Programm
Mai 2005
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Seit Jänner 2005 zeigen wir die FKC Filme am Donnerstag, 19.30 Uhr in den Weltlichtspielen und
am Freitag um 21.30 Uhr.
Donnerstag, 12.5. 05 - 19.30 und
Freitag, 13.5.05 - 21.30 Uhr
KITCHEN STORIES
Norwegen 2003 -
Originaltitel: Salmer
fra kjøkkenet - Regie:
Bent Hamer - Darsteller:
Joachim Calmeyer, Tomas Norström, Bjørn Floberg, Reine Brynolfsson, Sverre Anker
Ousdal, Lennart Jahkel, Leif Andrée, Gard Eidswold -
Länge:
95 min.

Schweden in den 50er Jahren. Um genaue Kenntnis über das Küchenverhalten von
Single-Hausmännern zu gewinnen, werden Beobachter in die norwegische Provinz
geschickt. Obwohl soziale Kontakte zwischen den Forschern und den Probanden
verboten sind, kommt es zwischen Folke und dem alten Bauern Isak langsam zu
einer Annäherung. – Eine knochentrockene, skurrile Komödie von Bent Hamer.
Ein fingierter Werbefilm, der die Weiterentwicklung der Haushaltsgeräte in den 50er Jahren verherrlicht, geht nach wenigen Sekunden in Flammen auf. – Bent Hamers Kommentar zum Fortschrittsglauben und den wissenschaftlichen Forschungsmethoden dieser Zeit.
Die Untersuchungen über das Haushaltsverhalten, die damals in Schweden zwecks Optimierung der Anordnung der Küchengeräte durchgeführt wurden, weitet Hamer fiktiv auf norwegische Single-Hausmänner aus. Schon zu den Vorspanntiteln passieren schwedische Forscher in grauen Buckelvolvos mit blassgrünen Wohnwagen im Schlepptau die verschneite Grenze.

Etabliert ist mit dieser Szene die Farbpalette von KITCHEN STORIES, sie wird im Folgenden kaum erweitert: Die 50er Jahre erscheinen als triste Zeit, in der exakte Forschung den Vorrang hatte vor Menschlichkeit und Emotionalität. Die Dominanz von statischen Einstellungen unterstreicht diese Sachlichkeit und Kälte.
Gleichzeitig wird die vordergründig realistische Schilderung aber durch einen ebenso distanzierten wie genauen Blick auf Details ins Skurrile verschoben.
Ausgehend von diesem historischen Kontext engt Hamer die Perspektive ein: Zwei Männer in einer Küche. Der eine beobachtet und dokumentiert von seinem Hochsitz aus alle Bewegungen des anderen, aber jede Kommunikation zwischen Beobachter und Forschungsobjekt ist aus Gründen der Objektivität der Studie strengstens verboten.
Eindrücklich vermitteln Raumaufteilung und Kameraposition sowohl die herrschenden Machtverhältnisse als auch die Distanz, die zwischen diesen einsamen Männern trotz ihrer räumlichen Nähe besteht. Die Observierungssituation im Film findet ihre Entsprechung in Hamers Inszenierung.
Er verzichtet auf jede Dramatisierung und Psychologisierung. Komik entsteht allein aus der knochentrockenen und distanzierten Beobachtung skurriler Situationen und durch den Stoizismus der Darsteller.
Gleichzeitig stellt der norwegische Regisseur aber den kalten wissenschaftlichen Forschungsmethoden, die den Menschen als soziales Wesen verkümmern lassen, die – freilich vorhersehbare – langsame Annäherung der beiden Männer gegenüber: Der Forscher steigt gegen die Vorschriften der Vorgesetzten vom Hochsitz herab und begibt sich auf eine Stufe mit dem Probanden.
KITCHEN STORIES verliert allerdings gerade mit dieser Wendung an Originalität und Dichte. Statt die Skurrilität und den Minimalismus der ersten Hälfte weiter zu pflegen oder sogar zu steigern, schildert Hamer nun warmherzig, aber doch relativ einfallslos die Entwicklung dieser Männerfreundschaft, die gleichwohl einen sympathischen Akt des Widerstands gegen Obrigkeiten darstellt. (Walter Gasperi in "Filmriss")
Donnerstag, 26.5. 05 - 19.30 und
Freitag, 27.5.05 - 21.30 Uhr
In deinen Händen (Forbrydelser)
Dänemark 2003 -
Regie: Annette K. Olesen - Darsteller: Ann Eleonora Jørgensen, Trine Dyrholm,
Nikolaj Kopernikus, Sonja Richter - Länge: 102 min. - ein DOGMA Film

Die junge Pfarrerin
Anna wird kurzfristig als Vertretung in ein Frauengefängnis berufen. Dort macht
sie Erfahrungen mit einer Realität, von der sie bisher wenig wusste:
Florierender Drogenhandel unter den Gefangenen, knallharte Hierarchiestrukturen,
Aufseher, die täglich nicht nur die Gefühle der Insassen, sondern auch ihre
eigenen unter Kontrolle halten müssen. Nur allmählich kann Anna unter diesen
Umständen die Sympathie der Frauen gewinnen.
Als sie überraschend schwanger wird, scheint zumindest ihr privates Glück
perfekt. Sie selbst und ihr Mann hatten die Hoffnung auf ein eigenes Kind schon
fast aufgegeben. Doch dann muss das glückliche Paar bei einer
Routine-Untersuchung erfahren, dass das Baby möglicherweise nicht gesund zur
Welt kommt. Annas Glaube wird auf eine harte Probe gestellt. In ihrer
Verzweiflung und auf der Suche nach Hilfe wendet sie sich schließlich sogar an
Kate, eine Gefangene, der an Wunder grenzende, übersinnliche Kräfte nachgesagt
werden...
Gut, dass es noch Dogma-Filme gibt. Planvoll, bedächtig und in schlichten, mit
ruhiger Hand aufgenommenen Einstellungen erzählt "In deinen Händen" eine
Geschichte von Schuld, Gewissen und Verantwortung. Selten war im Kino eine
ähnlich glänzend gespielte Studie radikaler Umbrüche zu sehen, in der die
Figuren weniger handeln, als dass sie von Ängsten, Ratlosigkeit und Scham
getrieben sich und den Ereignissen hinterherlaufen. Annette K. Olesens
introvertierter Gefängnis-Film verzichtet auf große Gesten und überzeugt im
Kleinen.
Skandinavischen Filmen ging seit jeher der Ruf voraus, experimentierfreudig und
tiefgängig zu sein. Zwar kam nach Ingmar Bergmann lange nichts, dann aber ging
Lars von Tries Stern auf, und ihm folgte die Dogma-Bewegung mit vielen jungen
Talenten. Eines von ihnen ist Annette K. Olesen, die mit dem humorvollen Film
"Kleine Missgeschicke" auf der großen Leinwand debütierte. Auch in ihrem
neuesten Werk "In deinen Händen" bleibt sie, obwohl Lars von Trier das
Dogma-Projekt offiziell für tot erklärt hatte, dessen Schlichtheitsprinzipien
treu. So dreht sie an unverfälschten Originalschauplätzen und reduziert die
technischen Gestaltungsmittel auf ein Mindestmaß, um dem scheuen echten Leben in
seinen nackten Tatsachen ein Stück näher zu kommen.
Die dokumentarische Handkamera begleitet Anna (Ann Elenora Jorgensen) zu ihrem
Bewerbungsgespräch und später auf ihrem Weg in eine Frauenhaftanstalt, wo sie
ihre neue Stelle als Gefängnispfarrerin antritt. In ihrem Kampf um Vertrauen,
Nähe und Respekt gerät sie mit der mysteriösen Insassin Kate aneinander, von der
es heißt, sie habe eine ganz besondere Beziehung zu Gott und könne allein mit
ihren Händen Wunderheilungen vollbringen. Bevor er die beiden Frauen in einem
dramatischen Finale aufeinander treffen lässt, verfolgt der Film zunächst zwei
ganz unterschiedliche Entwicklungen. Zum einen entwickelt sich inmitten der
knallharten Hierarchiestrukturen zwischen Gefängniswärtern und Insassen eine
zärtliche, wenn auch verbotene und deshalb unerfüllte Liebe zwischen Kate und
ihrem Aufseher. Zum anderen erfüllt sich für Anna der längst aufgegebene Traum
einer Schwangerschaft, der aber bald zum Albtraum wird, schließen die Ärzte doch
nicht aus, dass ihr Kind missgebildet zur Welt kommt. Die Lebenslinien der
beiden Protagonistinnen kreuzen sich schließlich, als herauskommt, dass Kate,
die über den Grund ihrer Inhaftierung beharrlich schweigt, ein Geheimnis hütet,
das mit Annas Gewissensnöten vor der Frage, ob sie die Schwangerschaft abbrechen
soll oder nicht, auf eine erschreckende Weise verbunden ist.