Programm September 2005

1. Film   2. Film  3.Film
Eintrittspreise: Normallänge 7€, Überlänge 8€ - Weltlichtspiele Dornbirn

Donnerstag, 1.9.05 - 19.30 und Freitag, 2.9.05 - 21.30 Uhr
MACHUCA

Chile  2004, 121 Min, spanische OmU
Regie: ANDRÉS WOOD, Buch: ROBERTO BRODSKY • MAMOUN HASSAN • ANDRÉS WOOD

MACHUCA ist ein berührender, dramatischer Film über den Abschied von der Kindheit - voller Melancholie und Enthusiasmus. Einfühlsam erzählt Regisseur Andrés Wood die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier chilenischer Jungen zur Zeit der Regierung Salvador Allendes. Es gelingt ihm, das Lebensgefühl jener politisch unruhigen Zeit ebenso eindringlich darzustellen wie das der elfjährigen Protagonisten. Die jugendlichen Hauptdarsteller Matías Quer als Gonzalo Infante, Ariel Mateluna als Pedro Machuca und Manuela Martelli als Silvana, überzeugen ebenso wie die beeindruckenden Bilder von Kameramann Miguel J. Littín und die mitreißende Musik von José Miguel Miranda und José Miguel Tobar.
Die Story
Santiago de Chile 1973 kurz vor dem Putsch gegen Salvador Allende. Pedro Machuca (Ariel Mateluna) kommt in die Klasse von Gonzalo Infante (Matías Quer). Er ist einer der Jungen aus den Elendsvierteln, denen Pater McEnroe (Ernesto Malbrán), der sozial engagierte Schulleiter von St.Patrick, den Besuch der elitären Privatschule ermöglicht. Die beiden Elfjährigen schließen trotz unterschiedlicher Herkunft Freundschaft.
Gonzalo lernt durch Pedro die Welt jenseits der eigenen behüteten Verhältnisse kennen – die Slums am Mapocho, der die Stadt durchfließt und Arme von Reichen trennt.
Da Pedro für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, hilft Gonzalo seinem Freund. Zusammen mit Silvana (Manuela Martelli) verkaufen sie Fahnen an die vielen Demonstranten in der Stadt, sowohl an die Gegner als auch an die Anhänger Allendes.
Beide Jungs verlieben sich in das Mädchen. Großzügig verteilt Silvana ihre Küsse – und erstickt damit alle Eifersüchteleien. Täglich radelt Gonzalo nun in das Elendsviertel, wo er Herzlichkeit, Gemeinschaft und Zuneigung erfährt. Niemand scheint den drei Freunden etwas anhaben zu können.
Doch als die wirtschaftlichen und politischen Spannungen zunehmen, bricht die soziale Kluft auch zwischen ihnen in aller Schärfe auf. Silvana, die kleine Kommunistin, lässt ihre Wut und Verzweiflung an Gonzalo aus.
Dessen Familie unterstützt die Streiks und die politisch Rechten. Gonzalos Freundschaft mit Pedro und dem Mädchen steht auf die Kippe. Der Militärputsch am 11. September beendet nicht nur Gonzalos Kindheit …

Originalsite: http://www.machucacine.cl/index-0.htm (spanisch)

FKC Seite in spanisch - en castellano

Kritik von Walter Gasperi:

Machuca, mein Freund / Machuca

DRAMA, CHILE 2004, 120 Minuten.

Regie: Andrés Wood Drehbuch: Roberto Brodsky, Mamoun Hassan, Andrés Wood Kamera: Miguel J. Littín Schnitt: Fernando Pardo Musik: José Miguel Miranda, José Miguel Tobar Szenenbild: Rodrigo Bazaes Produktion: Gerrardo Herrero, Mamoun Hassan, Andrés Wood

Darsteller: Matías Quer (Gonzalo Infante), Ariel Mateluna (Pedro Machuca), Manuela Martelli (Silvana), Aline Küppenheim (María Luisa), Federico Luppi (Roberto Ochagavá), Ernesto Malbrán (Pater McEnroe)

 

www.polyfilm.at

Santiago de Chile, kurz vor dem Militärputsch gegen Salvador Allende im September 1973: An einer katholischen Privatschule freunden sich der aus wohlhabender Familie stammende elfjährige Gonzalo und der in den Slums aufgewachsene Pedro Machuca an.
Der Originaltitel leitet in die Irre, für einmal ist der deutsche Titel aussagekräftiger. Denn nicht Pedro Machuca steht im Mittelpunkt, sondern sein gleichaltriger Freund Gonzalo Infante. Andrés Wood, der selbst als Achtjähriger den Militärputsch gegen Allende erlebte und Machuca dem damaligen Rektor seiner Schule gewidmet hat, erzählt konsequent aus der Sicht dieses Elfjährigen. Immer wieder versichert sich Wood dieser Perspektive und drängt den Zuschauer förmlich in sie hinein, wenn die Kamera zunächst auf Gonzalos Augenpartie blickt und im Gegenschnitt zeigt, was er sieht.

Weil ein Jugendlicher aber die Welt anders wahrnimmt als ein Erwachsener, steht die Geschichte der Freundschaft sowie die der Familie im Mittelpunkt, während die politischen Spannungen zunächst „nur“ den Hintergrund bilden und eher beiläufig durch Radionachrichten und Maueraufschriften einfließen.

Die katholische Privatschule, in die der fortschrittliche Pater McEnroe auch kostenlos Kinder aus den Elendsvierteln aufnimmt, erscheint wie in Louis Malles Auf Wiedersehen, Kinder als Ort, von dem die Welt der Erwachsenen ausgeschlossen bleibt und an dem soziale Gegensätze keine Rolle spielen. Nur hier können sich Gonzalo und Pedro kennen lernen, denn sie leben im Grunde in diametral entgegen gesetzten Welten. Durch ihre Freundschaft lernt zwar sowohl das Bürgersöhnchen die ihm bisher völlig unbekannten Slums als auch das Unterschichtkind die Lebensverhältnisse des Großbürgertums kennen, aber die Distanzen zwischen den Klassen, für die Wood in Gonzalos langen Fahrradfahrten zu Pedro ein ebenso unauffälliges wie starkes Bild findet, bleiben.

Die Herausarbeitung dieser Gegensätze an Einzelpersonen, deren politische Positionen Wood nicht verurteilt, sondern aus ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Background erklärt, durchzieht diesen geradlinig und einfach inszenierten, aber bewegenden Film. So stehen der die Klassenschranken durchbrechenden Jugendfreundschaft, in der sich Allendes Traum eines sozialistischen Chile spiegelt, Gonzalos weibliche Bezugspersonen gegenüber. Während seine Mutter für die Nationale Front demonstriert, fördert die etwa 14jährige Silvana, eine begeisterte Anhängerin Allendes, sein Coming-of-Age. Dieses Mädchen aus den Slums führt Gonzalo nicht nur in die Liebe ein, sondern weckt in ihm auch ein politisches Bewusstsein.  

Permanent korrespondiert so die einfühlsam erzählte private Geschichte mit der politischen und der Putsch, dessen Folgen hart und realistisch gezeigt werden, bringt nicht nur das Ende von Allendes-Experiment, sondern auch das von Gonzalos Kindheit und seinen Träumen. – Und dieses Ende bringt die letzte und größte Antithese, denn mit ihm lässt Wood den Traum von einer Aufhebung der Klassenschranken und von einer sozial gerechten Welt, den er den Zuschauer zwei Stunden lang träumen ließ, an der historischen Realität zerbrechen.

Walter Gasperi


Donnerstag, 15.9.05 - 19.30 und Freitag, 16.9.05 - 21.30 Uhr

Brothers

Dänemark, 2004,  110 min.,  Dolby SRD
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Andersen Thomas Jensen, nach einer Idee von Susanne Bier
 

Michael (Ulrich Thomsen) ist einer dieser Männer, die das Glück gepachtet zu haben scheinen - eine glänzende Karriere in der Armee, eine Bilderbuchehe mit seiner schönen Frau Sarah (Connie Nielsen), zwei aufgeweckte Kinder. Sein jüngerer Bruder Jannik (Nikolaj Lie Kaas) ist das schwarze Schaf der Familie, ein eher erfolgloser Typ, der wegen eines Banküberfalls im Gefängnis saß und nach der Entlassung seinen Platz im Leben sucht. Als Michael bei einem Afghanistan-Einsatz vermisst und für tot erklärt wird, hilft Jannik der trauernden Sarah über die schlimme Zeit hinweg und übernimmt erstmals so etwas wie Verantwortung, für sich und für die Familie. Langsam spüren sie, dass es mehr sein könnte als simple Sympathie, die sie verbindet. Und dann kommt der von afghanischen Aufständischen in Gefangenschaft gehaltene und von einer Eingreiftruppe befreite Michael zurück, ein fremder und traumatisierter Mann. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.

Ein packendes Melodram
von beinahe biblischen Ausmaßen

Synopsis: Michael Lundberg (Ulrich Thomsen) ist Major der dänischen Armee und glücklich (mit Sarah – Connie Nielsen) verheirateter Vater zweier Töchter. In den Augen seines Vaters ein idealer Sohn, ganz im Gegenteil zu dessen Bruder Jannik (Nikolaj Lie Kaas), der wegen eines Überfalls ein paar Jahre im Gefängnis saß. Nach seiner Entlassung, kurz vor seinem Auslandseinsatz in Afghanistan, holt Michael den jüngeren Bruder in die Familie zurück. Kaum ist Michael in Afghanistan angekommen, geschieht eine Katastrophe – sein Hubschrauber wird abgeschossen und der Major für tot erklärt. Niemand weiß, dass Michael überlebt hat und Gefangener der Taliban geworden ist. Zuhause drehen sich die Verhältnisse um – Jannik wird den Kindern seines Bruders ein verantwortungsvoller Ersatzvater, so sehr, dass Connie an ihm Gefallen findet … (arte)


Donnerstag, 29.9.05 - 19.30 und Freitag, 30.9.05 - 21.30 Uhr

Dallas Pashamende
 

Robert Adrian Pejo
A, H, D 2005, 95 min, echtes 35mm, dolby digital


Schon die Entstehungsgeschichte des Filmes wäre ein „make of“ wert, ein Krimi.

Vor acht Jahren wurde das Buch geschrieben – eine Orpheus und Eurydike – Geschichte auf einer Müllhalde der Roma in Rumänien. Was soll das Thema, Kusturica hat sich eh schon mit den Zigeunern befasst !

Schließlich nach 5 Jahren, finden sich 3 Produzenten in A, H und D und gehen ans Werk.
Die Location soll in Rumänien in einer aufgelassenen Kiesgrube sein, eine Müllhalde und das Dorf seiner Bewohner inklusive Bär – soll aufgebaut werden, nachdem es völlig unmöglich, gefährlich und ungesund wäre, auf einer echten Müllhalde zu drehen, wo in der Regel rund 1500 Roma davon leben, nie hätte man alle beschäftigen können und nur einen Teil davon zu bezahlen hätte zu Animositäten geführt.
Also professionelle Hauptdarsteller gesucht und in Siebenbürgen auch echte Roma-Laien inkl. Kinder.

Dann wurde das Dorf in einer Kiesgrube in RO gebaut und die Dreharbeiten begannen. Doch die gefielen dem damaligen ro. Ministerpräsident nicht; unter der Vorwand des Umweltschutzes wurde das Projekt gestoppt. Dann ging der deutsche Produzent MTM bankrott und die Negative wurden im Arri-Kopierwerk nicht herausgegeben.
Nun  musste alles nach Ungarn verlegt werden, wo nur eine wesentlich kleinere Kiesgrube gefunden wurde.
Dorka Gryllus wurde beim Budapester Filmfestival mit dem Hauptpreis für die beste Darstellerin ausgezeichnet, in Berlin lief der Film im Panorama.
Pejo selbst ist rumänischer Abstammung und lebt in Wien und NY.
Der Film ist im Original in ungarisch, rumänisch und roma. Die Roma würden selbst auch so eine Mischung sprechen und sich verstehen.



Der Lehrer Radu, kehrt nach 15 Jahren wieder in sein Dorf auf einer Müllhalde, genannt Dallas, zurück, da sein Vater gestorben ist. Das einzige Erbe ist ein alter Tanzbär.
Er trifft auch seine Jugendliebe Oana, die inzwischen von einem anderen einen Jungen bekommen hat. Zwar wird ihm gleich sein Auto „verwertet“ und unbrauchbar gemacht, doch immer mehr legt er seinen Ekel vor dem erbärmlichen Dasein auf dem Müllhalde zurück.
Er wird in gefährliche Aktionen verstrickt und einer kriminellen Tat verdächtigt, auch bekämpft er die Mafia und sorgt dafür, dass die Dorfbewohner aus ihrer Recyclingarbeit einen anständigen Lohn erhalten, ohne Zwischenhändler im Mercedes.

Als seine Verlobte kommt und Oana sehr eifersüchtig wird, beschließt er im Dorf zu bleiben und dort eine Schule aufzumachen. Doch es kommt unweigerlich zum tödlichen Konflikt, als er Oana erklärt, sie zu lieben und  zu ihr ziehen zu wollen…

**** herausragende Mileustudie über das Leben der Roma in Rumänien, melodramatisch und doch realistisch aufgearbeitet


alle Filme des Monats Oktober sind dem Schweizer Regisseur Erich Langjahr gewidmet !

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