Programm des FKC im September 2003
1. Film 2. Film 3.Film
Neue Eintrittspreise: Normallänge 7€, Bollywood 9€
Programmzettel September - Oktober zum download
(507 kB)
derzeit sehenswert in den Weltlichtspielen
Mittwoch, 3. 9. - 21.30 Uhr - und Donnerstag 4.9. 2003 - 19.30 Uhr :
HUKKLE - Das Dorf

Ungarn 2002, 75 Min., 35mm 1:1,85,
keine Dialoge - ungarische Lieder, Dolby SR
Ein Film von György Pálfi, mit Ferenc Bandi, Mrs. Rácz, József Farkas u.a.
Sommerliche Dorfidylle –
die Bauern holen die Ernte ein,
der Zuchteber deckt die Sau,
die Bienen sammeln Honig …
und die Männer sterben
wie die Fliegen

Der Kultfilm aus Ungarn!
http://www.hukkle.hu/static/forgatokonyv.htm
Gefährliches Landleben
Ein kleines Dorf in Ungarn. Wie überall auf dem Land gehen auch hier die
Menschen ihren Tätigkeiten nach: Schafe werden gehütet, Bienen gezüchtet und
die Hühner gefüttert. Die Frauen arbeiten in der Textilfabrik.
Die Männer holen die Ernte ein und kegeln nach Feierabend. Doch es werden
immer weniger.
Der Dorfpolizist sieht sich mit einer Serie von Todesfällen konfrontiert …

Die Geschichte hinter der Geschichte
Vordergründig schildert Hukkle - Das Dorf vor allem den Mikrokosmos des
Landlebens.
Aber wie bei einem Bilderrätsel erschließt sich die eigentliche Geschichte erst
beim genaueren Hinsehen hinter den idyllischen Szenen und Bildern …
Ein kriminalistisches Rätsel
Hukkle - Das Dorf widerspricht den gängigen Seh- und Hörgewohnheiten. Der Film
legt seine Geschichte nicht offen zutage, er verzichtet sogar vollkommen auf
Dialoge. Und dennoch wird der Betrachter in den Bann gezogen durch das Rätsel
und Geheimnis, das sich unter der Oberfläche des ländlichen Lebens verbirgt. Die
Hinweise auf diese Lösung hat der ungarische Regisseur György Pálfi mit viel
Liebe für Details und subtilem Humor in Szene gesetzt.
Seine herausragende Kameraführung macht den diesjährigen (2002)
ungarischen Kandidaten für den OSCAR in der Kategorie Nicht-englischsprachiger
Film zu einem außergewöhnlichen visuellen Erlebnis. Darüberhinaus entsteht
durch den liebevoll eingefangenen Ton auch ein akustisches Ereignis, das
einzigartig ist. Angefangen vom "Hicks"(ungarisch: "Hukkle") eines Schluckaufs,
das den Film eröffnet, bis hin zum Scharren eines Fahrrads und zum Schnurren
einer Nähmaschine entsteht eine Symphonie der Geräusche, die den Rhythmus des
Films vorantreibt.
"EBER BEGATTET SAU!"
(CELLULOID)
P R E I S E :
2002
Budapest - 33rd Hungarian Film Week Best First Film - Gene Moskowitz Prize of foreign critics
San Sebastian Film Festival Special Prize of the Jury - New Director's section
Kijev-Molodist Film Festival Special Prize for an outstanding artistic contribution - competition, Special Mention - FIPRESCI, Prize for the best debut - Student Jury, Audience Prize
Santa Fé Film Festival Milagro Prize
European Film Academy - Rome European Discovery - Fassbinder Award, 2002
2003
Cleveland Film Festival - Prize of
East European section
Mamers Film Festival - Main Prize -Prize of Art Cinemas' Regional Association
Torun - Young European Film Festival Main Prize - ex-aequo
Hong Kong IFF Golden Firebird Award
official entry of Hungary for the Academy Awards Prize of Hungarian Film Critics
Mittwoch 17.9. - ca. 21.15 Uhr
und Donnerstag 18.9.03 - 19.30
Wegen Überlänge 9€ Eintritt - fast 4 Stunden Kinogenuss -
und keine Sekunde langweilig!
LAGAAN
-
Once upon a time in India

| Indien 2001 , 224 min, OmU |
| Regie: Ashutosh Gowariker |
|
Darsteller: Aamir Khan, Gracy Singh, Rachel Shelly, Paul Blackthorne |
|
Farbenpracht in seltener Schönheit

„Bollywood“ at it's Best: „Lagaan“ ist ein
monumentales, fröhliches Epos .
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In Indien entstehen mehr Filme als in jedem anderen Land
der Welt. In Bombay nennt man das indische Kino „Bollywood“, wegen seiner Größe.
Die seltene Gelegenheit, solche Filme in heimischen Kinos zu sehen, sollte man
nicht verpassen.

„Lagaan“ des Regisseurs Ashutosh Gowariker ist ein herausragendes Beispiel für
das monumentale, überlebensgroße Bollywood-Kino und allein aus diesem Grund ein
filmisches Fest. Trotz seiner atemberaubenden Länge von 220 Minuten zeigt der
Film noch atemberaubendere Bilder und erzählt seine durchwegs einfach gestrickte
Geschichte in einer Weise, die man aus dem frühen Hollywood-Kino kannte, die es
aber heute nicht mehr gibt. Die großen Epen wie „Vom Winde verweht“ oder
„Lawrence von Arabien“ werden nicht mehr gedreht. Die heutigen Heldensagen sind
düster und effektüberladen. Der alte Glanz, den es einst gab, fehlt. In den
großen Filmmusicals der 50er Jahre jagte eine Tanz- und Gesangseinlage die
nächste.
In „Lagaan“ gibt es diese Sanges- und Tanzesfreuden zuhauf. In epischer Breite,
dem bewährten Cinemascope, sehen wir einer Tausendschaft indischer,
lebenslustiger Menschen zu, bei denen Emotionen wie Liebe und Hass kinogerecht
extrem sein müssen, um nachhaltig zu wirken. Dazu eine Farbenpracht von seltener
Schönheit, in einem Land, dem die Natur zwar keinen Regen schenkt, dessen
Menschen ihren Alltag aber trotzdem überaus bunt gestalten.
Im Mittelpunkt steht ein kleines Dorf mit dem Namen Champaner, es ist 1893. Die
Briten, sie sind in Indien und spielen Kolonialherren. Die Bewohner des Dorfes
müssen ihre Steuern zahlen, die so genannte „Lagaan“, eine Art Getreidesteuer,
und der Willkür der herrschenden Provinz-Briten ist es zu verdanken, dass sie in
diesem Jahr die doppelte Lagaan abführen müssen - damit die Engländer fernab
ihrer Heimat ein angenehmes Leben führen können. Aber es regnet nicht, weshalb
die Steuer unerbringbar ist. Der Kolonialherr schlägt daher eine Wette vor: Wenn
die Bewohner des Dorfes ihn und seine Truppe beim „Cricket“ besiegen, erlässt er
ihnen die Steuer für drei Jahre.
Simpel, dicht, keine Minute langatmig, opulent und monumental. Ein Stück
indisches Kino in seiner Bestform.
Matthias Greuling (Celluloid)
Walter Gasperi über das indische Kino:
Zwischen Realismus und Eskapismus
Nur das vom italienischen Neorealismus beeinflusste indische Autorenkino wurde bis in die 90er Jahre im Westen geschätzt, unbeachtet blieb das Mainstream-Kino aus "Bollywood" (Bombay + Hollywood). Mit Erfolg bei Publikum und Kritik durchbrochen wurde die strikte Trennung dieser beiden Strömungen nur von Mira Nair, die in "Monsoon Wedding" leichte Unterhaltung mit sozialkritischem Anspruch verknüpfte. Mit der Oscar-Nominierung (2002) für Ashutosh Gowarikers fast vierstündigen "Lagaan" hat nun aber auch das kommerzielle indische Kino im Westen an Renommee gewonnen.
Mit mehr als 800 Filmen pro Jahr ist die Filmproduktion Indiens weltweit mit Abstand die größte. Weil das Fernsehen auf diesem Subkontinent noch nicht so verbreitet ist und der Anteil der analphabetischen Bevölkerung hoch ist, stellt das Kino immer noch die bedeutendste Unterhaltungsform dar. Kinosäle gibt es zwar fast nur im städtischen Raum, doch mittels reisender Kinos, die die Filme unter freiem Himmel zeigen, werden - wie in "Uttara" schön zu sehen ist - auch die entlegensten Dörfer erreicht.
Die seit der Stummfilmzeit in Indien gedrehten und vom einheimischen Publikum begeistert aufgenommenen eskapistischen Unterhaltungsfilme galten bislang freilich für den internationalen Markt als uninteressant. Keine Nachfrage bestand im Ausland nach kitschigen Liebesgeschichten und farbenprächtigen Epen, die sich Themen der hinduistischen Mythologie widmeten. - Wahrgenommen wurden im Westen nur die künstlerisch anspruchsvollen realistischen Bestandsaufnahmen der indischen Gesellschaft von Satyajit Ray und Mrinal Sen. Ihre Festivalerfolge stärkten die Position anderer unabhängiger, entschieden nicht-kommerzieller Filmemacher, die seit Anfang der 70er Jahre das Bild des indischen Kinos im Westen prägten.
Während diese ambitionierten Werke in Indien selbst kaum beachtet werden, zeichnet sich hinsichtlich der Ein- und Wertschätzung des populären indischen Kinos in den USA und in Europa eine Änderung ab. Die begeisterte Aufnahme von "Lagaan" (2000) beim Filmfestival von Locarno (2001) und die Oscar-Nominierung für diesen Film im folgenden Jahr, bewegte die westlichen Verleiher nicht nur dieses teuerste Projekt der indischen Filmgeschichte in die Kinos zu bringen, sondern auch Ausschau nach weiteren Produktionen aus Bollywood zu halten. "Sometimes Happy, Sometimes Sad" läuft am 8. u.9.10. im FKC und "Devdas", der "Lagaan" an Aufwand noch übertreffen soll, dürfte im nächsten Jahr Österreich erreichen .
"Lagaan" - Bollywood par excellence
Der Erfolg von "Lagaan", der mit seinen 220 Minuten in etwa die durchschnittliche Länge eines Bollywood-Films besitzt, ist zu einem großen Teil damit zu erklären, dass hier alle Ingredienzien des populären indischen Kinos in meisterhafter Weise zu einer Einheit verschmelzen. Tanz- und Singeinlagen dürfen keinesfalls fehlen, farbenprächtige Kostüme sorgen für optischen Genuss, mit Amir Khan steht ein strahlender Held im Mittelpunkt, die Grenzen zwischen Gut und Böse sind klar gezogen und am Happy-End können nie ernsthafte Zweifel aufkommen.
Modernes Kino ist das freilich nicht, sondern ein naives, aber opulentes Spektakel ganz im Stile von "Gone with the Wind" oder "Doktor Schiwago". Angst vor Kitsch und großen Gefühlen kennt der Regisseur und Drehbuchautor Ashutosh Gowariker nicht, schwelgerisch erzählt er seine einfache Geschichte und kann dabei, da er es versteht, virtuos alle Register der Spannungssteigerung zu ziehen, getrost auf Special-Effects, Sex und Action verzichten.
Realismus darf hier nicht erwartet werden, jede Bitterkeit wird der Armut durch die lichtdurchfluteten Bilder geraubt, schön sind die Menschen, warm die Atmosphäre. Und der Vorspann mit dem Untertitel "Once Upon a Time in India" weist "Lagaan" ebenso als Märchen aus wie die sonore Stimme des auktorialen Erzählers, der aus dem Off in den Film einführt: Obwohl das kleine Nest Champaner im Jahr 1893 unter einer Dürre leidet, fordern die englischen Kolonialherren die Zahlung der doppelten Naturalsteuer (=Lagaan). Jede Bitte um Aufschub wird abgelehnt, doch der englische Captain schlägt den vom kämpferischen Bhuvan (Aamir Khan) angeführten Dorfbewohnern eine Wette vor: Sollte es ihnen gelingen die Engländer im Cricket zu schlagen, so soll das Lagaan für drei Jahre erlassen werden, im Falle einer Niederlage soll die Steuer aber verdreifacht werden.
Nicht was, sondern wie hier erzählt wird, ist wichtig. Geschickt und klar baut Gowariker Gegensätze auf, stellt dem Dorf das Fort, den vitalen Indern die steifen Engländer gegenüber, zieht schon durch die Kostüme klare Grenzen, weckt Emotionen durch die perfekte Arbeit mit Ober- und Untersichten, die virtuose Inszenierung von Blicken, wechselt in perfektem Timing Schauplätze und Handlungsstränge und unterbricht die Handlung fünfmal durch mitreißende Tanz- und Gesangszenen, in denen das Gesehene teils kommentiert, teils zusammenfasst wird.
Entscheidend zum Reichtum und zur Dichte von "Lagaan" tragen aber auch die vielen präzis gezeichneten Figuren und die zahlreichen Nebenhandlungen bei. Es gibt nicht nur Bhuvan und den arroganten englischen Captain Russell als große Gegenspieler, sondern auch Russells Schwester Elizabeth, die sich in Bhuvan verliebt und die Inder beim Training unterstützt. Ihr gegenüber steht wiederum die Dorfschönheit Gauri, die ebenfalls den strahlenden Helden liebt.
Individuelle Züge erhält auch jeder der 11 Spieler, die Bhuvan in einer langen Suche - ein von "Die sieben Samurai" bis "Ocean´s Eleven" beliebtes Motiv - rekrutiert. An einem indischen Tabu wird hier gerührt, wenn eine "kastenlose" Truppe zusammengestellt wird.
Gebündelt zeigt sich die ganze Meisterschaft des Regisseurs in dem finalen Cricket-Spiel. Etwa 80 Minuten dauert dieser den Film beschließende Wettkampf, dennoch kommt auch ohne Kenntnis der Spielregeln dank virtuoser Retardierungen und durch Dehnung oder Erhöhung des Tempos nicht nur keine Langeweile auf, sondern die Spannung wird bis zum letzten Wurf sogar noch permanent gesteigert.
Mittwoch, 24.9. - 21.30 Uhr
- und Donnerstag,
25.9.03 - 19.30 Uhr
Hacerse el sueco – der Cuba-Coup
Kuba, D,E 2000
Regie: Daniel Diáz Torres
Buch: Eduardo del Llano, Daniel Diáz Torres
105 Min, Dolby digital, spanische OmU.

Nicht nur die Häuser bröckeln im alten Havanna. Auch die sozialistische Moral ist nicht mehr das, was sie mal war. Statt sich hehrer Ideologien zu widmen, machen die Kubaner lieber an jeder Ecke Geschäfte. Für den früheren Polizisten Amancio ein Graus. Als dann noch seine Frau Concha und seine Tochter Alicia mit einem strohblonden Touristen im Schlepptau auftauchen, der als Untermieter die Haushaltskasse aufbessern soll, sieht der Ordnungsfanatiker erst einmal rot.
Doch dann findet er Gefallen an dem höflichen Schweden Björn, der sich als Literaturprofessor vorstellt. Seltsamerweise beginnt zur gleichen Zeit eine Serie von Überfällen durch einen Touristen, der Taxifahrer um Bares und Hausfrauen um ihre Handtasche erleichtert - kein Wunder ist der brave Björn doch ein auf der Zuckerinsel untergetauchter deutscher Ganove.
“Den Schweden spielen heißt hacerse el sueco wörtlich übersetzt
und bedeutet umgang-sprachlich: sich ahnungslos geben, ein Unschuldslamm mimen.
Peter Lohmeyer blüht in der Rolle des schüchternen Gauners, dessen Charakter von
einem Augenblick auf den anderen ins Brutale kippen kann, mit ganzem Herzen auf.
Und auch der Rest des Ensembles macht soviel Spaß, daß dem "Cuba Coup" manch
allzu kitschiger Leerlauf und ein holpriger Schluss verziehen sei. Ein Tipp für
alle, die sich vom Kubafieber immer aufs neue anstecken lassen.”
(Blickpunkt Film)
Die Geschichte an
sich ist pfiffig. Die komödiantische Verschmelzung von Alltagsrealität und
sanftem Spott auf Kubas Sozialpolitik mit krimineller Energie und zarten
Liebesbanden birgt hintergründiges Amüsement und warm empfundene Sympathie für
die Figuren. Dazu fand sich eine typensichere Besetzung mit viel Sinn für
mutterwitziges Milieu und ein ironisch zwinkernder Hauptdarsteller Peter
Lohmeyer, der des kuba-spanischen Zungenschlags so selbstverständlich bedient,
als ob sich dessen von Kindheit an bedient hätte.
Im Oktober geht es im üblichen 14-Tage Rhythmus weiter...
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