Programm Oktober 2004

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn
 



Mittwoch, 13.10.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 14.10.04 - 19.30 Uhr

Erbsen auf halb 6


D 2004, Regie: Lars Büchel, Länge: 104 Min.
Darsteller: Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason, Harald Schrott

Um eine Liebe, die anders ist, davon handelt Lars Büchels (Jetzt oder nie - Zeit ist Geld) zweiter Spielfilm. Mit Fritzi Haberlandt in der Hauptrolle.

Die ebenso unterhaltsame wie einfühlsame Geschichte einer „unmöglichen“ Liebe: Eine lebensfrohe junge Frau, von Geburt an blind, begegnet einem Theaterregisseur, der bei einem Autounfall sein Augenlicht verloren hat. Während sie vor Optimismus strotzt, droht er an seiner Blindheit zu verzweifeln, stellt alles und jeden in Frage und kann nicht akzeptieren, dass es ein an Sinnen, Wahrnehmungen und Empfindungen reiches Leben jenseits des Sehens gibt. Ihre gemeinsame Odyssee bis ans Weiße Meer in Russland ist eine Reise in die Herzen zweier Menschen, wobei der hervorragend inszenierte und gespielte Film ebenso selbstbewusst wie unbekümmert über die Stränge der Logik schlägt und für die „Magie“ des Lebens und der Liebe jenseits des allzu Selbstverständlichen wirbt.

„Ich bin nicht blind – ich kann nur nicht sehen“, umreißt Lilly einmal ihre Situation und deutet damit an, dass das fehlende Augenlicht sie nicht „betriebsblind“ für die eigentlichen Werte des Lebens macht – eher im Gegenteil: Sie, die nicht einmal weiß, was Sehen bedeutet, „sieht“ auf ihre Art mit den Fingern, mit dem Gehör, mit ihrem ganzen Körper. Ihre Wahrnehmung ist ein ständiges Herantasten an ein inneres Bild von „Realität“, das den Zuschauer seinerseits anleitet, ebenso auf sein Fingerspitzengefühl zu vertrauen und sich einzulassen auf unerschlossene Räume und Klänge. Natürlich inszeniert Büchel für Nichtblinde und bietet ihnen entsprechend üppige visuelle Eindrücke, doch er tut dies letztlich auch, um damit auf den auditiven Reichtum des Lebens hinzuweisen: auf den tosenden Lärm in einem Bahnhofsgebäude ebenso wie auf das Rauschen des Windes, das Tropfen des Regens, die Stille, die das Vorbeigehen zweier Menschen hinterlässt, die sich mit aller Macht suchen – und finden. Wie in seinem Erstlingswerk, dem ungleich bescheidener ausgestatteten und noch weit weniger publikumswirksamen Schwarz-Weiß-Film „4 Geschichten über 5 Tote“, thematisiert Büchel auch hier die Grenzen – und Chancen – der Selbstbestimmung angesichts körperlicher Versehrtheit sowie des Todes; wobei er im Kern nichts von seiner „Aufmüpfigkeit“ verloren hat, mit der er Tabuthemen entkrampft und zu Mut und utopischer Daseinsfreude herausfordert. Mit seinen beiden Schauspielern Fritzi Haberlandt und Hilmir Snaer Gudnason fand er außerdem ein nahezu ideales „Traumpaar“ für dieses Konzept, das die Zerbrechlichkeit wie auch die Schönheit eines im wahren Sinn des Wortes ertasteten Lebenstraums leidenschaftlich und höchst sinnlich einfängt.

 

Erneut ein Film zum Thema "Menschen mit Behinderung" im FKC!


Mittwoch, 27.10.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 28.10.04 - 19.30 Uhr

Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling
SPRING, SUMMER, FALL, WINTER ... AND SPRING

Kim Ki-Duk Südkorea/D 2003 - OmU -103min - Dolby DIGITAL

Herausragend fotografiertes buddhistisches Lehrstück.

Die 4 Jahreszeiten symbolisieren das Leben eines Jungen, der auf einem kleinen Tempel inmitten eines Sees in Korea aufwächst, er büsst sein Leben lang dafür, dass er als Kind Tiere gequält hat.

Als junger Mann verliebt er sich in eine Frau, die ihm Tempel Heilung sucht, er hat Sex mit ihr und wird von ihr und seinen sexuellen Begierden abhängig, als sie ihm untreu wird, ermordet er sie. („was dir gefällt, gefällt auch anderen!“)

Er flüchtet wieder zu diesem Tempel, wird vom Meister mehrfach bestraft und dann von der Polizei abgeführt. Nach einigen Jahren kehrt er an diesen heiligen Platz zurück, um selber als Meister diesen Hort der Einkehr wieder zu beleben.  Sein früherer Meister hat sich inzwischen selbst verbrannt. Es kommt eine verschleierte Frau, die ihm ein Kind hinterlegt, das er nun so erziehen wird, wie er einst vom Mönch erzogen wurde.  

*** schön und brav, in sich geschlossen und stimmig. Für Liebhaber dieses kontemplativen Fernost-Genres sicher ein einzigartiges Meisterwerk. (Norbert Fink)




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