Programm Mai 2004
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn
Mittwoch,
12.5.04 - 21.30 Uhr und
Donnerstag, 13.05.04 - 19.30 Uhr
Heimliche Spiele
Choses secretes - der neue erotische Film aus Frankreich
Frankreich 2002, 115 Min.,
frz. OmU,
Regie: Jean-Claude Brisseau

Sandrine arbeitet in einer Bar. Sie ist fasziniert davon, wie
schamlos die Stripperin Nathalie ihre Sexualität öffentlich auslebt. Die beiden
Mädchen freunden sich an und Sandrine begreift, dass sie ihren Körper als
machtvolle Waffe einsetzen kann.
Die zwei Frauen setzten ihre Erotik bewusst und skrupellos ein, um sozial
aufzusteigen. Sie nehmen Stellen in einem großen Bankhaus an, wo sie eine
rasante Karriere machen. Mit schmutzigen Tricks und vorgetäuschten Orgasmen
bringen sie ihre Vorgesetzten unter Kontrolle. Erst als Christophe, Sohn des
Direktors und zukünftiger Chef, auf der Bildfläche erscheint, wird ihr Spiel
gefährlich. Denn Christophe akzeptiert nur seine eigenen Regeln.

Die einflussreichen Cahiers du Cinema erkoren die erotische Fabel um Sex und
Macht zu einem der zehn besten Filme des Jahres 2002.
Gespräch mit Jean-Claude Brisseau
(Auszug)
Woher stammt die Idee zu diesem Film und wie erklärt sich sein Titel?
Der Film folgt einem sehr ähnlichen Prinzip wie einige meiner anderen Filme. Die
meisten von ihnen sind im Grunde Fragestellungen über den Sinn des Lebens und
der Moral, die ich in Bilder und Emotionen umgesetzt habe. Ein Thema, das mich
immer wieder beschäftigt hat, ist das Überschreiten von Gesetzen. Es handelt
sich hierbei um eine Problematik, mit der jeder einmal konfrontiert wird. In
De bruit et de fureur (Lärm und Wut) thematisierte ich Verstöße gegen das
Gesetz im Zusammenhang mit der Kriminalität. In meinem neuen Film Heimliche
Spiele wollte ich diese Thematik nun in Bezug auf die Sexualität behandeln.
Außerdem wollte ich eine atmosphärische Dichte erreichen, die mit dem
Spannungsaufbau eines Hitchcock-Films vergleichbar wäre, allerdings auf die
Sexualität bezogen.

Mittwoch,
26.5.04 - 21.30 Uhr und
Donnerstag, 27.05.04 - 19.30 Uhr
Wolfzeit
Le temps du loup
A/F/D 2003, 113 Minuten, Farbe, Cinemascope/Dolby SRD, französische OmU
Regie: Michael Haneke
Mit: Isabelle Huppert, Anaïs Demoustier, Lucas Biscombe, Hakim
Taleb, Patrice Chéreau, Béatrice Dalle, Olivier Gourmet, Maurice Benichou,
Thierry van Werveke, u. a.

Die Handlung kann überall stattfinden, ein genauer Ort ist
nicht lokalisierbar, ob Gegenwart oder Zukunft ist Interpretationssache. Ein
nicht genau definierbares Desaster hat jegliche staatliche Ordnung zum Erliegen
gebracht, neue Hierarchien entstehen, neue Machtverhältnisse und Abhängigkeiten.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem menschlichen Verhalten in
Ausnahmesituationen, wie reagiert das Individuum, wenn die Tünche der
Zivilisation wegbricht und es auf sich selbst und seinen Selbsterhaltungstrieb
zurückgeworfen wird?

Ich schrieb nach der Sichtung des Filmes:
Ganz bewusst nennt Haneke nicht die Ursache der
Katastrophe. Fest steht nur, dass kein Strom mehr aus der Steckdose und kein
Wasser mehr aus der Leitung kommt und auch das Grundwasser verseucht ist. Er
macht kein US-Katastrophenfilm mit klarer Ursache und einem Helden, der die Welt
wieder in Ordnung bringt. Ganz im Gegenteil: Haneke zeigt sozusagen in einer
Laborsituation, wie eine Grenzsituation zuerst individuell-familiär gelöst
werden möchte, gescheitert, kommt es zu einer Gruppensituation, die genau so
wenig das Problem zu lösen vermag und letztlich ist es die Notlage einer
riesigen Masse, wo das Gesetz des Stärkeren regiert.
Eine Familie flüchtet aus der Stadt in ihr Ferienhaus auf dem Lande, dort angekommen, ist es von anderen schon besetzt, die den Vater erschießen, das Auto und die Nahrungsreserven rauben und Mutter mit den beiden Kindern vertreiben. Diese suchen Zuflucht in einem Heustadel, der jedoch abbrennt und hoffen an einer Bahnstation auf einen Zug, der sie von der immer schlimmer werdenden Situation befreien möge.
Tauschwirtschaft, Prostitution und Gewalt bestimmen die Lage. Ein Junge will
sich verbrennen, weil ein absurder Heilsprediger dies empfiehlt, ein Mann rettet
und tröstet ihn. Die Schlussszene lässt alles offen - eine Kamerafahrt auf eine
grüne Landschaft aus einem Zug.
**** genialer Film, der erfreulicherweise (nach
Benny ´s Video und Funny Games) nicht noch weiter an der Gewaltschraube dreht,
sondern nur die psychologischen Reaktionen von Menschen in unserer
hochindustrialisierten Gesellschaft im Falle einer Notsituation aufzeigt.

Juni 2004
GORI VATRA - Feuer!
STRUGGLE (Ruth Mader, A 2003) Kamerapreis Diagonale 2004