Programm des FKC im Jänner 2003

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Mittwoch, 15.1.03 - 21.30 - und Donnerstag, 16.1.03, 19.30 Uhr:

Der Stellvertreter [Amen]

Constantin Costa-Gavras, Frankreich, Deutschland  2002, 130 min, CinemaScope, dolby digital, Deutsche Fassung,
nach dem Roman "der Stellvertreter" von Hochhut.

Die Nazi-Maschinerie. Der diplomatische Apparat von Vatikan und Alliierten. Zwei Männer bekämpfen die Systeme.  Von innen, unter Einsatz des eigenen Lebens. In Deutschland Kurt Gerstein: Obwohl er Offizier der Waffen-SS ist, versucht er, die Alliierten, den Papst und die deutschen Kirchen auf die Verbrechen der Nationalsozialisten aufmerksam zu machen, versucht verzweifelt, sie zum Handeln, zumindest zu einer Stellungnahme zu bewegen.

In Italien ist es der junge Jesuit Riccardo, der die katholische Kirche zur Auflehnung motivieren will. Riccardo ist eine fiktive Figur, die all die Priester mit genug Mut und reinem Gewissen repräsentiert, die gegen die Schlächter ankämpften und dafür nicht selten mit dem Leben bezahlten. Diese zahllosen Priester, manche öffentlich, andere anonym, konnten sich nicht mit dem Schweigen ihrer Hierarchien abfinden. Wann ist der Moment im Leben eines Menschen erreicht, in dem Gemeinwohl und Ethik vor den Selbstschutz gestellt werden? Kurt Gerstein wusste es und wollte es der Welt mitteilen.

Ich schrieb nach der Sichtung des Films: Das Schweigen des Vatikans über den Holocaust wird spannend und imposant inszeniert geschildert. Gerstein. ein Chemiker, der eigentlich eine mobile Wasserreinigungsanlage für die Truppen entwickelt hat, kommt wider rechten Willens zur Waffen-SS; dort wird er Miterfinder des "Zyklon B" Giftgases zur "Reinigung vor Ungeziefer" (er dachte noch an schädliche Insekten, die SS jedoch an Juden, Zigeuner etc.). Eine leicht geistig behinderte Verwandte wird erstes Opfer der Euthanasie und er hellhörig. Als er den Auftrag erhält die Qualität des Produktes so zu verbessern, dann man damit rund 10.000 Subjekte pro Tag/KZ "behandeln" kann, bekommt er Gewissenbisse und bittet die Kirchen um Intervention. Die evangelische Kirche, der er angehört, kollaboriert offen mit Hitler, die katholische (Kirchensteuer-Regelung!) mehr oder minder auch. Doch Ricardo Fontana, ein Jesuitenpater verschafft ihm Zugang zum Vatikan, wo er als Kronzeuge aussagen kann. Vergeblich. Amerikaner und Engländer sind nicht einmal bereit, die Geleise zu den KZ´ zu bombardieren. Erst als die Nazis vor den Augen der Kirche auch aus Rom die Juden in die KZ´glauben sie es wirklich, dabei hatte der Vatikan den Deutschen Gold gegeben, damit wenigstens die zum Katholizismus konvertierten Juden verschont werden mögen, daraufhin heftet sich Pater Ricardo einen Judenstern auf die Soutane …..

(mehr verrate ich hier nicht….)

****1/2  herausragend – absolut ein Meisterwerk! Gesehen und dringend empfohlen von Peter und Norbert
 

 
mehr über Costa-Gavras (berühmt seit "Z", "Missing", "Das Bekenntnis"...) gibts hier

P.S. da der Film in Nazi-Deutschland und z.T. mit deutschen Schauspielern spielt, erschien es uns ausnahmsweise vertretbar, die deutsche Fassung zu zeigen .
der Film hat übrigens schon viel bewirkt: der Vatikan öffnete etwas seine Archive (allerdings nur bis 1938)...
klarerweise schäumt er vor Wut, kann aber inhaltlich nichts dagegen sagen und stößt sich so an den Plakaten...


PS.: der ursprünglich hier angekündigte Film zeigt die Weltlichtspiele im normalen Programm und muss von uns deshalb nicht gezeigt werden!

EINE SCHWALBE MACHT DEN SOMMER
[Une hirondelle a fait le printemps]

Frankreich 2000, Dolby SRD, frz. OmU
Regie: Christian Carion.
Drehbuch: Eric Assous, Christian Carion.
Musik: Philippe Rombi, Antonio Vivaldi, Phil Collins, Jean Sablon, Pink Martini.
Mit: Michel Serrault, Mathilde Seigner, Jean-Paul Roussillon, Frédéric Pierrot, Marc Berman, Françoise Bette, Roland Chalosse, Christophe Rossignon, u. a.

Sandrine (Mathilde Seigner) ist 30, erfolgreich und trotzdem unzufrieden. Genervt von Job, Freund und Großstadt entschließt sie sich aufs Land zu ziehen. Nach einem Schnellkurs in Landwirtschaft kauft sie den Bauernhof des eigensinnigen Adrien. Der alte Bauer will das Feld jedoch im wahrsten Sinne des Wortes nicht räumen. Mit allerlei Tricks versucht er, der Großstadtpflanze das Leben schwer zu machen. Doch Sandrine kämpft unermüdlich um Ihren Traum und die Freundschaft des alten Mannes.
In wunderschönen Bildern und mit ausgezeichneten Charakter-Darstellern erzählt Christian Carion in seinem Film, für den die herrliche Natur der französischen Voralpen die eindrucksvolle Kulisse bildet, von Freundschaft, Freiheit und dem Recht auf Träume.
"EINE SCHWALBE MACHT DEN SOMMER erzählt eine einfache Geschichte in Form einer ländlichen Chronik, offen und bewegend - und getragen von zwei Schauspielern, denen die Rollen auf den Leib geschrieben sind." (Liberation)


Mittwoch, 29.1.2003 - 21.30 Uhr - und Donnerstag 30.1.2003, 19.30 Uhr

DOMESTICAS
(Hausangestellte)
Brasilien 2001
Fernando Meirelles & Nando Olival, Brasil 2001, dolby digital


Die modernen SklavInnen von heute sind die Hausangestellten in Brasilien. Meist sind es die weiblichen "Putzfrauen", aber es gibt auch männliche Vertreter der Spezies: Autoputzer, Hausmeister, Wachpersonal.

Sie sind manchmal die Manager des ganzen Haushalts, kaufen ein, kochen, putzen, waschen, bügeln, aber sie leben auch, sind verheiratet, verwitwet oder single, sind dick oder dünn, schön oder weniger....

Das an sich traurige Thema wird mit echt brasilianischem Schwung und Witz rasant erzählt. Eine besonders Hübsche macht einen Abendkurs für Fotomodell, ihr erster "Auftraggeber" ist aber ein ganz normaler Freier, der nur Sex will. Da er ihr aber letztlich enorme 200$ bezahlte, war es nur halb so schlimm..., eine andere heiratet, aber der Bräutigam bleibt im Lift stecken; das brasilianische Leben, Überfälle auf den Bus, Spiritismus, Horoskope und viel Körperlichkeit.

**** heiter-rasante und innovative "Studie" über die Hausangestellten in Rio und Sao Paulo (War nicht im Wettbewerb)


Gesehen und empfohlen von Norbert


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Programm Februar 2003