Programm des FKC im Mai 2003

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Mittwoch, 7.5. -  21.30 Uhr -  und Donnerstag 8.5. 2003  - 19.30 Uhr :

Y TU MAMA TAMBIEN

Mexico 2001 - 105 min. - spanische OmU
Regie: Alfonso Cuarón
Drehbuch:  Alfonso & Carlos cuarón
DarstellerInnen:  Maribel Verdú, Gael Garcia Bernal, Diego Luna, u.a.

105 min. - spanische OmU

Mexikanischer Kultfilm über Jugendliche, die von reifen Frauen "aufgeklärt" werden....
ganz im Stile von "Amores Perros"... die schärfste Teene-Komödie, die es je gab ..
"Y tu Mama tambien" ist nicht nur offener und freizügiger im Umgang mit dem Thema Sex als alle pseudo-aufgeschlossenen "Gross out"-Komödien wie "American Pie" oder "Road Trip", nicht nur ehrlicher und somit auch in gewisser Weise komischer - weil einfach näher am wahren Leben - in der Handhabung
seiner Figuren, sondern schafft es auch mit fast magischer Leichtigkeit, die Art von Erkenntnis über die Teenager-Zeit zu vermitteln, die man sonst nur in Genre-Meisterwerken wie "Stand by me" findet. Nach Jahren von teilweise extrem dümmlichem Teenie-Kino aus Hollywood kommt hier ein engagierter Mexikaner daher und postuliert das vorerst letzte Wort des Spät-90er-John-Hughes-Revival.
Im Mittelpunkt von "Y tu Mama tambien" (übersetzt: "Und deine Mutter auch", und was dieser Titel soll, ist einfach ein zu guter Gag, um hier verraten zu werden) steht die Freundschaft von Tenoch (Diego Luna) und Julio ("Amores Perros"-Veteran Gael Garcia Bernal), der eine Sohn eines hohen Regierungsvertreters mit viel Geld in den Taschen, der andere ein Abkömmling der Arbeiterklasse Mexikos. In den Sommerferien nach ihrem vorletzten Schuljahr verschwinden die Freundinnen der beiden Jungs nach Europa, und Tenoch und Julio langweilen sich in gewohnter Weise. Das beinhaltet den Konsum einer nicht unerheblichen Menge Marihuana, onanieren am Swimmingpool des Country Club an dessen Ruhetag, und eine Vielzahl von Witzen über ficken, furzen und faulenzen. Auf einer Hochzeit lernen die vorlauten Bengel die 28-jährige Luisa (Maribel Verdú) kennen, die mit Tenoch's Cousin liiert ist. Mit ihren großen Klappen erfinden die beiden einen sagenumwobenen Strand und laden Luisa zu einem Trip dorthin ein. Was nur als Jux gemeint war, wird allerdings überraschend in die Tat umgesetzt: Nachdem Luisa erfährt, dass ihr Gatte sie betrügt, nimmt sie das Angebot spontan an und begibt sich mit Julio und Tenoch auf einen Ausflug, dessen Ziel eigentlich keiner so genau kennt.

Dieser Road Trip ist das Herzstück von "Y tu Mama tambien", eine Reise, auf der Julio und Tenoch viel zu lernen haben werden. Über Frauen, über Freundschaft, über die Welt außerhalb ihres Fensters, und auch und vor allem über Sex. Wie die zwei kleinen Machos, die sie sind, versuchen sich Julio und Tenoch mit Offenheit und Prahlerei vor Luisa aufzuspielen, die diese Masche aber von Anfang an durchschaut, elegant mehr Informationen aus den Jungs hinaus kitzelt, als die eigentlich geben wollten, und sich alsbald in der Position befindet, wo nur noch sie neue Erkenntnisse in die Runde werfen kann. Und ihren beiden frühreifen Zuhörern dann nur noch die Kinnlade runterfallen kann. Dass Sex mehr ist als Rammeln in Rekordtempo muss Möchtegern-Casanovas wie Julio und Tenoch erst einmal klar gemacht werden. Und das ist nicht das einzige Gebiet, in dem es ihnen an Luisa's Erfahrung mangelt, und nicht das einzige, in dem sie etwas von ihr lernen werden.
"Y tu Mama tambien" nimmt in Bezug auf Balzen, Bumsen und Blasen kein Blatt vor den Mund und erfreut sein Publikum daher mit dem nötigen Mut zur Ehrlichkeit, den man schlichtweg aufbringen muss, wenn man einen Film macht, in dem sich Teenager wieder finden können sollen. Doch ebenso, wie die thematische Breite des Films weit über das rein Sexuelle hinaus geht, findet sich auch dieser ehrliche Umgang mit der Realität in allen Facetten wieder. Die Vertrautheit in der unangezweifelten Freundschaft zwischen Julio und Tenoch z.B. wird nicht verkrampft durch irgendwelche Beistandsschwure verdeutlicht,
sondern durch grandios banale Alltäglichkeiten. Oder wer würde schon während dem Telefonieren pinkeln gehen, wenn am anderen Ende nicht der beste Freund wäre? Es sind wortlose Details wie diese, mit denen Cuarón kongenial die Beziehungen zwischen seinen Figuren und der Welt, in der sie leben, einfängt. Wenn Tenoch's Mutter über symmetrisch ausgerichtete Gehplatten durch ihren Garten stolziert, ist damit bereits alles gesagt über das verstockt-konservative Umfeld, dem die beiden wie alle normalen Teenager entkommen wollen.
Bei aller universellen Anwendbarkeit der hier festgehaltenen Lektionen übers Jungsein ist "Y tu Mama tambien" aber auch ein spezifisch mexikanischer Film. Immer wieder verstummen die Dialoge und machen Platz für einen außenstehenden und nicht identifizierten Erzähler (vom Effekt her vergleichbar mit "Die fabelhafte Welt der Amelie"), der nicht nur mit eingestreuten Kleinigkeiten wie Antworten auf Psychotests den Charakteren mehr Substanz verleiht, sondern vor allem auch dafür zuständig ist, die Handlung in einen spezifischen Zusammenhang mit der sozialen und politischen Situation Mexikos zu bringen. Hier werden die Widersprüchlichkeiten eines Landes verdeutlicht, in dem eine florierende und pulsierende Metropole wie Mexico City parallel existiert zu einer ländlichen Bevölkerung, die seit Generationen das selbe Dasein führt, ärmlich, aber vor allem unberührt. Auch wenn diese Aspekte für den außenstehenden Zuschauer nicht ganz leicht zu erfassen sind: Sie machen den Film in seiner Gesamtheit reicher und verdeutlichen ein weiteres Mal, wie viel man innerhalb von 100 Minuten sagen kann, wenn man nur weiß, wie man außergewöhnlich gute Filme macht.


Hinweise und Links  in Spanisch


Mittwoch, 21.5. - ca. 21.45 Uhr - und Donnerstag 22.5. 2003 (19.30 Uhr):

ELLING

Peter Naess, Norwegen 2001, 88 Min, norw.OmU

http://www.elling-der-film.de/

Nach dem Tod seiner Mutter wird der unselbstständige und ängstliche Mitvierziger Elling (Per Christian Ellefsen) in die psychiatrische Klinik von Brøynes eingewiesen. Dort teilt er sich das Zimmer mit dem liebenswert-rauhbeinigen Kjell Bjarne (Sven Nordin), den nur zwei Dinge interessieren: Essen und endlich Sex mit einer Frau. Nach zwei Jahren werden die beiden Jungs "ins echte Leben" entlassen. In einer eigenen Wohnung sollen sie mit Hilfe des Sozialarbeiters Frank Åsli (Jørgen Langhelle) die ersten selbstständigen Schritte in Richtung Normalität unternehmen. Das ist gar nicht so einfach, denn schon das Abnehmen eines Telefonhörers oder der Einkauf im Supermarkt ist für Elling und Kjell ein großes Abenteuer. Als plötzlich am Weihnachtsabend eine Frau betrunken vor der Wohnung der beiden liegt, gilt es, die Hemmungen zu überwinden und das Abenteuer Leben frontal anzupacken...

Subtil und mit viel Wärme erzählt der Norweger Peter Naess in "Elling" die einfache Geschichte zweier Sonderlinge, die langsam den Weg ins Leben finden.

 Elling (Per Christian Ellefsen), Mitte vierzig, in höchstem Maße introvertiert und unfähig sein Leben selbst zu organisieren, wird nach dem Tod seiner Mutter in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Dort lernt er den hünenhaften, aber etwas zurückgebliebenen und sich nur nach Essen und Sex sehnenden Kjell Bjarne (Sven Nordin) kennen. Nach zweijährigem Sanatoriumsaufenthalt - und fünf Filmminuten - wird diesem ungleichen Paar, das seine Freundschaft erst entwickeln muss, eine Sozialwohnung in Oslo zugewiesen, in der sie, betreut vom Sozialarbeiter Frank, lernen sollen ihr Leben selbst zu gestalten.
Die Liebe zu seinen Personen und die Zärtlichkeit, mit der sich der norwegische Regisseur Peter Naess diesen nähert, verleiht "Elling" einen Charme und eine Wärme, denen man sich unmöglich entziehen kann. Bewegend und rührend, wunderbar zwischen Komödie und Drama balancierend vollzieht sich die langsame Öffnung Ellings, der zunächst seine Angst vor dem Telefonieren oder vor dem Verlassen der Wohnung überwinden muss. Kaum weniger genau wird aber auch geschildert, wie Kjelle Bjarne langsam Selbstbewusstsein entwickelt. - Gleichwertige Hauptfiguren sind diese beiden Sonderlinge.
Naess kann getrost auf alles Spektakuläre verzichten. Sein Film lebt von der genauen Beobachtung alltäglicher Verrichtungen und der Nähe zu den differenziert gezeichneten und großartig gespielten Figuren. Zu ebenso plausiblen wie spannenden Szenen werden dadurch an sich banale Handlungen wie der für Elling schwierige Gang auf eine öffentliche Toilette.
Doch über diesen überzeugenden und gleichzeitig höchst unterhaltsamen Einblick in das schwierige Leben eines psychisch Kranken hinaus macht "Elling" in seinem grenzenlosen Optimismus und in seinem Glauben an das Gute auch und vor allem Mut. Denn nicht staatliche Sozialhilfe und nicht Medikamente, sondern die gegenseitige Unterstützung der ungleichen Freunde erscheint hier als das beste Heilmittel. - Alles wird zwar gut, doch das Glück ist hier nie ungebrochen, denn die Fragilität des gesundheitlichen Zustands und der Beziehung der Figuren bleibt in diesem herzerwärmenden und zutiefst menschlichen Film immer spürbar.  (Walter Gasperi)


Solothurner Auswahlschau (mehr Infos hier) 2003 im Kino Madlen, Heerbrugg, CH

am 24. und 26. Mai . Folgende Filme werden gezeigt:
 
 Das Passphoto
 Schenglet
 Der Komplex
 Swapped
 Les Voltigeurs
 Einspruch III
 Exit
Am 26. eventuell in Anwesenheit von RegisseurInnen !
 
 Totale Spieldauer 90Min.

FKC im Juni 2003


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