Das Team des FKC wünscht allen BesucherInnen der Homepage
ein erfolgreiches Jahr 2004 !


Programm Jänner 2004

1. Film   2. Film   
Eintrittspreise: Normallänge 7
€ - Weltlichtspiele Dornbirn


Mittwoch, 7.1.04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 8.1.04 - 19.30

BÖSE ZELLEN


Österreich, D, CH 2003; 120 Min.
Regie: Barbara Albert
Mit: Kathrin Resetarits, Ursula Strauss, Georg Friedrich, Marion Mitterhammer, Martin Brambach, Rupert M. Lehofer, Bellinda Akwa-Asare



„Ein Schmetterling schlägt mit seinen Flügeln – und löst, gemäß dem chaostheoretischen Diktum von Edward Lorenz, über dem Golf von Mexiko einen Tornado aus. Ein Flugzeug stürzt ab, Trümmer treiben im Meer; dazwischen, auf einem Rettungsboot, unter Schock, mit Blut verschmiertem Gesicht, die einzige Überlebende: Manu, eine österreichische Supermarktverkäuferin. Sechs Jahre später bleibt ein zweites Wunder aus. Auf dem Heimweg von der Disco schlittert Manu auf eisiger Straße ein Fahrzeug entgegen. Ein Krachen, alles wird schwarz. Ein Kreislauf nimmt seinen Anfang: Schuld und Vergebung, Ursache und Wirkung, Zufall und Absicht beginnen auf unüberschaubare Weise ineinander zu greifen, ziehen ein großes, breit gestreutes Arsenal von Figuren in ihren Bann.”
(„Die Presse“, Christoph Huber)
Schicksal oder Schmetterlingseffekt – Bestimmung oder Chaos? Vorerst sind es gar nicht diese grundlegenden Fragen, die Barbara Albert in ihrem zweiten Spielfilm interessieren. Sie lässt vielmehr mit Hilfe ihres spektakulären Filmbeginns in einer äußerst komplexen Erzählung – ohne einer bestimmten Handlung zu folgen – das Bild einer Gesellschaftsschicht an der Peripherie der Stadt entstehen und zeigt deren alltägliche Suche nach Glück inmitten der Heilsversprechungen einer urbanen Existenz.
Ihrem bereits aus NORDRAND bekannten Sozialrealismus stellt Albert in BÖSE ZELLEN eine metaphysische Dimension gegenüber, die auch in verschiedenen Kameraeinstellung deutlich wird. So entfaltet sich in knappen, pointierten Szenen ein wucherndes Panorama von Bedürfnissen, denen die Konsumgesellschaft mit Shopping-Malls, Fast-Food-Resaturants, Massen-Discos und TV-Talks nur unzureichende Ersatzbefriedigungen entgegenhält. Dabei schwebt ständig eine quälende Unsicherheit über den Schicksalen der Figuren und treibt sie ins Ungewisse. Die Kamera blickt immer wieder von oben auf die durchs Schicksal taumelnden Menschen, von denen jede/r sein Kreuz zu tragen, sein eigenes Trauma zu bewältigen hat.
„Musikalisch strukturiert, komplex komponiert, enorm physisch gespielt, extrem dicht geschnitten durchmisst BÖSE ZELLEN in virtuos arrangierten Fahrten vier Jahreszeiten lang den emotionalen Aufruhr und die (oft stille) Verzweiflung im Leben der Protagonisten. (...) Mit ihrem zweiten Spielfilm legt Barbara Albert eine in jeder Hinsicht gewaltige, zutiefst filmische Meditation über Sinnsuche vor, ohne jemals ins Floskelhafte abzugleiten.” (Christoph Huber)
Barbara Albert: „Konsumverhalten und Kapitalismus, genauso wie der Versuch, immaterielle Sehnsucht durch kaufbare Objekte zu erfüllen, hatten großen Einfluss auf die Wahl der Drehorte (Fast-Food-Restaurants, Fußgängerzonen, Supermärkte, Einkaufszentren). Diese Einkaufstempel, von denen wir überall umgeben sind, zeigen, wie sehr wir uns an jede noch so inhaltsleere Utopie klammern. Dadurch sind sie auch ziemlich beängstigende Orte. Sie sind auch das Bild für unseren Glauben an eine Welt des Konsums, wo der Tombolagewinn in einem Einkaufszentrum mit dem Begriff Glück gleichgesetzt wird.”
Nominiert als Österreichischer Beitrag für den Auslands-Oscar 2004. Ö/D/CH 2003; Regie und Buch: Barbara Albert; Kamera: Martin Gschlacht; Musik: Andreas Kopriva, Bernhard Weirather; DarstellerInnen: Kathrin Resetarits (Manu), Ursula Strauss (Andrea), Georg Friedrich (Andreas), Marion Mitterhammer (Gerlinde), Martin Brambach (Reini), Rupert M. Lehofer (Lukas), Bellinda Akwa Asare (Sandra), Gabriela Schmoll (Belinda), Christian Ghera (Heinrich), Karl Fischer (Karl), Désirée Ourada (Patricia), Dominik Hartel (Kai), Nicole Skala (Gabi), Deborah Ten Brink (Yvonne), Alfred Worel (Josef) u.a.; (35mm; 1:1,85; Farbe; Dolby SRD; 120min).

Quelle: Cinematograph 12/03



Mittwoch, 21.1. 04 - 21.30 Uhr und Donnerstag, 22.1.04 - 19.30 Uhr

WHAT TIME IS IT THERE?

Regie: Tsai Ming-liang, Taiwan, F 2001, 116 min, Trigon /Cinematograph

Ich schrieb nach der Sichtung des Films:

Im Prinzip eine gute Idee und ohne unnötige Worte, alles ist rein bildsprachlich umgesetzt. Ein Uhrenverkäufer stellt in Taiwan alle Uhren auf die Zeit in Paris um, er träumt von einer Kundin, die gerade in Paris ist. Sein Vater starb soeben, nachdem er die Uhren verstellt hat, glaubt seine Mutter, dies sei ein Zeichen des Verstorbenen aus dem Jenseits und begeht immer verrücktere Dinge. Sie onaniert vor dem Bild des Verblichenen, während ihr Sohn im Auto schläft und von einer Straßendirne ausgeraubt wird. Zeitgleich wird der Touristin in Paris bei einem Nickerchen der Koffer gestohlen. Interessante Studie der unterschiedlichen Kulturen.

NI NEI PIEN CHI TIEN R: Tsai Ming-liang


 

Hsiao Kang verkauft Uhren auf den Straßen von Taipeh, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein paar Tage nach dem Tod seines Vaters, trifft er eine junge Frau, Shiang-Chyi, die am nächsten Tag das Land verlassen wird, um nach Paris zu ziehen. Besorgt über seine Mutter, die ständig für die Wiederkunft des Geistes ihres verstorbenen Mannes betet, flüchtet sich Hsiao Kang in die Erinnerung an das kurze Zusammentreffen mit Shiang-Chyi. Um die weite Distanz zu ihr zu überbrücken, streift er herum, und verstellt alle Uhren Taipehs auf mitteleuropäische Zeit, wie sie in Paris herrscht. Zwischenzeitlich sieht sich Shiang-Chyi in Paris mit Ereignissen konfrontiert, die auf eine geheimnisvolle Weise etwas mit Hsiao Kang zu tun haben.
„Einsamkeit, Glaube, Tod – WHAT TIME IS IT THERE? sucht nach den Tiefendimensionen im Leben von drei Menschen. Er findet sie dort, wo er den Darstellern erlaubt, eine Szene auszuspielen. Das Mädchen knabbert an Zuckerwürfeln, der Junge fürchtet sich vor der Dunkelheit und unter die Bettdecke, die Mutter masturbiert verzweifelt vor dem Bild ihres Mannes, als wolle sie seine Wiederauferstehung mit wirklich allen Mitteln heraufbeschwören. Die Kamera bleibt durchgängig unbewegt. In langen Einstellungen und mit hoher Tiefenschärfe verdichten sich die Episoden zu einem Netz von milder Kausalität. Wenn sich der Junge in Taipeh mit französischem Rotwein betrinkt, muss sich das Mädchen in Paris wegen zu viel Kaffee übergeben. Ob beide das Schicksal in den Händen hält oder sich einfach nur ein paar Zufälle ereignen, wer könnte das sagen? Die letzte Sequenz des Films ist in dieser Hinsicht so rätselhaft, dass sie einen wie verzaubert aus dem Kinosaal geleitet.“
(Johannes Schade, www.filmtext.com)
„Tsai beschränkt die Dialoge auf wenige anrührende Pointen. In Stummfilmmanier, mit statischen Kameraeinstellungen, wunderschönen Bildkompositionen und fließend ineinander übergehenden Parallelmontagen schafft er vor allem im Visuellen eine zärtliche Komik und Melancholie. Paris und Taipeh wirken hier nicht wie unterschiedliche Städte, die Tausende Kilometer voneinander entfernt sind, sondern wie sich ergänzende Pole der Innerlichkeit mit identischen Gefühlen der Einsamkeit, von Verlust, Abschied und Erinnerung. In unserer vor allem durch Kommunikationsmittel beschleunigten, unpersönlicheren Zeit, in der die Tage und Nächte immer schneller und flüchtiger zu verstreichen scheinen, ist diese kunstvolle Tragikomödie ein traumwandlerischer Ruhepol.“
(www.spiegel.de)

Taiwan/Frankreich 2001; Regie: Tsai Ming-liang; Buch: Tsai Ming-liang, Yang Pi-Ying; Kamera: Benoît Delhomme; DarstellerInnen: Lee Kang-Sheng, Chen Shiang-Chyi, Lu Yi-Ching, Miao Tien, Jeran-Pierre Leaud u.a.; (35mm; 1:1.85; Farbe; Dolby SRD; 116min; mandarin-taiwanesisch-englisch-französische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
Grand Prix Technique Cannes 2001.
Ein trigon-film im Cinematograph-Filmverleih.


Programm Februar
 

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