Programm
September 2006
1. Film
2.Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Donnerstag,
7. September, 19:30 Uhr und
Freitag, 8. September, 21:30 Uhr
Offside
Jafar Panahi, Iran 2006, 88 Min, OmU
mit: Sima Mobarak Shahi, Safar Samandar, Shayesteh Irani,
M. Kheyrabadi, Ida Sadeghi u.a.
Was ist das für ein seltsamer Junge, der da, auf dem Weg ins Stadion, ganz still
zwischen all den lautstarken Fußballfans in der Ecke eines Busses sitzt?
Sieht man genauer hin, kann man erkennen: Es ist gar kein Junge, sondern ein
Mädchen, das sich verkleidet hat. Sie ist nicht der einzige weibliche Fan – auch
im Iran gibt es immer mehr fußballbegeisterte Frauen.
Doch bevor das Spiel beginnt, wird sie an einem Kontrollpunkt festgenommen und
zu einer Umzäunung in der Nähe des Stadions gebracht. Sie ist nur eine von
vielen, mit der so verfahren wird. Denn sie trifft hier eine ganze Gruppe von
Frauen, die sich als Männer verkleidet haben. Nach dem Spiel wird man sie der
Sittenpolizei übergeben. Aber vorher wird man sie quälen! Sie werden jeden
Aufschrei der Zuschauer verfolgen, der aus dem Stadion dringt, ohne dass sie den
entsprechenden Spielzug zu sehen kriegen. Und schlimmer noch: Sie müssen den
Kommentaren eines Wachsoldaten zuhören, der nicht den geringsten Schimmer vom
Fußball hat. Aber die jungen Frauen geben nicht auf!Was immer sie an Tricks auf
Lager haben, wenden sie an, um das Spiel doch noch zu sehen.
Das soziale Dilemma, in das moderne iranische Frauen geraten können, hat Jafar
Panahi in seinen vorangegangenen Filmen schon häufiger thematisiert.
Diesmal erzählt er davon und von einem verletzten Frauenrecht in Form einer
gewitzten Komödie..

"Mit OFFSIDE entdeckt Jafar Panahi einen neuen Ton und ein neues Genre für
sicher: die Komödie der Emanzipation. ...ein schwereloses und präzises
Meisterwerk." (Andreas Kilb in der FAZ)
Donnerstag,
21. September, 19:30 Uhr und
Freitag, 22. September, 21:30 Uhr
Faktotum
Bent Hamer, N,D 2005, 93 Min. engl. OmU
FACTOTUM ist die Geschichte des Schriftstellers Henry "Hank" Chinaski, der sich
als Gelegenheitsarbeiter mit den verschiedensten Jobs über Wasser hält, um sich
das leisten zu können, was ihn wirklich interessiert: Alkohol, Frauen,
Zigaretten, Wetten abschließen und vor allem Geschichten schreiben, die niemand
veröffentlichen will.
Mit FACTOTUM, nach dem zweiten Roman (1975) von Charles Bukowski, hat der
norwegische Regisseur Bent Hamer ("Kitchen Stories") einen atmosphärisch dichten
Film über einen Underdog inszeniert, der sich trotz aller Rückschläge treu
bleibt und seinen lakonischen Humor nie verliert.
"Ein Intellektueller ist ein Mensch, der eine einfache Sache kompliziert
ausdrückt. Ein Künstler ist ein Mensch, der eine komplizierte Sache einfach
ausdrückt." (Charles Bukowski)


Die Romane des amerikanischen Schriftstellers Charles Bukowski sind köstlich
unmoralisch. Sein “Chinasky“ ist er dabei selber, ein Möchtegern-Schriftsteller
der ungern und schlecht arbeitet, umso mehr aber leichten Sex, Nikotin und
Alkohol liebt. Er wohnt in billigen Absteigen oder bei seinen Geliebten, mit
denen er keine allzu engen Beziehungen will, aber er erwartet von ihnen, dass
sie ebenfalls Spaß an Sex und Alkohol haben. Und er liebt auch die Literatur und
klassische Musik und unterscheidet sich dadurch von einem gewöhnlichen
Alkoholiker oder Penner.
Bukowskis Romane verarschen alle Werte (Arbeitsmoral, Fleiß, Ehrgeiz, Keuschheit
...) der Puritaner.
In "Barfly" und "Ganz normal verrückt" wurden sie bereits verfilmt.


Bent Hamer, der zuletzt mit den "Kitchen Storys" bei uns bekannt wurde,
verfilmte nun in einem ähnlich semidokumentarischem Stil die Geschichte des
arbeitsscheuen und lebenslustigen Chinasky.
Dabei gewinnt der Film zunehmend an Dichte und Witz. Als er einmal als
Pferdewetter zu etwas Geld kommt, und sich in feines Tuch hüllt ist er einfach
nicht mehr der Alte, kritisiert seine Geliebte. Dazu passt auch jene Szene, in
der er von seiner Gespielin verlassen wird, weil er einmal die Wohnung
aufgeräumt hat ("wo ist die Schlampe, die dir hier auch noch geputzt hat?"),
obwohl er sich beim staubsaugern richtig "schwul" vorgekommen ist. Anfangs ist
der Film für das Thema zu brav, bekommt dann doch einige pikante Szenen, ohne
jedoch je pornographisch zu werden, wozu die Vorlage ja ausreichend Stoff
geboten hätte. In der Begegnung mit seinem Vater prallen die konträren
Wertvorstellungen unbarmherzig aufeinander.
Dabei wird jedoch mehr der Arbeitsminister denn eine Klosterfrau rot, denn seine
Arbeitsmoral ist schrecklich.
**** vorlagentreue, semidokumentarische und
halbbiographische Verfilmung des Romans "Faktotum"
von Charles Bukowski, fast ein wenig zu brav aber doch konsequent gegen alle
Werte des erfolgreichen
Menschen im Kapitalismus verstoßend.
Gesehen und empfohlen von Norbert