Programm des FKC im Juni 2003

1. Film   2. Film   Generalversammlung


Mittwoch, 4.6. -  21.30 Uhr -  und Donnerstag 5.6.  2003 - 19.30 Uhr:

THE PIANIST

(Der Pianist, Deutschland, Polen, Frankreich 2002 - OmU*)
Darsteller: Adrien Brody, Thomas Kretschmann
Regie: Roman Polanski

http://www.thepianist-themovie.com/pianistel.html
*OmU heisst hier: "der film ist im original in englisch gedreht, die nazis sprechen deutsch und zwischendurch ist auch noch ein bißchen polnisch mit dabei".
Lt. Anfrage bei Tobis Film Berlin
www.derpianst-derfilm.de
www.tobis.de

Der begnadete jüdische Pianist Wladiyslaw Szpilman (Adrien Brody) sitzt gerade bei Radioaufzeichnungen, als deutsche Truppen 1939 in Warschau einmarschieren. Nur wenige Wochen später wird er gemeinsam mit seiner Familie und allen anderen Juden der Stadt in einen abgetrennten Bezirk gesperrt. Dort bekommen sie den perfiden Antisemitismus der deutschen Soldaten tödlich zu spüren. Aber auch von jüdischen Polizisten, die sich dadurch die Gunst der Nazis erhoffen, werden sie gepeinigt. Während der Rest seiner Familie in ein Konzentrationslager abtransportiert wird, gelingt Szpilman mit Hilfe des Untergrunds die Flucht aus dem Ghetto. Doch sein erbitterter Überlebenskampf fängt damit erst an...

"Das wunderbare Überleben" lautet der Titel der Autobiografie, auf der "Der Pianist" beruht. Mit erstaunlicher Distanz schilderte Wladiyslaw Szpilman bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Erlebnisse. Es ist ein Bericht über gute und böse Polen, gute und böse Deutsche und über gute und böse Juden. Ein erschütterndes Zeitdokument und keine Anklage. Auf gleiche Weise verfilmte Roman Polanski die literarische Vorlage. Während sich der Titelheld wahrlich auf wundersame Weise retten kann, wird der Schrecken im Warschauer Ghetto mit an die Nieren gehender, nüchterner Brutalität erzählt. Steven Spielberg gönnte seinem Publikum in "Schindlers Liste" noch kleinere Atempausen, etwa wenn bei einer kaltblütigen Exekution die Waffe versagt, Polanski ist da wesentlich gnadenloser. Außer dem Titelheld wird hier niemand geschont. Doch spurlos gehen die makaberen Ereignisse auch an Szpilman nicht vorüber. Grandios hierbei die Leistung von Adrien Brody, der in der Hauptrolle einen Mann zeigt, der seelisch wie körperlich verfällt. Am Ende ist er nur noch ein ausgemergeltes Skelett, das vom puren Überlebenskampf getrieben wird. Es wird deutlich, dass der gebürtige Pole Polanski, der als Kind das Krakauer Ghetto überlebte und seine Mutter in Auschwitz verlor, sein ganzes Herzblut in diesen von Besetzung bis Ausstattung höchst beeindruckenden Film investierte. Wladiyslaw Szpilman starb am 6. Juli 2000 im Alter von 88 Jahren in Warschau. Seine filmische Biografie wurde 2002 in Cannes mit der Goldenen Palme prämiert. Oliver Zimmerman (film.de)


film-dienst 22/2002: Das Schicksal des polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der sich nach der Auflösung des Warschauer Ghetto monatelang in menschenleeren Ruinen versteckte und von einem deutschen Wehrmachtsoffizier vor dem Hungertod bewahrt wurde. Die authentische Geschichte dient Regisseur Roman Polanski auch zur Bewältigung seiner eigenen Vergangenheit, wobei seine um Wirklichkeitsnähe bemühte Inszenierung gerade dadurch nicht den zu Stereotypen erstarrten Bildern des Holocausts entgeht.


Kino-Kino (BR): Diesen Pianisten gab es wirklich. Er hieß Wladyslaw Szpilman. Er war im Warschau vor dem Zweiten Weltkrieg einer der berühmtesten polnischen Chopin-Interpreten. Und er war Jude. Er überlebte den Holocaust, versteckt in Warschau, zum Schluß mit Hilfe eines deutschen Offiziers. Es beginnt 1939. Hitlers Armee ist in Polen einfallen. Der Pianist Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) lebt mit seinen Eltern und Geschwistern im Zentrum von Warschau. Sie sind eine bürgerliche, hoch kultivierte Familie, und anfangs glauben sie, ihr Leben relativ würdig und ungestört weiterführen zu können. Doch nach Polens Kapitulation beginnen die Repressalien der deutschen Besatzer gegen die jüdische Bevölkerung. Der Besitz wird konfisziert, der Davidstern muss getragen wird, dann kommt die Gettoisierung, dann die Ermordung.
Polanskis Film beginnt wie eine der schon oft erzählten Geschichten über die unfassbar schnelle Zerstörung jüdischen Lebens in Polen. Über die brutalen Übergriffe der Deutschen, die stillschweigende Kooperation der Polen - was Polens Rezenten des Films schon heftig verärgerte - über das hemmungslose Morden. Doch auf besondere Weise erschütternd wird Polanskis Film, wenn die einsame Odyssee des Pianisten Szpilman durch das völlig zerbombte Warschau beginnt, wenn er sich von Versteck zu Versteck rettet, anfangs mit Helfern aus dem polnischen Untergrund, am Ende allein, fast verhungert.
Er wird zum Gespenst in einer gespenstischen Ruinenlandschaft, findet seine letzte Zuflucht ausgerechnet in einer Villa, die Hauptquartier deutscher Militärs ist. Ein deutscher Offizier (Thomas Kretschmann) wird ihn dort auf dem Dachboden entdecken, ihn nach seiner Identität fragen, ihn auffordern, ihm etwas auf dem Klavier vorzuspielen, und er wird ihn retten. Er bringt ihm heimlich etwas zu essen, einen Mantel. Er sagt Szpilman, dass der Krieg bald für die Deutschen verloren sein wird.
Das Treffen zwischen Szpilman und dem Deutschen ist das erschütternde Herz des Films. Es ist die einzige Szene, in der ausschließlich Deutsch gesprochen wird, sonst sprechen alle, Polen wie Deutsche, Englisch in Polanskis Film. Es ist, als wolle Polanski in diesem Moment, in dem die Kunst über die Unmenschlichkeit siegt, auch die deutsche Sprache retten vor der Barbarei.
"Der Pianist" ist schon jetzt ein Klassiker über den Holocaust. Auch dank des begnadeten Hauptdarstellers Adrien Brody, der sich, bis zum Skelett abgemagert, auf erschütternde Weise in einen Menschen verwandelt, der zum Schluss nur noch wie ein gehetztes Tier durch die zertrümmerte Stadt irrt. Der Darstellerpreis in Cannes hätte ihm, neben der "Goldenen Palme" für Polanski, eigentlich auch gebührt.
Dafür hat Adrien Brody nun einen weit wichtigeren Preis gewonnen: den Oscar als "Bester Hauptdarsteller". Weitere Oscars für "Der Pianist" gingen bei den 75. Academy Awards an Roman Polanski als "Bester Regisseur" und Ronald Harwood für das "Beste adaptierte Drehbuch".
Angelika Wittlich  (br-online)


Generalversammlung des FKC Dornbirn:
Am Dienstag, 24.6.2003
findet um 18.30 Uhr im Blauen Salon (bei Schönwetter in der Pergola) des Hauses Edlach 4, Dornbirn, die 23. ordentl. Generalversammlung des FKC statt.
Wir laden dazu alle stimmberechtigten (= im Jahre 2002 oder 2003 den vollen Beitrag bezahlt) Vereinsfrauen und Mitglieder des FKC herzlich ein.
Schriftliche Einladung ergeht an alle Mitglieder.


Mittwoch, 25.6. (21.30 Uhr ) und Donnerstag 26.6.  2003 (19.30 Uhr):
Achtung ! Tippfehler im Datum nun korrigiert - nur diese Daten sind richtig!

LAMPEDUSA (Respiro)
Italien / Frankreich 2002 , 90 Min, leider ist nur die deutsche Synchronfassung heute  verfügbar !
Regie: Emanuele Crialese
Darsteller: Valeria Golino, Vincenzo Amato, Francesco Casisa, Veronica d‘Agostino, Filippo Pucillo, Emma Loffredo u.a.
 


Mit ihrer etwas übertriebenen Impulsivität bringt eine junge Frau (Valeria Golino) die Dorfgemeinschaft der kleinen Insel Lampedusa gegen sich auf. Diese mediterrane Legende um Liebe und Toleranz hat Regisseur Crialese im Stile des Neorealismus mit grandiosen Bildern verfilmt..

Sie heißt Grazia und ist wie das Meer: abgründig, voller Höhen und Tiefen, einmal sanft, ein Wärmestrom der Zärtlichkeit, dann wieder aggressiv, stürmisch, wild. In jedem Fall zu unberechenbar, zu kompliziert für die Bewohner von Lampedusa, einer Insel im Süden Siziliens, wo man sich eben so durchs Leben schlägt. Die Männer fahren zur See, die Frauen arbeiten in der Fischfabrik. Droben auf den Klippen erproben sich die Jungen in Revierkämpfen oder bei der Vogeljagd. Und abends geht es dann, fein geschniegelt und gebügelt, in die Via Roma zum Flanieren, zum alten Spiel zwischen ragazzi und ragazze. Eigentlich wäre alles in Ordnung, wäre da nicht diese Grazia, Mutter eines pubertierenden Mädchens und von zwei aufmüpfigen Buben. Der Dorfgemeinschaft sind die sinnliche Unbefangenheit der jungen Frau und ihre wechselhaften Launen ein ständiger, irritierender Dorn im Auge. Die meisten halten Grazia schlicht und einfach für verrückt. Pietro, ihr Ehemann, fühlt sich mehr und mehr unter Druck gesetzt, bis er schließlich einverstanden ist, seine Frau zu einer Behandlung nach Mailand zu schicken. Aber Grazia läuft davon. Und Pasquale, ihr 13jähriger Sohn, wird – allein gegen alle – Mittel und Wege finden, seine über alles geliebte Mutter zu beschützen

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LAMPEDUSA, angesiedelt auf der Insel gleichen Namens, dem südlichsten Punkt Europas, erzählt mit der Vitalität und der Leichtigkeit eines Märchens. Feinfühlig, verführerisch sinnlich, aber auch in unbeschönigender Härte beschreibt Emanuele Crialese das Leben in einem Fischerdorf und die Seelenlandschaften einer Frau, die sich den Spielregeln dieser isolierten Gemeinschaft nicht fügen will.
Emanuele Crialese: „Eine der Legenden der Insel hat mich zu dem Film inspiriert. Die Geschichte dieser jungen Mutter, auf die die Dorfbewohner nur herunter schauen. Sie dachten, sie wäre verrückt, denn sie bewegte sich ein wenig außerhalb der strengen Regeln und Normen der kleinen Gesellschaft, in der sie lebte. Eines Tages verschwand die Frau – zurück blieben nur ihre Kleider auf dem Strand. Die Zeit verging und so wurde die Frau zur Legende.”
Italien/Frankreich 2002; Regie: Emanuele Crialese; Buch: Emanuele Crialese; Kamera: Fabio Zamarion; Musik: John Surman; DarstellerInnen: Valeria Golino (Grazia), Vincenzo Amato (Pietro), Francesco Casisa (Pasquale), Veronica d’Agostino (Marinella), Filippo Pucillo (Filippo) u.a.;
(Quelle: Cinematograph Programm)


Lampedusa ist eine kleine Insel an der Südküste Siziliens. Hier scheint die Zeit stehen geblieben. Der vertrocknete Boden gibt nichts her für Ackerbau und Viehzucht. Der Reichtum des Meeres bestimmt seit jeher den Zeit- und Arbeitsrhythmus der Insel. Die Männer sind Fischer und die Frauen arbeiten in der Fischfabrik. Für den recht eintönigen Alltag entschädigt das Meer, der blaue Himmel und das gleißende Licht. Unsereins würde sofort an Urlaub denken, aber Lampedusa ist eine arme Insel. Nur selten verirrt sich ein Tourist hierher und so ist die Dorfgemeinschaft als eher konservativ einzuschätzen.
Ein Problem für Grazia, die attraktive Frau von Pietro. Sie ist ihm ein gute Frau und ihrer Tochter und den beiden Söhnen eine liebevolle Mutter, allein sie ist immer etwas zu glücklich, wenn sie gut drauf ist und immer etwas zu traurig, wenn sie niedergeschlagen ist. Manisch-depressiv würde der Mediziner vielleicht diagnostizieren, für die Dorfbevölkerung ist sie schlichtweg verrückt. Ihr ist es längst ein Dorn im Auge, wenn Grazia mal wieder über die Stränge schlägt, wenn sie nackt mit den Kindern Baden geht oder den Männern mit ihrem Gang die Augen verdreht. Doch was Grazia überhaupt nicht ertragen kann, sind Ungerechtigkeiten, gleich welcher Art. Dann regiert sie über, dreht quasi durch und Pietro hat alle Mühe seine Frau zu bändigen.
Als sie in einem solchen Anfall von Wahnsinn die streunenden Hunde aus dem Tierheim befreit, ist das Maß voll. Die Dorfgemeinschaft verlangt, dass sie ins Spital nach Mailand geht und während Pietro sich dem Willen der Nachbarn zu beugen scheint, inszeniert sein Sohn eine grandiose Rettungsaktion für die Mutter.
Die Geschichte ähnelt einer Legende, die es über die Insel Lampedusa tatsächlich gibt und dieses Sagenhafte, etwas Mythische wollte Regisseur Crialese unbedingt erhalten. Mit Valeria Golino ist ihm da ein echter Glücksgriff gelungen. Sie spielt die Rolle der für diese Insel etwas zu impulsiven Grazia derart lebendig und emotional, dass sie dieser Legende eine neorealistische Authentizität verleiht. Auch die Entscheidung den Bildern zu vertrauen, die Insel Insel sein zu lassen und die Dorfbevölkerung in den Film mit einzubauen, ihre Körpersprache von ihrem Charakter und ihrer Mentalität erzählen zu lassen, das alles macht Lampedusa zu einem Glücksfall des italienischen Kinos. Ein Film der verzaubert, die Sinne erweckt und einlädt zum Schwelgen in einer romantischen Tragödie mit mythischem Ausgang.
Kalle Somnitz (programmkino.de)


"Respiro ich atme." Am elementarsten ist der Sinn dieser Worte - der Ausdruck ruhigsten, intensivsten, tiefsten Lebens im Einklang mit sich selbst - zu spüren, wenn die Darsteller gerade nicht atmen. Wenn sie sich in die Tiefen des Meeres stürzen und eins werden mit der Natur. Dann ahnt man, was es heißt zu leben. Ganz ursprünglich, ganz archaisch - im neutralen Sinn.

rchaisch ist vieles in Respiro, Emanuele Crialeses zweitem Spielfilm. Den ersten, Once we were strangers, hat er in den USA gedreht. Respiro spielt auf der Insel Lampedusa, von der viele sagen, es wäre die wohl afrikanischste Europas. Lampedusa liegt vor Sizilien, ist karg und vom Meer mit seinen Felsküsten beherrscht. Es ist heiß, und die Menschen dort sprechen einen Dialekt, der manchmal eher an Portugiesisch erinnert als an Italienisch. Das Leben hat sich im Lauf de Zeit nur unwesentlich verändert. Es ist so, wie Crialese es uns zeigt. Zumindest müssen wir ihm das glauben, sagt er doch in einem Interview, dass er ganz ohne kreative Absicht auf diese Insel gekommen ist, sich jedoch von ihrem Charakter so hat fesseln lassen, dass er davon erzählen wollte. Ohnehin hatte er die Absicht, sich in seiner nächsten Produktion auf seine italienischen Wurzel zu besinnen - auch wenn er nicht direkt an eine Inselgeschichte gedacht hatte.
Doch dann sah er die Kinder. Sie sind noch richtig frei, gehen rau miteinander um und gehören auf diese Insel wie der Fisch ins Wasser. Crialese wußte, diese Kinder werden seinen nächsten Film prägen. Dann gibt es da noch diese Legende, die auf einer wahren Begebenheit beruht und von einer jungen Mutter erzählt, die irgendwie anders war und deshalb von den anderen angefeindet wurde. Man wollte "die Verrückte"  weit wegschicken, zur Behandlung. Doch ehe dies geschehen konnte, verschwand die Unglückliche spurlos. Man glaubte an Selbstmord und schämte sich, bis sie eines Tages wieder auftauchte und in die Gemeinschaft aufgenommen wurde.
Die Kinder mit ihrer Lebensfreude, ihren brutalen Bandenritualen und ihren kleinen und großen Nöten sowie die Legende bilden das Gerüst für Crialeses eindringliche und stimmungsvolle Geschichte. Eine Geschichte, die einen in eine fast verlorene Welt - die der Kindheit, soweit Kindheit universell ist, und die der Ursprünglichkeit des Lebens - fortträgt. Eine Welt, in der der Mensch ohne Natur nicht sein kann. Und nicht existieren kann - auf Lampedusa lebt man vom Fisch, den die Männer fangen und die Frauen in der Fabrik verarbeiten.
Crialeses Film besticht vor allem durch Authentizität. Man hat tatsächlich das Gefühl, man wäre Zaungast und würde der Insel beim Alltag zusehen. Zu verdanken hat man das den wunderbaren Schauspielern, allen voran Valeria Golino in der Rolle der Grazia. Der Name ist Programm. Grazia ist zierlich und doch voll Frau, ist behende und leicht wie eine Feder und dennoch voller Energie, ist naiv und unbeschwert und besteht  trotzdem ihren Alltag ein bisschen anders zwar, aber doch. Bis auf jene Momente, in denen es aus ihr herausbricht. In denen sie nicht nur traurig, sondern einfach zu traurig, in denen sie nicht nur froh, sondern einfach zu froh ist. Valeria Golino, die man sehr bald wieder in Julie Taymors Frida sehen wird können, spielt Grazia mit einer luziden Intensität und liefert sich dem Publikum voll aus.
Doch ohne die Kinder würde der Film nicht einmal halb so beeindrucken. Vor allem Filippo Pucillo als jüngerer Sohn Filippo beeindruckt in jenen Szenen, in denen er sich zum Beschützer der Frauen seiner Familie aufschwingt. Francesco Acasisa spielt Pasquale, der Grazia von den drei Kindern am vertrautesten ist, mit einer Natürlichkeit, die feinste Nuancen und tiefe Blicke in seine Seele zuläßt.
Crialese hat die meisten Darsteller vor Ort rekrutiert. Lampedusa muss eine Insel von Naturtalenten sein. Kein Wunder - eine solch  aufregende Landschaft muss Kreativität hervorbringen.
Im Vorprogramm zu Respiro läuft der Kurzfilm der Filmemacherin Catherine Richard. Es handelt sich um den Luxemburger Beitrag zum 1997 geschaffenen Kieslowski-Preis, mit dem Kurzfilme von jungen Regisseuren ausgezeichnet werden. Drei Themen standen 2002 zur Auswahl. Willen, Engagement und Würde. Richard hat die Würde gewählt und bringt sie souverän und natürlich auf die Leinwand - nicht zuletzt der schauspielerischen Leistung Marie-Paule von Roesgens wegen, die hier allerdings unter dem Namen Reiser fungiert. Richard erzählt von einer älteren Frau, die von ihrer Enkelin dazu gebracht wird, für Aktaufnahmen zu posieren. Beeindruckend, wie die Heldin der anfänglichen Scham entwächst und zusehends selbstsicher ihren Körper wieder entdeckt und zu lieben lernt.  Jutta Hopfgartner
(www.land.lu)


nächster Monat (Juli 03)

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