
Ein trigon-film im Cinematograph-Filmverleih.
 

Programm Dezember
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