Das Team des FKC wünscht allen
BesucherInnen der Homepage
ein erfolgreiches Jahr 2004 !
Programm Jänner 2004
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn

„Ein Schmetterling
schlägt mit seinen Flügeln – und löst, gemäß dem chaostheoretischen Diktum von
Edward Lorenz, über dem Golf von Mexiko einen Tornado aus. Ein Flugzeug stürzt
ab, Trümmer treiben im Meer; dazwischen, auf einem Rettungsboot, unter Schock,
mit Blut verschmiertem Gesicht, die einzige Überlebende: Manu, eine
österreichische Supermarktverkäuferin. Sechs Jahre später bleibt ein zweites
Wunder aus. Auf dem Heimweg von der Disco schlittert Manu auf eisiger Straße ein
Fahrzeug entgegen. Ein Krachen, alles wird schwarz. Ein Kreislauf nimmt seinen
Anfang: Schuld und Vergebung, Ursache und Wirkung, Zufall und Absicht beginnen
auf unüberschaubare Weise ineinander zu greifen, ziehen ein großes, breit
gestreutes Arsenal von Figuren in ihren Bann.”
(„Die Presse“, Christoph Huber)
Schicksal oder Schmetterlingseffekt – Bestimmung oder Chaos? Vorerst sind es gar
nicht diese grundlegenden Fragen, die Barbara Albert in ihrem zweiten Spielfilm
interessieren. Sie lässt vielmehr mit Hilfe ihres spektakulären Filmbeginns in
einer äußerst komplexen Erzählung – ohne einer bestimmten Handlung zu folgen –
das Bild einer Gesellschaftsschicht an der Peripherie der Stadt entstehen und
zeigt deren alltägliche Suche nach Glück inmitten der Heilsversprechungen einer
urbanen Existenz.
Ihrem bereits aus NORDRAND bekannten Sozialrealismus stellt Albert in BÖSE
ZELLEN eine metaphysische Dimension gegenüber, die auch in verschiedenen
Kameraeinstellung deutlich wird. So entfaltet sich in knappen, pointierten
Szenen ein wucherndes Panorama von Bedürfnissen, denen die Konsumgesellschaft
mit Shopping-Malls, Fast-Food-Resaturants, Massen-Discos und TV-Talks nur
unzureichende Ersatzbefriedigungen entgegenhält. Dabei schwebt ständig eine
quälende Unsicherheit über den Schicksalen der Figuren und treibt sie ins
Ungewisse. Die Kamera blickt immer wieder von oben auf die durchs Schicksal
taumelnden Menschen, von denen jede/r sein Kreuz zu tragen, sein eigenes Trauma
zu bewältigen hat.
„Musikalisch strukturiert, komplex komponiert, enorm physisch gespielt, extrem
dicht geschnitten durchmisst BÖSE ZELLEN in virtuos arrangierten Fahrten vier
Jahreszeiten lang den emotionalen Aufruhr und die (oft stille) Verzweiflung im
Leben der Protagonisten. (...) Mit ihrem zweiten Spielfilm legt Barbara Albert
eine in jeder Hinsicht gewaltige, zutiefst filmische Meditation über Sinnsuche
vor, ohne jemals ins Floskelhafte abzugleiten.” (Christoph Huber)
Barbara Albert: „Konsumverhalten und Kapitalismus, genauso wie der Versuch,
immaterielle Sehnsucht durch kaufbare Objekte zu erfüllen, hatten großen
Einfluss auf die Wahl der Drehorte (Fast-Food-Restaurants, Fußgängerzonen,
Supermärkte, Einkaufszentren). Diese Einkaufstempel, von denen wir überall
umgeben sind, zeigen, wie sehr wir uns an jede noch so inhaltsleere Utopie
klammern. Dadurch sind sie auch ziemlich beängstigende Orte. Sie sind auch das
Bild für unseren Glauben an eine Welt des Konsums, wo der Tombolagewinn in einem
Einkaufszentrum mit dem Begriff Glück gleichgesetzt wird.”
Nominiert als Österreichischer Beitrag für den Auslands-Oscar 2004. Ö/D/CH
2003; Regie und Buch: Barbara Albert; Kamera: Martin Gschlacht; Musik: Andreas
Kopriva, Bernhard Weirather; DarstellerInnen: Kathrin Resetarits (Manu), Ursula
Strauss (Andrea), Georg Friedrich (Andreas), Marion Mitterhammer (Gerlinde),
Martin Brambach (Reini), Rupert M. Lehofer (Lukas), Bellinda Akwa Asare
(Sandra), Gabriela Schmoll (Belinda), Christian Ghera (Heinrich), Karl Fischer
(Karl), Désirée Ourada (Patricia), Dominik Hartel (Kai), Nicole Skala (Gabi),
Deborah Ten Brink (Yvonne), Alfred Worel (Josef) u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe;
Dolby SRD; 120min).
Quelle: Cinematograph 12/03
Mittwoch,
21.1. 04 - 21.30 Uhr und
Donnerstag, 22.1.04 - 19.30 Uhr
WHAT TIME IS IT THERE?
Regie: Tsai Ming-liang, Taiwan, F 2001, 116 min, Trigon /Cinematograph

Ich schrieb nach der Sichtung des Films:
Im Prinzip eine gute Idee und ohne unnötige Worte, alles ist rein bildsprachlich
umgesetzt. Ein Uhrenverkäufer stellt in Taiwan alle Uhren auf die Zeit in Paris
um, er träumt von einer Kundin, die gerade in Paris ist. Sein Vater starb
soeben, nachdem er die Uhren verstellt hat, glaubt seine Mutter, dies sei ein
Zeichen des Verstorbenen aus dem Jenseits und begeht immer verrücktere Dinge.
Sie onaniert vor dem Bild des Verblichenen, während ihr Sohn im Auto schläft und
von einer Straßendirne ausgeraubt wird. Zeitgleich wird der Touristin in Paris
bei einem Nickerchen der Koffer gestohlen. Interessante Studie der
unterschiedlichen Kulturen.
NI NEI PIEN CHI TIEN R: Tsai Ming-liang
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Hsiao Kang
verkauft Uhren auf den Straßen von Taipeh, um seinen Lebensunterhalt zu
verdienen. Ein paar Tage nach dem Tod seines Vaters, trifft er eine junge Frau,
Shiang-Chyi, die am nächsten Tag das Land verlassen wird, um nach Paris zu
ziehen. Besorgt über seine Mutter, die ständig für die Wiederkunft des Geistes
ihres verstorbenen Mannes betet, flüchtet sich Hsiao Kang in die Erinnerung an
das kurze Zusammentreffen mit Shiang-Chyi. Um die weite Distanz zu ihr zu
überbrücken, streift er herum, und verstellt alle Uhren Taipehs auf
mitteleuropäische Zeit, wie sie in Paris herrscht. Zwischenzeitlich sieht sich
Shiang-Chyi in Paris mit Ereignissen konfrontiert, die auf eine geheimnisvolle
Weise etwas mit Hsiao Kang zu tun haben.
„Einsamkeit, Glaube, Tod – WHAT TIME IS IT THERE? sucht nach den
Tiefendimensionen im Leben von drei Menschen. Er findet sie dort, wo er den
Darstellern erlaubt, eine Szene auszuspielen. Das Mädchen knabbert an
Zuckerwürfeln, der Junge fürchtet sich vor der Dunkelheit und unter die
Bettdecke, die Mutter masturbiert verzweifelt vor dem Bild ihres Mannes, als
wolle sie seine Wiederauferstehung mit wirklich allen Mitteln heraufbeschwören.
Die Kamera bleibt durchgängig unbewegt. In langen Einstellungen und mit hoher
Tiefenschärfe verdichten sich die Episoden zu einem Netz von milder Kausalität.
Wenn sich der Junge in Taipeh mit französischem Rotwein betrinkt, muss sich das
Mädchen in Paris wegen zu viel Kaffee übergeben. Ob beide das Schicksal in den
Händen hält oder sich einfach nur ein paar Zufälle ereignen, wer könnte das
sagen? Die letzte Sequenz des Films ist in dieser Hinsicht so rätselhaft, dass
sie einen wie verzaubert aus dem Kinosaal geleitet.“
(Johannes Schade, www.filmtext.com)
„Tsai beschränkt die Dialoge auf wenige anrührende Pointen. In Stummfilmmanier,
mit statischen Kameraeinstellungen, wunderschönen Bildkompositionen und fließend
ineinander übergehenden Parallelmontagen schafft er vor allem im Visuellen eine
zärtliche Komik und Melancholie. Paris und Taipeh wirken hier nicht wie
unterschiedliche Städte, die Tausende Kilometer voneinander entfernt sind,
sondern wie sich ergänzende Pole der Innerlichkeit mit identischen Gefühlen der
Einsamkeit, von Verlust, Abschied und Erinnerung. In unserer vor allem durch
Kommunikationsmittel beschleunigten, unpersönlicheren Zeit, in der die Tage und
Nächte immer schneller und flüchtiger zu verstreichen scheinen, ist diese
kunstvolle Tragikomödie ein traumwandlerischer Ruhepol.“
(www.spiegel.de)
Taiwan/Frankreich 2001; Regie: Tsai Ming-liang; Buch: Tsai Ming-liang, Yang
Pi-Ying; Kamera: Benoît Delhomme; DarstellerInnen: Lee Kang-Sheng, Chen
Shiang-Chyi, Lu Yi-Ching, Miao Tien, Jeran-Pierre Leaud u.a.; (35mm; 1:1.85;
Farbe; Dolby SRD; 116min; mandarin-taiwanesisch-englisch-französische
ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
Grand Prix Technique Cannes 2001.
Ein trigon-film im Cinematograph-Filmverleih.