Programm Juni 2004

1. Film   2. Film  
Eintrittspreise: Normallänge 7
€ - Weltlichtspiele Dornbirn
 


Mittwoch, 16.6.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 17.06.04 - 19.30 Uhr
GORI VATRA- Feuer!
 

Bosnien Herzegovina/Österreich/Türkei/Frankreich 2003

105 Minuten;  Dolby Digital; OmdtU
Buch und Regie: Pjer Zalica, Kamera: Mirsad Herovic
mit:
Bogdan Diklic, Sasa Petrovic, Izudin Bajrovic, Jasna Zalica, Senad Basic,
Admir Glamocak,
Emir Hadzihafizbegovic, Feda Stukan, Hubert Kramar



 

Der heimliche Sieger im Wettbewerb von Locarno, Publikumsliebling, der eine stehende Ovation erhielt bei seiner Premiere, eine irrwitzige Komödie über das Leben am Anfang des 21. Jahrhunderts. Tesanj ist eine kleine bosnische Stadt, deren düstere Realität die vordergründige Bilderbuchidylle Lügen straft: bescheidene, offene und warmherzige Bewohner, fröhliches Leben, ein Marktplatz, Traditionen, gute nachbarschaftliche Beziehungen.

 So weit die Fassade. Hinter dieser glatten Oberfläche liegen allerdings ethnische Intoleranz, Kriminalität, Prostitution und Korruption. Die Ankündigung eines bevorstehenden Besuchs des US-Präsidenten Bill Clinton in Tesanj versetzt die kleine Gemeinde in Euphorie: sie erwartet, dass im Scheinwerferlicht der internationalen Gemeinschaft massiv ausländisches Kapital fließt – man verspricht sich Wohlbefinden und Wohlstand. Hat der US-Präsident nicht akzeptiert, Pate dieses Fleckchens zu werden? Damit der Traum jedoch Realität wird, muss Tesanj sich seiner Schattenseiten entledigen.

 Unter der Aufsicht und mit der Hilfe von internationalen Beobachtern unternimmt das bosnische Städtchen einen Wettlauf mit der Zeit, in dem ihm bloß sieben Tage bleiben, um die Demokratie umzusetzen und das friedliche Städtchen zu werden, das es mutmaßlich ist! Je schneller die Zeit vergeht, umso mehr verfällt die Gemeinschaft dem Irrsinn: die Prostituierten verwandeln sich in Revuetänzerinnen, die den verschiedenen Religionen und Kulturen huldigen, die Feuerwehr gründet hastig ein Orchester, und man holt das Gemeindewappen hervor, das für diese Gelegenheit dem amerikanischen Geschmack angepasst wird.

Pjer Zalica schuf einen scharfsinnigen und poetischen Film, in dem die Ironie der liebevollen Beschreibung von Filz und Zynismus im Nachkriegs-Bosnien gegenübersteht. Tatsächlich hat der vom Regisseur gezeigte Horror etwas Amüsantes an sich. Der eigenwillige, bissige Ton entspricht der bittersüßen Melancholie, die den besten Tragikomödien eigen ist.


Die Ankündigung eines bevorstehenden Besuches des US-Präsidenten Bill Clinton versetzt die kleine Gemeinde Tesanj in Euphorie. Schon sieht man sich im Rampenlicht der internationalen Gemeinschaft, erwartet ausländischen Kapitalsegen und erhofft sich wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand. Hat der US-Präsident nicht akzeptiert, Pate diese Fleckchens zu werden?

Doch um den Traum wahr werden zu lassen, muss Tesanj sich seiner Schattenseiten entledigen. Unter der Aufsicht und mit der Hilfe internationaler Beobachter beginnt das Städtchen einen Wettlauf mit der Zeit.

„Die irrwitzige Komödie aus Bosnien“
 


Mittwoch, 30.6.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 1.7.04 - 19.30 Uhr
STRUGGLE

Regie: Ruth Mader,
A 2003,
35mm blowup, 74 Min, Dolby digital  - Kamerapreis Diagonale 2004



35mm blowup, 74 Min, A 2003

Ich schrieb nach der Sichtung des Films:
Der auf Super 16 - also echtem Film - aufgenommene Streifen zeigt mehrere Formen der Armut in Österreich, dabei werden keine Extreme gezeigt, auch keine besonders entwürdigenden Arbeiten, sondern einfach niedrig bezahlte Jobs, wie sie nur die Arbeitsimmigranten aus dem Osten bei uns in Österreich annehmen. Es beginnt mit einem Bus voller Polen, die zur Erdbeerernte im Akkord zu uns kommen, die erhofften 50€ pro Tag sind nicht zu erreichen, weil es immer wieder stark regnet. Ewa und ihre Tochter verlassen die Gruppe vor der Grenze und begeben sich auf den Arbeitsstrich; sie jobt in einer Putenfabrik, putzt den Reichen den Swimming Pool oder bei einem Souvernirhändler.
Nun folgt ein Bruch: die nächste Person ist ein geschiedener Immobilienhändler, der emotional verarmt ist und auch zu seiner Tochter nicht mehr wirklich guten Kontakt hat, er begibt sich in die SM- und Swingerszene, wo er letztlich auf Ewa trifft.

In dichten, dokumentarisch exakten Bildern wird eine triste Realität aus unserem "reichen" Land gezeigt, eine Form der Ost-West Annäherung.
Wieweit die beiden Bereiche in einen Film gehören, ist fraglich und regt zu kontroversen Diskussionen an. Die gute Kameraarbeit ist aber unbestritten.

*** sehenswert (erhielt den Preis für die beste Kamera)



Ruth Maders "Struggle" in Turin ausgezeichnet (Standard, 29.3.04)
Sieger beim "Food in Film Festival" - "Regisseurin zeigt die Kompromisse und die Ausbeutung auf, die hinter unserem Lebensmittelsystem steht".
Rom - Die junge österreichische Regisseurin Ruth Mader hat am Wochenende für ihren Film "Struggle" den ersten Preis beim "Food in Film Festival" in Turin gewonnen. Im Mittelpunkt des Festivals stehen Filme, die um das Thema Nahrung und Kampf um die Existenzversorgung kreisen. "Wir haben Maders Film nicht nur wegen seiner beachtenswerten künstlerischen Eigenschaften, sondern auch wegen der Art gekürt, in dem das Problem der Nahrung in der modernen Gesellschaft in den Vordergrund gestellt wird", sagte der Präsident der Jury Alberto Barbera.

Links:
http://www.struggle.at/


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Juli 2004