Programm Oktober 2005

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€, Überlänge 8€ - Weltlichtspiele Dornbirn

alle Filme dieses Monats sind dem Schweizer Regisseur Erich Langjahr gewidmet !

Donnerstag, 13.10.05 - 19.30 und Freitag, 14.10.05 - 21.30 Uhr

Bauernkrieg
1998, 35mm, 84 Min., Farbe, Dolby SR,  Schweizerdeutsch mit frz. / dt Ut.
 

Der Film beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft. Es ist die Zeit der explosiven Liberalisierung des weltweiten Handels.

»Bauernkrieg« ist der zweite Film einer Bauern-Trilogie, die sich mit der Existenz des Bauern am Ende des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt (zusammen mit Sennen-Ballade und Hirtenreise ins dritte Jahrtausend).
Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films.
"Bauernkrieg" beschäftigt sich mit dem Überleben der Landwirtschaft am Übergang von einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die meisten Bauern setzen auf den technischen Fortschritt und die Hochleistungszucht, um in dieser neuen Marktsituation zu überleben. Viele können nicht mithalten und geben auf.

Dr. N. Fink schrieb nach der Sichtung des Films bei den Solothurner Filmtagen 1999:
Hochinteressant und für einen Nicht-Schweizer mutig war
BAUERNKRIEG:
Demonstration der Bauern gegen den GATT-Vertrag und die EU, gegen die Globalisierung der Landwirtschaft. Künstliche Befruchtung von Kühen auf höchsten High-Tech Niveau: Hochleistungseier und -Spermien werden in vitro vereint und die mikroskopisch erlesenen Embryonen der "Leihkuh" wieder eingepflanzt; die Technik Hochleistungszuchtstieren das Sperma zu entnehmen, zu portionieren und tiefzukühlen; der Handel mit den Hochleistungstieren; der Weg in die Tierkörperverwertung, woraus man "Tiermehl" macht, das man dem Futter beimischt (jawohl, so entstand BSE), am Schluss: Wasserwerfer und Tränengas gegen protestierende Bauern vor dem Berner Bundeshaus, weil der GATT-Vertrag doch ratifiziert wurde und die USA der Schweiz ihren Willen aufdrängte (damit fiel übrigens auch die segensreiche Quotenregelung im Schweizer Filmverleihgeschäft und so konnte sich der fortan US-Schund ungehindert verbreiten).

Eindrückliche Bilder, die zeigen, dass Bauerntum heute nichts mit BIO oder Natur zu tun hat, sondern labortechnische Manipulation am tierischen Leben ist... Schweizer freilich meinten, es hätten da besonders die reichsten Bauern am lautesten geschrieen, denen sei es um die Millionensubventionen gegangen, die sie verlieren, wenn sie nurmehr "Weltmarktpreise" bekommen würden....



 

Filmtip ZOOM vom September 1998, gekürzte Version des Artikels von Franz Ulrich.
Seit einigen Jahren arbeitet der Schweizer Dokumentarfilmer Erich Langjahr an einer gross angelegten Bauern-Trilogie. Im Zentrum stehen die Fragen nach Identität, Überleben und Zukunft. Jedes dieser drei Themen bildet jeweils den Schwerpunkt eines einzelnen Films. Nach „Sennen-Ballade" (1996) ist „Bauernkrieg" der zweite Teil dieser Trilogie. Er zeigt Probleme des Überlebens der schweizerischen Landwirtschaft „am Übergang einer staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft".

„Bauernkrieg" ist eingerahmt von Szenen heftiger Bauerndemonstrationen, zu Beginn jene von 1992 in Luzern, am Schluss jene von l996 in Bern. Diese Proteste der Bauern gegen die neuen GATT-Verträge und die Mitgliedschaft der Schweiz bei der Welthandelsorganisation WTO waren jedoch vergebens. Die rasende Liberalisierung und Globalisierung des Handels konfrontiert die Bauern mit einem unerbittlichen Produktivitäts- und Leistungsdiktat. Viele Bauern müssen ihren Hof aufgeben. Bei den überhöhten Bodenpreisen können sich Grundbesitz nur noch Grosskapitalisten und Spekulanten leisten. Das für die schweizerische Identität so wichtige Bild des freien, selbständigen Bürgers, bis in die jüngste Zeit vor allem verkörpert durch den unabhängigen, auf seiner eigenen Scholle werkenden Bauern, wird immer mehr zum folkloristisch-nostalgischen Phantom. 

Welche Folgen die Leistungssteigerung für das Vieh hat, wird an Beispielen aufgezeigt:In einer automatisierten Melkstation wird eine Kuh gemolken. Sie steht hinter einem Metallgitter, die Geräusche evozieren das Bild einer Fabrikhalle. Grossaufnahme des Euters, über das sich die Blutgefässe wie riesige Krampfadern ausbreiten. Diese hypertrophierten Gefässe sind nötig, um die Milchleistung der Kühe zu erzielen, die man durch Zucht, Kraftfutter und andere Mittel ständig zu vergrössern sucht. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dies geschehe letztlich auf Kosten des Wohlbefindens und der Gesundheit der Tiere. Die unförmigen Euter wirken wie auf Höchstleistung frisierte Organe.

Später besucht die Kamera eine Besamungsstation, deren Betrieb fachkundig erläutert wird. Stiere trotten in einem Rundlauf hintereinander her. Die Bewegung soll sie für den Samensprung fit machen. Für jeden Stier wird eine sterile, mit einem Gleitmittel präparierte künstliche Gummivagina bereitgehalten. Ein Stier wird sexuell stimuliert, wenn er die Silhouette einer Kuh von hinten sieht. Hier dient ein Stier als Kuhersatz. Beim Samensprung ejakuliert der Stier in die hingehaltene Gummivagina.

Am Schluss wird die industrielle Kadaververwertung gezeigt: Ein Kuhkadaver wird samt Hühnern und Innereien durch eine Art Schredder gewürgt und zerkleinert. Nach diversen Verarbeitungsprozessen wird das entstandene Tiermehl in Säcke abgefüllt.

Die Melkstation, die Embryonenentnahme, das „Absamen" und die Kadaververwertung sind dokumentarische Berichte von grosser sinnlicher und emotionaler Kraft. Langjahr kommentiert seinen Film nicht, er zwingt den Zuschauern keine bestimmte Optik auf. Die Entwicklung der Landwirtschaft durch Wissenschaft, Bio- und Gentechnik und andere Techniken mag ihre positiven Seiten haben. Diese dürfen aber nicht dazu führen, die Fragen nach dem ethisch verantwortbaren Umgang mit unseren Nutztieren zu verdrängen. Sind die mit allen Mitteln betriebene Züchtung der Kühe zu Höchstleistungen als Milch und/oder Fleischprodzenten noch tiergerecht? Sind Praktiken wie die Embryonenentnahme und das „Absamen" nicht brutale Verletzungen der Tierwürde? Steht das etwa auch den Menschen bevor, wenn wir wir uns damit bei den Tieren abfinden? Gewisse Anzeichen lassen das tatsächlich befürchten – schliesslich geht es auch da um riesige Profite. Diese und andere Fragen zu diskutieren, ist „Bauernkrieg" ein nachhaltiger Anlass.

Franz Ulrich (gekürzt)

http://www.langjahr-film.ch/di_de.htm



Donnerstag, 27.10.05 - 19.30 und Freitag, 28.10.05 - 21.30 Uhr

Hirtenreise ins 3. Jahrtausend

Dokumentarfilm von Erich Langjahr auf echtem Film
CH 2002, 124 Min, schweizerdütsch m Ut.
Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Erich Langjahr;
Musik: Hans Kennel mit The Alpine Experience, The Schönbächler Sisters, Mytha - The Contemporary Alphorn Orchestra


Nach „Sennen-Ballade“ und „Bauernkrieg“ ist »Hirtenreise ins dritte Jahrtausend« der dritte Film einer Trilogie, in der sich Erich Langjahr mit den elementaren Fragen des Menschen und seiner Existenz auseinandersetzt. Der Film erzählt eine moderne Hirtengeschichte, ausgehend von der Transhumanz, der Weidewirtschaft zwischen den Jahreszeiten und dem damit verbundenen Überbringen der Herden von der Winterweide auf die Sommerweide und umgekehrt. Die Hirten im Film nehmen ein Leben mit viel Entbehrung auf sich und stellen sich einer Herausforderung, die öfters auch die Grenze ihrer Belastbarkeit erreicht. Sie kommen nicht aus der Tradition des Bäuerlichen, sondern haben diese Lebensform selber gewählt, im Bedürfnis nach der Freiheit, selber etwas Sinnvolles zu tun.

Der Film wurde am Internationalen Filmfestival Leipzig 2002 mit der „Goldenen Taube“ausgezeichnet, sowie mit dem Preis der oekumenischen Jury und dem „Don Quijote Preis“ der FICC Jury und erhielt den Schweizer Filmpreis 2003 „Bester Dokumentarfilm“. Am Chicago International Documentary Festival 2004 erhielt der Film den Natasha Isaacs Cinematography Award und in Würzburg den Dokumentarfilmpreis.

Dr. N. Fink schrieb nach der Sichtung des Films in Locarno 2002:
Sehr detailgetreuer und herausragend fotografierter (auf echtem Film !) Dok über die letzten Wanderhirten in der Schweiz. Diese kommen den Viehbesitzern noch immer billiger als das Heu, das die Tiere sonst im Winter brauchen würden, sie schlafen mit den Tieren unter Planen, mal in Holzcontainern und manchmal wird sogar ein Wohnwagen mit dem Heli eingeflogen...

Das Leben ist einfach und naturverbunden. Leider wurde der ökonomische Aspekt zu sehr ausgespart (auf wie viele Rappen Stundenlohn kommen sie denn?), mehrfach werden auch Geburten bei Schafen und Ziegen beobachtet (was einige Längen provoziert), die Mühen des Melkens und der 17-19 Stundentag, 7 mal die Woche.

*** sehr ausführlich und vielleicht schon bald ein historisches Dokument über die Wanderhirten. 

http://www.langjahr-film.ch/di_de.htm


November 2005

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