Hampstead Park – Aussicht auf Liebe

GB 2017, 103 Min, Cinemascope
Regie: Joel Hopkins, gesehen in DF.

Emily, eine verwitwete Amerikanerin lebt über ihre Verhältnisse in einer noblen Parkgegend bei London. Sie ist arg verschuldet und kann die Instandhaltung ihrer Wohnung nicht bezahlen. Mehr aus Langeweile denn aus Überzeugung trifft sie sich mit ihren versnobbten und neugierigen Nachbarinnen. Eine solche verkuppelt sie mit einem Steuerberater, der ihre Finanzen in Ordnung zu bringen verspricht. Doch der macht sich falsche Hoffnungen, denn eines Tages, als sie mit einem alten Fernglas vom Dachboden auf den Park blickt, beobachtet sie, wie Harry, der in einer Hütte im Park „illegal“ lebt zusammengeschlagen wird und ruft die Rettung. So kommt sie endlich in engeren Kontakt zu dem Kauz, der sich nicht einmal von ihrer Wohltätigkeitsorganisation helfen lassen will. Spätestens als seine Hütte verwüstet wird und er bei ihr einzieht, schweben sie auf Wolke 7. Doch ein Räumungsbescheid macht ihm das Leben schwer, außerdem habe er keine Steuern bezahlt.

Es gelingt Emily und ihrem Anwalt nachzuweisen, dass er seit über 13 Jahren dort lebt und sich das Wohnrecht „ersessen“ hat…
Die Story soll wahr sein! Nun, eine realistische Auseinandersetzung mit dem Thema Obdachlosigkeit darf man sich nicht erwarten, auch kaum eine Romeo-und-Julia Geschichte.
Der Grundgedanke ist nett, hätte aber auch für einen Kurzfilm gereicht. Diane Keaton spielt souverän.

**Doch der Film hat mich in seiner Märchenhaftigkeit kaum berührt, er ist schön fotografiert, aber durch und durch harmlos und echte Probleme werden ausgeklammert.

Das ist unser Land! – Chez nous

Das ist unser Land! – Chez nous

Frankreich/Belgien 2017, 117 min,  franz. O.m.U., Cinemascope
Regie: Lucas Belvaux

Eine Krankenpflegerin kandidiert für Bürgermeisterwahlen auf einer rechtsextremen Liste, wird jedoch bloß von einer skrupellosen Parteichefin für deren Zwecke eingespannt. – „Lucas Belvaux zeichnet das eindrückliche Porträt einer an den Front National angelehnten Partei und legt so die Mechanismen rechtsextremer Politik offen.“ (epd Film)


Der Film startete aktuell zum französischen Wahlkampf, Ähnlichkeiten mit Frau Marine Le Pen dürften nicht ganz zufällig sein.

Pauline ist eine selbständige Krankenpflegerin und überall beliebt. Der Arzt ihrer Mutter überredet sie dazu sich als Bürgermeisterkandidatin einer rechtsextremen lokalen Partei aufstellen zu lassen.
Zufällig verliebt sie sich in einen Schulkollegen, ein mit einschlägigen Symbolen tätowierter paramilitärischer Rechtsextremist, der ihre Kinder zu Kriegsspielen mitnimmt. Der Film zeigt die Methoden der modernen Rechtsextremen auf, ihr geschultes Wording, mit dem sie scheinbar moderat und harmlos die Ängste der Bürger aufzeigen, ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken, ihre Hetze gegen den Islam. Doch auch Pauline ist nur ein Opfer, genauso wie ihr Freund. Sie wird die Marionette des „Blocs“ und kann keine freie Entscheidung mehr treffen. Sie soll sich von ihrem Freund trennen, weil sie sich offiziell von Rechtsextremen distanzieren und sich als weder links noch rechts bezeichnen sollen. Aber auch er wird von jenem Arzt gesteuert. Letztlich kann Pauline die Notbremse ziehen und sieht, wie schnell sie ausgetauscht werden kann, wenn die große Chefin es so will.
Gravierend betroffen sind alle persönlichen Beziehungen, ihr Vater, ein alter Kommunist, bricht mit ihr; viele ihrer alten Freundinnen und Kunden polarisieren sich politisch. Jedes vernünftige Zusammenleben wird vergiftet.

**** Herausragendes Beispiel der Arbeit nationaler Parteien und ihr Einfluss auf das Privatleben. (gesehen von Norbert beim Crossing Europe Filmfestival Linz, 2017)

 

The Promise

The Promise – die Erinnerung bleibt

Regie: Terry George, USA, Spanien 2016, 133 Min, Cinemascope, gesehen in DF

Der von den Türken bis heute geleugnete Genozid an den Armeniern ist Thema des Films, doch wird diese von einer doppelten Dreiecks-Liebesgeschichte überlagert, was viele Kritiker dem Film sehr anlasten und ihn so in die Nähe des Hollywood-Kitsches bringen. Solchen erwartend, war ich persönlich vom Film eher positiv überrascht. Natürlich hat er einen Hauch von „Doktor Schiwago“, wo ebenfalls eine Liebesgeschichte im Kontext der russischen Revolution steht (freilich ohne solche musikalische Ohrwürmer). Überrascht hat mich doch der Mut, wie viele grausame Details des Völkermordes an den Armeniern nach dem Kriegseintritt der Türkei auf Seiten Deutschlands in den Ersten Weltkrieg im Jahre 1914 gezeigt werden, von Zwangsarbeit von Eisenbahnstrecken, Transporte in Viehwaggons bis zum Massenmord von Kindern, Frauen und Männern und vielleicht als aktuelle Zutat, der Verhaftung von kritischen Journalisten.
Natürlich ist die Einführung der Charaktere opulent und etwas lang geraten. Das Leben der Oberschichten in Konstantinopel, als auch noch die reichen Muslims noch gerne Sekt und Absinth tranken und mit schönen Frauen tanzten, wird in goldenen Farben ausgeleuchtet.
Mikael, der Sohn eines armenischen Apothekers aus einem in der Südtürkei gelegenen Dorf ist schon verlobt. Mit der Mitgift fährt er nach Konstantinopel um dort Medizin zu studieren. Rasch verliebt er sich in Ana, eine in Paris aufgewachsene Amerikanerin, die mit dem mutigen AP-Journalisten Chris liiert ist. Auch befreundet sich Mikael an der Uni rasch mit einem türkischen Studenten, der Medizin studiert, um sich vor der Armee zu drücken.
Gleich nach dem Kriegseintritt der Türkei 1914 wird die Lage für die Armenier brenzlig, 1915 beginnt deren Vertreibung. Als offenkundig wird, dass Mikael mit Korruption die Befreiung vom Dienst in der Ottomanischen Armee erreicht hat, wird er gefangen und zum Gleisbau gezwungen. Es gelingt ihm die Flucht, er kehrt in sein Dorf zurück, wird von der Mutter zur Hochzeit mit seiner Verlobten gedrängt und das junge Paar wird in einer Berghütte versteckt. Als sie während der Schwangerschaft erkrankt und zurück ins Dorf muss, wird sie und ihre Familie von den Türken deportiert und ermordet. Eine protestantische Missionsstation unter der Flagge des Roten Kreuzes, von Chris bestens über den Genozid informiert, versucht Fluchtwege zu finden. Letztlich verschanzen sich einige Armenier auf einem Berg und leisten den Türken erbitterten Widerstand, während ein französisches Kriegsschiff zu Hilfe eilt.
Immerhin, es gibt kein Happyend, weder hört das Morden an den Armeniern oder gar der 1. Weltkrieg durch Intervention der Amerikaner oder Franzosen auf, noch finden die Liebespaare ihr Glück. Wortlos überleben zwei heldenhafte Männer, welche dieselbe Frau liebten.

**** durchaus spannende und opulent gefilmte Geschichte vor dem Hintergrund des Genozids an den Armeniern durch das Osmanische Reich in den Jahren 1915 und 1916. Die eingewobene Liebesaffäre ist ein Zugeständnis an den Hollywood-Geschmack, aber nicht kitschig. Ich finde den Film politisch wichtig.

The Party

The Party

GB 2017, 71 Min, Cinemascope, Schwarzweiß. Gesehen in DF.

Regie: Sally Potter

Der Film spielt in einer Wohnung und könnte deshalb genauso gut als Theaterstück aufgeführt werden. Er ist bewusst in Schwarzweiß aufgenommen, das Cinemascope Format wird hier eher zur Darstellung der Enge (wie in „The Hateful 8“) verwendet, teilweise verstärkt eine Handkamera die Nähe zu den Protagonisten.
Die feministische Regisseurin Sally Potter nimmt dabei m.E. mehr die Feministinnen aufs Korn als die „linksliberale“ Gesellschaft. Anfangs sehen wir Bill, einen alten Mann in einer Wohnung. Er legt auf seinem Vinyl-Plattenspieler klassischen Blues (später auch Jazz und kubanische Musik) auf und hat einen Rotwein in der Hand. Er ist sichtlich gesundheitlich angeschlagen.

Alle Gäste, die zur Party eintrudeln haben scheinbar sehr Wichtiges zu verkünden – die Hausherrin Janet verkündet, Gesundheitsministerin im Schattenkabinett geworden zu sein (inzwischen brennen im Backrohr die Speisen an); ihr Mann Bill verkündet todkrank zu sein – er musste freilich einen teuren Privatarzt zu Rate ziehen, da man so schnell beim Kassenarzt keinen Termin bekommt. Die beiden Lesben Martha und Jinny verkünden Drillinge (in vitro fertiliziert) zu bekommen. Der Finanzdienstleister Tom muss mal zuerst Koks schnupfen, ist in teures Tuch gehüllt und bewaffnet. Eigentlich wollte er Bill ermorden, da er dieselbe Freundin fickt wie er, angesichts des baldigen Todes von Bill will er die Waffe aber in der Mülltonne entsorgen, wo sie Janet entdeckt und an sich nimmt. Janets Freundin April ist mit dem deutschen esoterischen Life-Coach Gottfried (dargestellt von Bruno Ganz) gekommen, der gute Ratschläge erteilt, als es zu massiven Handgreiflichkeiten kommt. Nun folgt eine intime Enthüllung der anderen und niemand wird eifersüchtiger, als eine Lesbe, deren Partnerin es doch mal auch mit einem Mann probierte. Und auch Janet ist bisexuell…

Anfangs gingen mir die egoistischen Frauen sehr auf die Nerven und der Film erinnerte mich an Polanskis „Gott des Gemetzels“. Doch ist es hier nicht unbedingt der Alkohol, der die Beziehungen zerstört, sondern die Entlarvung der Scheinheiligkeit in diesen Kreisen.

*** reines Kammerspiel ohne besondere visuelle Opulenz, jedoch gewisse lesbisch-feministische Kreise in ihren Widersprüchen schonungslos entlarvend, was durch eine Regisseurin besonders   glaubhaft ist.

Planet der Affen: Survival

Planet der Affen: Survival 3D

Regie: Matt Reeves, USA 2017, 140 Min
Es ist nun schon fast 50 Jahre her, als der erste Film der „Planet der Affen“ – Serie erschien.
Der neue Film ist wahlweise in 2D und 3D zu sehen, wobei die 3D-Effekte gut und nicht übertrieben sind, leider leidet die Bildqualität in Sachen Helligkeit und Kontrast etwas darunter (künftig soll Laser-Technik dieses Manko beseitigen).

Survival ist durchgehend spannend und wie viele US-Blockbuster in eine seltsam religiöse Sauce getaucht. Dies brachte den Film auch auf das Titelbild des renommierten katholischen Filmdienstes. Immerhin: diesmals sind die Menschen die Bösen und die Affen die Guten. Die Menschen schlachten nicht nur die intelligenten Affen ab und versklaven sie, sondern sie bekämpfen sich auch gegenseitig. Ein martialischer Colonel hat sich auf einen Militärstützpunkt an einer nicht näher bezeichneten Grenze zurückgezogen, wo er die Affen in einem KZ gefangen hält. Er meint die Menschheit, die von einem Affenvirus befallen ist und ihnen die Sprache entzieht und sie zu Tieren regrediert, retten zu müssen. Er tötet auch die infizierten Menschen erbarmungslos und gerät in Konflikt mit der Armee. Ein Trupp Affen verschiedener Rassen und ein von ihnen gerettetes Menschenmädchen versuchen sie zu befreien, während die große Masse der Affen in ein gelobtes Land in die Wüste zieht, doch es wird ein paradiesisch schöner Landstrich sein, ein von Bergen umgebenes Tal mit einem See sein. Bis es so weit kommt, herrscht Krieg und es geht verdammt brutal zu.

Die technischen Effekte (Motion-Capture-Technik) sind beeindruckend, die Affen bekommen eine sensible Mimik und ihr ausgeprägtes Sozialverhalten wird immer wieder betont. Sie sind aber weitgehend geschlechtslose Wesen, ihre normalerweise deutlich hervortretenden Geschlechtsteile sind hier durch einen dicken Pelz unsichtbar, auch dies ist wohl typisch amerikanisch-prüde.

*** Alles in allem bietet der Film Unterhaltung auf technisch höchstem Niveau und durchaus ein paar kritische Aspekte.

Alpinale 2017

Bildbericht von der 32. Alpinale Nenzing

Die Alpinale Nenzing wurde am Dienstag, 8.8. im Ramschwagsaal eröffnet. Das Wetter liess keine open-air Aufführung zu.
Am  Mittwoch, 9.8.17 wagte man es draussen die Filme vorzuführen. Zwar gab es dichte Wolken, aber es war relativ warm. Erst beim zweiten Film nach Pause regnete es etwas – rasch wurden Regen Ponchos verteilt und es konnte wieder weitergehen.
Ich war heuer selbst im Vorauswahl Team. Das lief so ab: wir sollten – möglichst zu dritt – die Links auf einer Liste von youtube und vimeo-Seiten abarbeiten.
Mein Team erstellte eine Punkteschema, das Inhalt (Drehbuch), Aussage, Regiearbeit, Kamera und Schauspiel mit 1 -5 bewertete, maximum also 25 Punkte. Die „Top 10“ jedes Teams wurden dann von den Festivalmachern nochmals gesichtet. So waren unsere Favoriten nicht dabei, aber drei unserer Vorschläge wuren genommen (Watu Wote,  Australien, In Ayas Augen).
Immerhin, was wir einellig ablehnten, blieb abgelehnt und wurde nicht nochmals von anderen gesichtet.
Am Dienstag überzeugte mich „Das verstehe ich nicht“ , ein kurzer Vorarlberg-Short zum Thema Essen-im-Müll und von den Animationsfilmen „Bene´s Horizon“. Der Rest war eher bedrückend, B-Movie-artig. Alle Filme waren handwerklich gut gemacht.
Am Samstag gab es – wieder Open Air am vollen Ramschwag-Platz – die Preisverleihung und Vorführung eines Kinder-Animationsfilms und der Siegerfilme

Die Preisträger der 32. ALPINALE 2017:
Bester Kurzfilm in der Kategorie “v-shorts”:
Für eine Handvoll Silber
Im Stil eines historischen Western überzeugte vor allem die Kameraarbeit.

Bester Kurzfilm International: SCHROOT
Die sprichwörtliche Liebe zum Auto wird hier aufs Korn genommen. SCHROOT von Anthony Van Roosendael (Belgien) zeigt eine Liebe zu einem alten Wagen, der verschrottet werden muss. Eine Liebe bis zum Tod!

Bester Kurzfilm Animation: TIS
TIS von Chloë Lesueur (Frankreich) brachte eine neue, einfache Idee in den Animationsfilm: aus Papier ausgeschnittene Figuren und ihre Entwicklung im Leben.

Bester Kurzfilm Hochschule: WATU WOTE
Der in Kenya gedrehte Film überzeugte durch die klar erzählte Handlung einer wahren Begebenheit und Solidarität über Religionsgrenzen hinweg.

Preis der Jury: CHILD von Iring Freytag und Viktor Stickel.
Die Art der Animation stellte gewisse Anforderungen an den Zuseher und überzeugte die Jury wohl mehr als das Publikum.

Publikumspreis
THE CHOP von Lewis Rose (GB). Halal? Koscher? What does it matter?
Einer der wenigen lustigen Filme des Festivals überzeugte durch intelligenten Witz und Handlung: ein wahrer Künstler von Fleischhauer, ein Jude, verliert in London seinen Job, verkleidet sich als Muslim und wird vom einer „halal-Metzgerei“ angestellt, er ist jedoch so schnell und geschickt, dass ihm alles verziehen wird, als der Schwindel auffliegt, auch der frühere Arbeitgeber kämpft wieder um ihn!

 

Dunkirk

Dunkirk

Christopher Nolan,  GB, NL, F, USA 2017, 106 Min

Der technisch brillante Film – er wurde in analogem 70mm (teils im noch größeren IMAX 65, teils in Panavison 65)  aufgenommen – sollte deshalb unbedingt in einem Imax- oder 70mm – Kino angesehen werden. Nachdem vorletztes Jahr „The Hateful 8“ nach vielen Jahren wieder in 70mm gedreht wurde und einige Kinos ihre 70mm Anlagen restaurierten, erschien heuer dieser Film optional im Königsformat.
Rein inhaltlich ist der Film etwas dünn. Es geht um die Situation der britischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, als die Wehrmacht Dünkirchen eingekesselt hatte.
Es wird auch nicht darüber spekuliert, warum Hitler den Panzerangriff auf die in Dünkirchen eingeschlossenen französischen und britischen Truppen gestoppt hat. Die Luftwaffe mit ihren Stukas und deutsche U-Boote griffen die wenigen Boote, welche die 200.000 Soldaten evakuieren sollten, effizient an.
Es waren britische Zilvilisten, welche ein Boot besaßen und nach Dünkirchen fuhren, um ihren Soldaten zu helfen. Dies gelang tatsächlich.

Die Helden des Films sind vor allem drei britische Spitfire-Piloten, welche einige deutsche Flugzeuge abschossen, aber manchmal auch selber getroffen wurden, ferner ein Pensionist mit seinem Boot, der seinen Enkel verlor, als er auf dem Meer einen Soldaten aufnahm, der gerade der Hölle Dünkirchens entkommen ist und sich mit allen Mitteln wehrt, wieder dorthin zurückzukehren. Zwei Franzosen, welche sich unter die Engländer mischen, sorgen auch noch für Spannung. Die Masse der Soldaten bleibt anonym, die Deutschen haben kein Gesicht, man erkennt sie höchstens an den typischen Helmen.
Die Musik von Hans Donner lässt die Bombenangriffe vorahnen und ähnelt einer Geräuschkulisse von Sirenen.

*** Die Stärke des Films sind die Massenszenen und die Darstellung des Luftkampfes, man kann erahnen, wie man sich als einfacher Soldat gefühlt haben muss.

Mit 17

Mit 17
Andrè Téchiné, F 2016, 116 Min, gesehen in DF

Die Geschichte ist sehr vielfältig und es dauert einige Zeit, bis man merkt, wohin sie hinausläuft. Wir sind in den Pyrenäen. Da ist mal eine engagierte Landärztin, Marianne, mit ihrem 17 jg Sohn Damien, der im Gymnasium sich auf die Matura vorbereitet. In derselben Klasse ist Thomas, der auf einem entlegenen Bauernhof wohnt und mehrere Stunden Schulweg auf sich nimmt, daneben hilft er auf dem Bauernhof. Verständlich, dass seine Schulleistungen nicht ganz optimal sind. Seine Adoptivmutter ist schon über50 und überraschenderweise schwanger. Die beiden Burschen raufen bis zur Gewalttätigkeit ständig miteinander und riskieren den Rauswurf von der Schule.
Als Marianne Thomas´ Mutter ins Spital einweist lädt sie ihn zu sich ein, damit er näher bei der Mutter und der Schule sein kann, nichts ahnend, welche Konflikte nun entstehen werden.
Mariannes Mann ist Hubschrauberpilot bei der Armee und in einem Kriegsgebiet. Er fällt eines Tages und wird mit militärischem Pomp beerdigt, Marianne denkt nach Lyon zu ziehen.

Immer mehr wird klar, dass Damien in Thomas verliebt ist und Thomas das anfänglich nicht will – wer auf dem Lande will schon schwul sein? Deshalb die Konflikte. Es dauert fast zwei Filmstunden, bis sie sich beide ihrer sexuellen Orientierung bewusst sind.

Der Film punktet mit handwerklichem Können, winterlichen Berglandschaften, die zu den kantigen Figuren passen und seiner Vielschichtigkeit, mehrere Geschichten laufen da parallel bis sie sich verknoten. Sowie beim österreichischen Film „Siebzehn“ von Monja Art geht es um die schmerzhafte Suche nach der eigenen homoerotischen sexueller Orientierung, jedoch sind es hier junge Männer.

Gut gemachte Coming-Out Geschichte, besonders berührt hat er mich aber nicht. ***

Jean Ziegler

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

Originaltitel: Jean Ziegler – l’optimisme de la volonté

Dokumentarfilm, Schweiz, 2016, 92 Min, weitgehend frz. OmU.
Regie: Nicolas Wadimoff, Buch: Nicolas Wadimoff, Emmanuel Géta.

Als junger Linker ist in den 70er Jahren Jean Ziegler der Chauffeur von Ché Guevara bei einer Konferenz in Genf gewesen. Er wollte mit ihm in die Revolution ziehen, doch Ché sagt, er müsse dort, wo er geboren sei, die Revolution verwirklichen. „Das rettete mir das Leben, sonst wäre ich wohl in Bolivien im Kampf gefallen!“. Ziegler nahm sich das zu Herzen und begann als subversives Element den Weg durch die Institutionen. Er schaffte es als Schweizer Sozialdemokrat ins Schweizer Parlament, zeigte die Verantwortung der Schweizer Banken gegenüber der Dritten Welt und dem Hunger in der Welt auf und schaffte es bis in die UNO, wo der heute 83 jg. noch immer Berichterstatter in Sachen Welthunger ist.

Der Film führt uns mit Jean Ziegler auch nach Kuba, für ihn das Paradies auf Erden. Andächtig besucht er die Ché-Gedenkstätte und trifft einen seiner eigenen Schüler und andere Akademiker. Dabei wird er durchaus mit den Mangelerscheinungen der sozialistischen Wirtschaft konfrontiert, die er jedoch romantisiert. Wie schön es doch sei, dass es dort nicht so viele Autos gäbe und nachts nur wenige Laternen leuchten… Sogar dem Santuerismo-Kult kann er einiges abgewinnen. Manchen Kubanern gefallen die zerfallenden Häuser und der Mangel an vielem nicht so sehr, für Ziegler eine Folge der massiven amerikanischen Gegenpropaganda, er wundert sich, dass in den Wohnungen nicht mehr Bilder von Fidel zu sehen seien. Als er eine medizinische Komplikation bekommt und ins Vorzeige-Spital eingewiesen wird, bekommt er auch noch Gelegenheit das kubanische Gesundheitswesen in höchsten Tönen zu loben.
Und auf die Frage der Demokratie: es sei wichtiger, dass aller Kinder zu essen und eine gute Schulbildung hätten.

Dass weitere „hoffnungsvolle“ Länder wie Venezuela, Bolivien oder Ecuador in jüngster Zeit die Hoffnungen auf einen funktionierenden Sozialismus nicht mehr erfüllen, bringt den Zuseher sicher auf kritische Gedanken.
Dennoch: der Film ist durchaus auch für Leser der Ziegler-Bücher interessant, zumal Ziegler ja mit der Realität in Kuba konfrontiert wurde, wo er frei im Fernsehen sprechen konnte und seine Interviews unzensiert erschienen seien. Die Lebensmittelskarten (Libretas) hat er aber offenbar nicht gesehen. Seine Kritik an den „Geier“-Fonds (Hedgefonds) ist sicher berechtigt,
genauso wie an der Globalisierung an sich. Denn über die fundamentalen Regeln des Kapitalverkehrs und Geschäftsbedingungen der Banken wurde noch nie demokratisch abgestimmt, sie werden uns aufgezwungen.

26. IFFI Innsbruck

Jiri Menzel bei der Tram-Oldtimerrausfahrt am 24.5.17

 Patrizia Ramos Hernández aus Kuba mit dem Film „El Techo“ im Gespräch mir mir. Der Kameramann des bolivianischen Films „Viejo Calavera“, Pablo Paniagua (re)  und ich beim Mittagessen.

Heute (28.5.17) ging das 26. Internationale Filmfestival Innsbruck zu Ende. Höhepunkte waren die Restrospektiven von Jiri Menzel, der persönlich anwesend war und von Filmen aus Kirgistan, die von Azita Okeev, der Tochter von Tolomus Okeev präsentiert wurden.
Im Wettbewerb stellten sich Internationale Spiel- und Dokumentarfilme, ferner gibt es den Südwind-Jugendpreis, den Publikumspreis sowie den Uni-Innsbruck-Kurzfilmpreis.

Hier mein Bericht: www.fkc.at/archiv/img17/26IFFI2017.pdf
Und hier Preisträger:

bzw. die Presseaussendung dazu