Programm
Mai 2006
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Erfolgreiches Französisches Kino
von heute
Donnerstag, 4. Mai, 19 :30 Uhr und Freitag, 5. Mai, 21 :30 Uhr De battre mon coeur s'est arrêté Der wilde Schlag meines Herzens Jacques Audiard, F 2005, 107 Min, frz. OmU Es geht also auch anders herum: Gerade hatte man sich daran gewöhnt, dass Hollywood regelmäßig beim europäischen Kino abkupfert und erfolgreiche Filme einfach noch einmal neu auflegt, um dem heimischen Publikum ja nicht zu viel „Old Europe“ zumuten zu müssen. Nun hat sich der französische Regisseur Jacques Audiard eines alten amerikanischen Films aus dem Jahr 1977 angenommen, James Tobacks Thriller Fingers (Finger – Zärtlich und brutal), bei dem Harvey Keitel einst die Hauptrolle spielte und damit einen der bemerkenswertesten Filme der Berlinale 2005 hingezaubert – De battre mon coeur s'est arrêté. Wie sein Vater ist Tom ein skrupelloser Immobilienhändler, der mit grosser Brutalität gegen Hausbesetzer vorgeht. Sein Job lässt keine Besinnung zu: Naheinstellungen offenbaren seine Nervosität, die sich vor allem in den ruhelosen Fingern äussert. Die Elektromusik, die ihn ständig begleitet, unterstreicht diese Rastlosigkeit noch. Und meistens hält er sich in der Dunkelheit auf. Eines Tages trifft er den ehemaligen Konzertagenten seiner verstorbenen Mutter, der ihn auf sein Klavierspiel anspricht und zu einem Vorspieltermin ermuntert. Plötzlich wird in Tom eine fast vergessene Leidenschaft wieder wach - er beginnt für das Vorspiel zu üben, unterstützt von einer chinesischen Pianistin. Doch es ist nicht einfach, zwei Lebensarten miteinander zu vereinen: Auf der einen Seite stehen die Schlägereien und der schwächer werdende Vater, der ihm Vernachlässigung vorwirft. Auf der anderen Seite wird das Klavierspiel zunehmend zu Toms Lebensinhalt. Erst ein tragisches Ereignis hilft ihm schliesslich, sich aus diesem Zweispalt zu lösen. An Intensität ist der Film kaum zu überbieten, was zu einem grossen Teil an der starken Präsenz Romain Duris’ liegt, der Toms Zerrissenheit mit unglaublicher Kraft darstellt. Die Kameraführung trägt das Ihrige dazu bei: Stets ist die Kamera dicht beim Protagonisten, begleitet ihn, registriert die Umgebung aus seiner Perspektive. Die realistische Ästhetik des Films wird zudem durch die Verwendung der Handkamera und den Verzicht auf künstliche Ausleuchtung verstärkt.
Ausgezeichnet mit 8 "César´s" - dem großen franzöischen Filmpreis Großer Gewinner der Verleihung vom 25.02.06: Der Film "Der wilde Schlag meines Herzens". Das Werk von Jacques Audiard über einen jungen Immobilienmakler, dessen Leben sich durch die Musik komplett verändert, erhielt insgesamt acht der begehrten Auszeichnungen. Das Remake des aus den 70er Jahren stammenden US-Films "Fingers" wurde von der französischen Filmakademie in den Kategorien bester französischer Film, beste Regie, bester Nebendarsteller, beste Nachwuchsdarstellerin, bester Schnitt, beste Kamera, beste Filmmusik und bestes adaptiertes Drehbuch ausgezeichnet. www.debattremoncoeursestarrete-lefilm.com
Donnerstag, 18. Mai, 19 :30 Uhr und Freitag, 19. Mai, 21 :30 Uhr Gabrielle Regie: Patrice Chereau, F/I/D 2005, Cinemascope, 90 Min, frz. OmU
Mit Isabelle Huppert (Gabrielle Hervey), Pascal Greggory (Jean Hervey), Claudia Coli (Yvonne), Thierry Hancisse (Chefredakteur), Chantal Neuwirth (Madeleine)
Das Ende einer Geschäftsreise leitet für einen gut situierten Bürger der Pariser Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch das Ende seiner Ehe ein. Er muss zur Kenntnis nehmen, dass seine Frau ihn schon längst verlassen hat. Der Versuch, den schönen Schein der Ehe wieder herzustellen, ist zum Scheitern verurteilt. Hervorragend gespieltes, artifizielles Ehedrama in eigenwilliger, betont theatralischer Inszenierung, das den Selbstbetrug einer sozialen Schicht entlarvt und den Masochismus einer Gesellschaft aufzeigt, die sich die eigenen Gefühle nicht eingesteht.
Regisseur Chéreau hat sich diesmal die Erzählung „Die Rückkehr“ des klassischen englischsprachigen Autors Joseph Conrad vorgenommen. Das Drehbuch hat er wie auch schon bei „Intimacy“ und „Son Frère“ zusammen mit Anne-Louise Trividic geschrieben. Conrad, dessen bekanntester Roman „Herz der Finsternis“ sein dürfte (an den sich Coppolas Apocalypse Now anlehnt und der sogar in King Kong zitiert wird), schrieb zur Zeit der Jahrhundertwende zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert. „Die Rückkehr“ spielt im Paris des Jahres 1912. Der Film konzentriert sich ganz auf seine beiden Hauptfiguren. Das nach Gabrielles Rückkehr zwischen den Ehepartnern entbrennende mentale und emotionale Duell ist ein Kammerspiel und ist doch keins. Der Begriff Kammer führt hier ohnehin in die Irre. Gabrielle und Jean leben eher in einem kleinen Chateau. Chéreau misst dieses beängstigende Gebäude als Metapher für das Gebäude ihres Lebens mit der Kamera aus. Er lässt sie lange Fahrten um die allwöchentlich stattfindenden Gesellschaften machen, auf denen sich das perfekte und kultivierte Ehepaar seinen Bekannten präsentiert, die ebenfalls die Fassaden ihrer angesehenen Existenzen vor sich her tragen. Er lässt Dienstmädchen in dem Moment auftauchen, wenn einer der beiden einen Raum betritt, auf einen Wink hinter einer Tür verschwinden, auf einen Ruf sofort hinter einer anderen Tür erscheinen. Er zeigt Jean in den Schatten zwischen seiner privaten Skulpturensammlung, als deren krönenden Abschluss er seine Frau Gabrielle begriffen hatte.