27. Int. Filmfestival Innsbruck, 2018

Hier der erste Teil des Berichtes vom IFFI. Ich berichte von meinen Erlebnissen vom Dienstag bis Donnerstag.

Hier der zweite Teil, das Ergebnis der Preisverleihung und Kommentare. Stand: So 3.6.18

15. Crossing Europe Filmfestival Linz

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz.

Der ausführliche Bildbericht ist nun hier

Diese Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet

Bericht vom 15. Crossing Europe Filmfestival Linz
von Dr. Norbert Fink gesehene Filme

Christine Dollhofer hat wieder ein streng gegendertes Filmprogramm (heuer 48%, letztes Jahr 52% Filme von Frauen) zusammengestellt, das Beste aus Europa, und das Thema Flüchtlinge ist nach wie vor ziemlich präsent. „Wer hier lebt, ist von da!“ ist ihr Motto. Etwa – im Eröffnungsfilm Jupiter´s Moon, im Schlussfilm Transit, Montags in Dresden, der Charmeur, Zentralflughafen THF, Mr. Gay Syria , u.a. blau, kursiv= Text des Festivalkatalogs/Homepage.

 

FIFF – Fribourg 2018

Vom 16. bis 24.3.18 fand im Schweizerischen Fribourg das Internationale  Filmfestival statt, das auf Filme aus Ländern des Südens und Ostens spezialisiert ist – ähnlich wie Innsbruck.
Urs war für den FKC dort und berichtet hier ausführlich: Bitte Links zu Trailern beachten!
http://www.fkc.at/archiv/img18/FIFF2018.pdf

Diagonale Graz 2018

Bericht von der Diagonale Graz 2018

Die Diagonale ist vorbei. Die großen Gewinner waren der Eröffnungsfilm Murer – Anatomie eines Prozesses von Christian Frosch (bester Spielfilm) und Bauliche Maßnahme von Nikolaus Geyrhalter. Der Publikumspreis ging an COPS.

Der komplette Bericht als pdf ist nun hier.

 

The Shape of Water

THE SHAPE OF WATER – LA FORMA DEL AGUA – die Form des Wassers

Guillermo del Toro, USA 2017, ca 125 Min, Breitwand, gesehen in spanischer Fassung.
Goldener Löwe, Venedig 2017; 13 Oscar-Nominierungen und 2 Golden Globes waren Grund genug auch im Urlaub in Kino zu gehen.

Derzeit sind Genre Filme ziemlich in Mode, jedenfalls wagen sich auch anspruchsvolle Regisseure an derartige Filme heran. Del Toro führte nicht nur Regie, er ist u.a. auch für das Buch und die Produktion verantwortlich.

Die Eingangssequenz zeigt uns ein Wohnzimmer mit Büchern unter Wasser. Gegenstände schweben frei herum. Eine versunkene Welt?
Elisa ist stumm, aber nicht taub und gebärdet sich. Sie ist eine Reinigungskraft in einem geheimen militärischen Forschungszentrum in den USA und mit einer schwarzen Kollegin befreundet. Sie lebt neben einem Plakatmaler, der aber seine Kunstwerke nicht anbringt. Wir schreiben das Jahr 1962, Kalter Krieg, große Straßenkreuzer, moderne Einbauküchen, Fast Food, große Schwarzweiß-Fernseher.
Der Sicherheitsmann Strickland foltert nicht nur das angebliche Monster, er schikaniert auch die Mitarbeiter und kauft sich einen neuen Cadillac als Zeichen des Fortschritts.

In das Weltraum-Forschungszentrum wird eine angebliche Bestie, die in den Sümpfen Lateinamerikas gefunden wurde, eingeliefert. Dass Seeungeheuer braucht Salzwasser und proteinhaltige Algen, hat aber durchaus menschliche Formen, schaut wie ein Alien aus, Schuppen, Kiemen, aber auch leuchtende blaue Punkte. Und es hat besondere Fähigkeiten, die das Militär einsetzen möchte. Doch mit Folter ist mit ihm nichts zu machen.
Als Elisa es zum ersten Mal sieht, ist sie die einzige, die keine Angst vor ihm hat, ja fasziniert von ihm ist. Als es am nächsten Tag in einem Becken angekettet ist, gibt sie ihm ein gekochtes Ei zum Essen, es wird der Beginn einer langen Freundschaft sein. Es lernt rasch ihre Gebärdensprache und zeigt sich intelligent und sensibel. Auch die (natürlich bösen) Russen sind an dem Monster interessiert und haben einen Experten eingeschleust, der das Tier durch eine Injektion vernichten soll, doch er zögert, als er dessen menschlichen Züge entdeckt.
Als Elisa dies beim Putzen mithört, entscheidet sie sich das Wesen zu retten und zu sich nach Hause zu nehmen, sie ist verliebt und glücklich und hat sogar Sex mit ihm. Die spannende Befreiungsaktion und die Suche des Militärs nach ihm sei hier aber nicht verraten!

Moralisch geht es darum, Respekt auch vor fremden Wesen zu haben und ihnen bei Gefahr zu helfen. Durchaus eine aktuelle Botschaft mit manchen aktuellen Hinweisen („Die Nordkoreaner haben auch Verstand und Gefühle, trotzdem töten wir sie“) folternde US-Militärs, Langusten verspeisende russische Agenten und andere Klischees aus Agentenfilmen sind unterhaltsam eingebaut. Ebenso gibt es viele Zitate aus anderen Filmen und einen ansprechenden Soundtrack von Alexandre Desplat. Im Gegensatz zu vielen anderen Genrefilmen überzeugt er jedoch durch seine tiefe Humanität!

Ein Märchen für Erwachsene, gut umgesetzt, mit Musical-, Politthriller und Fantasyelementen, aber auch etwas Realität. ****

 

Solothurner Filmtage 2018

Unser Schriftführer Urs Vokinger war drei Tage in Solothurn und schaffte 10 Filmvorführungen! Hier ist sein Bericht!

Die dunkelste Stunde

Die dunkelste Stunde
GB 2017, 121 Min, Regie: Joe Wright
gesehen in DF
Es geht in diesem kammerspielartigen Film um die Persönlichkeit Winston Churchills. 1940 ist er der einzige Konservative, der auch von der Opposition akzeptiert und so vom König zum Premierminister ernannt wird. Er ist keine einfache Person, in der eigenen Partei ein Außenseiter, trinkt und raucht gerne und viel, braust manchmal auf, hat aber trotz rauer Schale das Herz am richtigen Fleck.
Eigentlich wollen die meisten Politiker nach dem Einmarsch Hitlers in Belgien Mussolini um Vermittlung zu einem Friedensvertrag bitten, doch Churchill ist strikt dagegen, mit dem Diktator zu verhandeln und will bis zum Sieg kämpfen. Die Ausgangslage dazu ist nach der Einkesselung der Truppen in Dünkirchen alles andere als rosig, Hitlers Wehrmacht scheint in allem überlegen zu sein, die Amerikaner wollen (noch) neutral bleiben und die Armee ist einem desolaten Zustand. Außerdem wird Churchill angelastet, im Ersten Weltkrieg Schuld am Desaster von Gallipoli zu sein. So kommt er auf die glorreiche Idee, die eingeschlossenen Truppen in Dünkirchen mit zivilen Booten zu retten, was bekanntlich gelungen ist (vgl. den Film „Dünkirchen“). Churchill ist freilich ein begnadeter Redner und so büxt er einmal von seinem Dienstwagen aus, um erstmals in seinem Leben mit der U-Bahn zu fahren, wo er die Meinung der normalen Bevölkerung hören will, die ihn in seinen Ansichten bestärkt, gegen Hitler zu kämpfen. Diese Szene ist freilich Fiktion. Der Rest ist Geschichte.
**** Brillant gespielt von Gary Oldman ist der Historienfilm trotz einer gewissen Wortlastigkeit nie langweilig!

Max-Ophüls-Preis Saarbrücken 2018

Bildbericht und Kritik aller gesehenen Filme von Norbert Fink, Langfassung, pdf, 1,92 MB

MOP Saarbücken 2018 – Die Preise
Sieger war „Landrauschen“ aus Deutschland, der österr. Film „Cops“ erhielt drei Preise, die schweizer Überraschung „Blue my mind“ erhielt den Regiepreis.
Hier im Detail:

Publikumspreis Kurzfilm: „Entschuldigung, ich such den Tennisraum und meine Freundin“ (A,D,S)
Jurypreis Kurzfilm: Sacrilège, CH, F
Bester Mittellanger Film: Bester Mann, Florian Forsch, D, A
Publikumspreis Mittellang: Endling

Dokumentarfilmpreise:
Beste Musik im Doc: Germania
Bester Doc: Global Family, Andreas Köhler, D
Übrigens: nächstes Jahr soll es auch einenDOC-Publikumspreis geben!

SPIELFILMPREISE:
Preis der dt/f Jugendjury : Draussen in meinem Kopf
Oekumenische Jury: Landrauschen
Publikumspreis: COPS , A
Drehbuchpreis: Landrauschen
Beste Nebenrolle: Anna Suk in COPS, A
Beste Hauptrolle:  Loane Balthasar in  „Sarah spielt einen Werwolf“
Gesellschaftlich relevantester Film: COPS, A,
MOP Beste Regie: (nur deutsche UA) BLUE MY MIND, Lisa Brühlmann, CH
MOP Bester Film: (36.000€) – LANDRAUSCHEN

Bericht vom Festival von Norbert Fink
Mit der Deutschlandpremiere des packenden Dramas DER HAUPTMANN eröffnete am Montag, den 22. Januar 2018, das 39. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. „Das filmästhetisch wie inhaltlich beeindruckende Werk von Robert Schwentke legt Mechanismen des Nationalsozialismus in selten gesehener Konsequenz offen. Das Filmfestival Max Ophüls Preis trägt damit gerade in Zeiten des politischen Werteverfalls auch seinem Namensgeber Rechnung“.
Ehrengast ist dieses Jahr Mario Adorf, dem auch eine kleine Retrospektive gewidmet ist. Die Ehrenpreisträgerin des Jahres 2018 ist Doris Dörrie, vier ihrer Filme werden gezeigt.
Der Max-Ophüls-Preis gilt als bedeutendstes Filmfestival für junge FilmacherInnen aus dem deutschsprachigen Raum von Luxemburg bis Südtirol. Preise werden u.a. für die besten Langspielfilme, Langdokumentarfilme, Mittellang- und Kurzfilme vergeben.


Aus dem Nichts

Aus dem Nichts

Fatih Akim, D/F 2017, Cinemascope, 106 Min, Gesehen in DF

Diane Kruger, Cannes 2017, Beste Darstellerin

Nachdem uns eine Patchwork-Familie mit kleinen menschlichen Fehlern gezeigt wurde, werden wir Zeuge des Bombenanschlags, welche den Mann und das gemeinsame Kind der Familie Şekerci getötet hat. Katja und Nuri haben im Gefängnis geheiratet. Aus Verzweiflung über den Tod Nuris und des Sohnes nimmt sie Drogen, um den Schmerz zu betäuben. Diese findet die Polizei auch bei ihr, was ihr zum Verhängnis wird.
Beim Prozess kommt es überraschend zu einem Freispruch, dem gewieften Anwalt der Neonazis gelingt es, zumindest Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Opfers zu wecken und so „im Zweifel für den Angeklagten“ gelten zu lassen. Da bleibt für das Opfer, brillant dargestellt durch Diane Kruger, nur noch die Selbstjustiz. Sie reist nach Griechenland, wo Mitglieder der Neuen Morgenröte ein falsches Alibi für die Täter bereitstellten.
Die Bilder sind anfangs sehr hart und dunkel, gegen Ende jedoch hell und bunt.
Der Film nimmt direkten Bezug auf den NSU und Beate Zschäpe.

Regisseur Fatih Akim ist wütend darüber, dass die rechtsextreme Terrorzelle NSU neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen hat, Polizei wie Presse aber nicht von rassistischen Motiven ausgingen, sondern die Täter jahrelang im Umfeld der überwiegend türkischstämmigen Opfer suchten und etwa Racheakte oder Mafia-Verbindungen vermuteten.

***1/2 Durchgehend spannend, nur mit wenigen Längen, wird eine fiktive Geschichte erzählt, die nach dem Zschäpe-Prozess so hätte stattfinden können.

Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Regie: Claus Räfle, D 2017, 110 Min, Cinemascope, gesehen in dt. OF.

Das „Doku-Drama“ – dokumentarische Aufnahmen werden mit nachgespielten Spielfilmszenen ergänzt – zeigt einen auch mir einen bisher wenig bekannten Aspekt des Holocaust. Statt sich in den Osten umsiedeln zu lassen, sprich vergast zu werden, flüchteten allein in Berlin mindestens 5000 in die Illegalität, 1500 davon überlebten. Dabei halfen aus unterschiedlichsten Motiven auch Deutsche, Kommunisten, Nazigegner, Nachbarn aber auch Unbekannte.
Der Film ist sehr spannend, obwohl wir anhand der Interviews mit vier Personen, die übrigens für andere Dokumentationen aufgenommen wurden, folgern können, dass sie überlebt haben. In sehr einfühlsam gemachten Rückblenden werden die wahren Begebenheiten nachgespielt. Da ist einmal Cioma Schönhaus, der als Passfälscher gut verdient und in einem ungenutzten Lager der afghanischen Botschaft unbehelligt arbeiten kann. Aber kleine Schlampereien kosten ihm fast den Kopf. Hanny Lévy lässt sich ihre dunklen Haare blond färben. Mit ihren grünen Augen und als Blondine passt sie nicht in das Klischee der dunkelhaarigen, braunäugigen Jüdin und fühlt sich gut gekleidet auf dem Kurfürstendamm sicher. Im Kino spricht sie ein Mann an, der möchte, dass sie mit ihrer ebenfalls sehr einsamen Mutter, der Kinokassiererin, spricht. Eugen Friede versucht es mit einer anderen List, er gibt sich als Ausgebombter aus, für den es unbürokratisch Gästezimmer gibt. Ganz in die Höhle des Löwen gerät Ruth Arndt, die sich als Kriegswitwe tarnt und bei einem hochrangigen Wehrmachtsoffizier das Hausmädchen wird, dort bekommt sie wenigstens gut zu essen. Alle müssen aber immer wieder ihre Zufluchtsorte wechseln.
Als Zuschauer schrecken wir auf, wenn es an der Türe läutet oder klopft, ist es die Gestapo? Wir nehmen aber auch an den kleinen Freuden des Lebens teil und der zwiespältigen Haltung zu den Bombern, die Berlin in Schutt und Asche legen. Für die Illegalen gibt es keine Schutzbunker, andererseits hoffen sie, dass dadurch der Krieg bald zu Ende sein möge.

***** ein selten spannendes und hervorragend geschnittenes „Doku-Drama“ über Jüdinnen und Juden, denen es auch nach 1943 gelang in Berlin unterzutauchen und so dem Holocaust zu entgehen.