Programm
Februar 2006
1. Film 2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Es geht weiter - zumindest bis September !!!
Donnerstag, 9.2. 2006 -
19.30 Uhr und
Freitag, 10.2. 2006 - 21. 30 Uhr
Dias de Santiago
Peru 2004, 83 Minuten, span.O.m.U., 16mm Blow-Up auf 35 mm
Regie: Josué Méndez

Santiago Roman, ein 23-jähriger Soldat, kehrt nach Lima zurück, nachdem er viele
Jahre mit Kämpfen gegen Ecuador und in seinem Land mit der Bekämpfung von Terror
und Drogenhandel verbracht hat. Er verkörpert eine verlorene Generation, die den
Preis für die Unverantwortlichkeit der Regierung zahlen muss. Von seinen
Kriegserinnerungen gequält, führt er einen neuen Kampf, in dem es darum geht,
seinen Platz im Zivilleben
und in einem zugleich feindlichen und gleichgültigen
Lima zu finden.
Eine Reise durch die komplexen und düsteren Mäander des Krieges mit seinem
teuflischen Kreislauf der Gewalt, der kein Ende zu nehmen scheint. Indem der
Regisseur zwischen schwarzweißen und farbigen Szenen wechselt, gelingt es ihm,
den Realismus des Films und seine von Verzweiflung und Frustration geprägte
Stimmung weiter zu verstärken und ein ungeschminktes Bild vom Leben in Lima zu
entwerfen. Santiagos Verwirrung und die Weise, in der sein heutiges Leben durch
die Ausbildung in der Armee bedingt ist, wird uns anschaulich vor Augen geführt:
Er ist unfähig, ins Zivilleben zurückzukehren. Der Film über seine Verbitterung,
Frustration und seelischen Nöte ist jedoch zugleich eine bewegende Hommage an
das Leben.
Ein
Soldat quittiert seinen Dienst, findet sich aber im Zivilleben nicht mehr
zurecht. – Durch den Einsatz der Handkamera, den Wechsel von Farbe und
Schwarzweiß, die Direktheit der Inszenierung und die ungeheure physische Präsenz
des Hauptdarstellers atemberaubend intensives Psychogramm, das Erinnerungen an
Martin Scorseses legendären „Taxi-Driver“ weckt.

Der in Fribourg
mehrfach ausgezeichnete Film ist eine bedrückende Mileaustudie von Lima / Peru.
Santiago diente als junger Mann im Kampf gegen die Guerilla und Ecuador, er
quittiert seinen Dienst und ist freilich unfähig im zivilen Leben, er will das
Leben strikt nach Stundenplan ordnen, was im Chaos unmöglich ist, er ist auch
unfähig zu Beziehungen zu Frauen, egal ob für eine Nacht oder auf Dauer, seine
Familie ist krankmachend, der Vater missbraucht die Tochter, auch er schlägt
seine Frau und wird gedemütigt, weil er nicht einmal einen Kredit für einen
Kühlschrank bekommt.
Stilistisch
wechselt der Film von warmen Farben in grobkörniges Schwarzweiss und manche
Szenen sind im kühlen Blau, dokumentarisch präzise wird das Elend in den
Vororten Limas und die Aussichtslosigkeit für den jungen arbeitslosen Mann
gezeigt.
"Dias de Santiago" gewann fast alle Preise beim Festival von Fribourg 2004. (s.
Bericht)
Eine weitere FKC-Kritik / Festivalbericht Innsbruck findet sich
hier .
Donnerstag, 23. 2. 2006 - 19.30 Uhr und
Freitag, 24.2. 2006 - 21. 30 Uhr
Yasmin
GB / D 2004, 87 Minuten, engl. O.m.U.
Regie: Kenny Glenaan

Die Auswirkungen des 11. September auf den Alltag einer pakistanischen Immigrantin in England. – Durch die Nähe zur einfühlsam geschilderten Hauptfigur gewinnt Kenny Glenaans differenzierte, in das soziokulturelle Umfeld hervorragend eingebettete Gegenüberstellung westlicher und islamischer Denkmuster bewegende Kraft.

YASMIN, eine pakistanische Immigrantin der zweiten
Generation, lebt in der Spannung zwischen ihrer Lebenlust und den Forderungen
ihrer Familie, der die Mutter fehlt. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin mit
behinderten Kindern in Nordengland und wird von ihren Kollegen sehr geschätzt.
Yasmins Vater ist frommer Muslim und Wächter der ansässigen Moschee, während ihr
Bruder sich lieber als Kleindealer betätigt.
Die Anti-Terrormaßnahmen der Polizei nach dem Anschlag der Al-Qaeda auf das
politische und ökonomische Zentrum des Westens im Jahr 2001 radikalisiert die
jungen Muslime. Die Ereignisse verändern auch die Haltung von Yasmins Freunden
und Arbeitskollegen, die sich von ihr distanzieren. Der Blick von außen macht
Yasmin zur Muslima.
Obwohl der Film in der britischen Gesellschaft spielt, setzt er sich mit einem
Thema auseinander, das alle Welt beschäftigt. YASMIN sucht mutig einen Weg, sich
selbst treu zu bleiben - sowohl in der Gemeinschaft der pakistanischen
Immigranten, als auch in der westlichen Mehrheitsgesellschaft. Sie verkörpert
die Erfahrung vieler Muslime, die nach dem 11. September den Anstoß zu einer
Versöhnung mit ihrer kulturellen Erbschaft und ihrem Glauben erlebt haben. Der
Konfrontation zwischen westlich-säkularer Kultur und radikalen islamischen Ideen
stellt der Film die Suche nach Alternativen und persönlicher Identität entgegen.
(Text: polyfilm)