Cops (Saal 2)

Cops


Regie: Stefan A. Lukacs
Mit:Laurence Rupp, Anton Noori,Maria Hofstätter, Roland Düringer
Österreich 2018, 92 min, Deutsche Originalfassung, Cinemascope, Dolby 5.1
Ein ehrgeiziger junger Polizist der Spezialeinheit WEGA erschießt in angespannter Lage einen Menschen. – „Bessere Polizeifilme können auch die Amis nicht machen.“ (Matthias Greuling;,Wiener Zeitung)

Publikumspreis Max-Ophüls-Preis Saarbrücken 2018

Diagonale Graz 2018 – Schauspielpreis, Publikumspreis

Cops

Cops

Regisseurstatement:

Der Film handelt von legaler (aber nicht unbedingt legitimer) Polizeigewalt. Es gibt keine „schwarzen Schafe“ im Film; vielmehr ist die Gewalt fixer Bestandteil des Handlungsrepertoires, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Denn Christoph Horn ist ein „Krieger-Polizist“. Er befindet sich im Krieg gegen das Verbrechen. Und im Krieg sind alle Mittel erlaubt. Eine Haltung mit fatalen Auswirkungen.

Laut dem Soziologen Rafael Behr wollen „Krieger-Polizisten“ Sicherheit herstellen durch die wortwörtliche „Bekämpfung“ von Verbrechen. In ihrem Verständnis bedeutet absolute Sicherheit die absolute Abwesenheit von Verbrechen – was notgedrungen zu einem Freund-/Feindschema führt, in dem die BürgerInnen Gefahr laufen, pauschal zum Feindbild erklärt zu werden.

Dieses Selbstverständnis ist auch Erklärungsansatz für das zunehmend martialische und militärische Auftreten der Exekutive weltweit. In diesem System sind emotionale und körperliche Schwächen, Zweifel, Ängste oder Mitgefühl gegenüber dem „Feind“ nicht vorgesehen. Diese falsch verstandene Männlichkeit und eine grassierende Kriegermentalität in Teilen der Exekutive haben destruktive Auswirkungen auf die heutige Polizeikultur – auch in Österreich.

Dem entgegen steht das Konzept des „Community Policing“, welches versucht, gemeinschaftliche Probleme in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung zu erkennen und zu lösen. Dieser Ansatz polizeilicher Arbeit setzt aber ein ungetrübtes Vertrauensverhältnis zwischen der Bevölkerung und ihrer Polizei voraus. Genau dieses Verhältnis scheint aber angeschlagen: nicht nur auf Seiten der Bevölkerung und der Medien, sondern auch auf Seiten der Polizei, die seit Jahren von einer stetig steigenden Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung spricht und sich in der Ausübung ihrer Tätigkeit mehr und mehr bedroht fühlt. Dieses Spannungsfeld ist die Grundlage für COPS.

Der Film ist ein politisches Drama über weltweite gesellschaftliche Entwicklungen, heruntergebrochen auf den Mikrokosmos einer Spezialeinheit in Wien. Dabei soll er, wie schon mein letzter Film VOID, mehr Fragen aufwerfen als er beantwortet und somit Stein  des Anstoßes sein für eine breit angelegte Diskussion. Diesmal geht es jedoch nicht um eine konkrete polizeiliche Verfehlung, sondern vielmehr um die grundlegende Frage, welche Art von Exekutive bzw. welche Exekutivstrategien wir uns als Gesellschaft wünschen. Welches Verständnis von Kriminalität haben wir und wie ordnen wir VerbrecherInnen gesellschaftlich ein? Sind sie lediglich eine Art „Geschwür“, welches es zu isolieren oder gar zu eliminieren gilt, oder sind sie unumstößlicher Teil einer jeden Gesellschaft und erfordern daher eine gesamtheitliche Auseinandersetzung, die sich vermehrt mit den Ursachen von Verbrechen beschäftigt?

COPS ist ein genreübergreifender Film, der ein breites Publikum ansprechen soll, in seiner thematischen Sprengkraft aber kompromisslos bleibt. Der Film soll sein Publikum wie ein unerwarteter Schlag in die Magengrube treffen und über den Kinobesuch hinaus nicht mehr loslassen.

Hinweis: wegen einer Premiere in Saal 1 kann am Donnerstag der Film nur im Saal 2 stattfinden – bitte rechtzeitig im Kino reservieren!

 

http://www.cops-film.at/

Trailer
http://www.cops-film.at/videos.html

Cops

Cops


Nur am Mittwoch im großen Saal 1 des Cinema

Regie: Stefan A. Lukacs
Mit:Laurence Rupp, Anton Noori,Maria Hofstätter, Roland Düringer
Österreich 2018, 92 min, Deutsche Originalfassung, Cinemascope, Dolby 5.1
Ein ehrgeiziger junger Polizist der Spezialeinheit WEGA erschießt in angespannter Lage einen Menschen. – „Bessere Polizeifilme können auch die Amis nicht machen.“ (Matthias Greuling;,Wiener Zeitung)

Publikumspreis Max-Ophüls-Preis Saarbrücken 2018

Roland Düringer in COPS

Diagonale Graz 2018 – Schauspielpreis, Publikumspreis

Regisseurstatement:

Der Film handelt von legaler (aber nicht unbedingt legitimer) Polizeigewalt. Es gibt keine „schwarzen Schafe“ im Film; vielmehr ist die Gewalt fixer Bestandteil des Handlungsrepertoires, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Denn Christoph Horn ist ein „Krieger-Polizist“. Er befindet sich im Krieg gegen das Verbrechen. Und im Krieg sind alle Mittel erlaubt. Eine Haltung mit fatalen Auswirkungen.

Laut dem Soziologen Rafael Behr wollen „Krieger-Polizisten“ Sicherheit herstellen durch die wortwörtliche „Bekämpfung“ von Verbrechen. In ihrem Verständnis bedeutet absolute Sicherheit die absolute Abwesenheit von Verbrechen – was notgedrungen zu einem Freund-/Feindschema führt, in dem die BürgerInnen Gefahr laufen, pauschal zum Feindbild erklärt zu werden.

Dieses Selbstverständnis ist auch Erklärungsansatz für das zunehmend martialische und militärische Auftreten der Exekutive weltweit. In diesem System sind emotionale und körperliche Schwächen, Zweifel, Ängste oder Mitgefühl gegenüber dem „Feind“ nicht vorgesehen. Diese falsch verstandene Männlichkeit und eine grassierende Kriegermentalität in Teilen der Exekutive haben destruktive Auswirkungen auf die heutige Polizeikultur – auch in Österreich.

Dem entgegen steht das Konzept des „Community Policing“, welches versucht, gemeinschaftliche Probleme in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung zu erkennen und zu lösen. Dieser Ansatz polizeilicher Arbeit setzt aber ein ungetrübtes Vertrauensverhältnis zwischen der Bevölkerung und ihrer Polizei voraus. Genau dieses Verhältnis scheint aber angeschlagen: nicht nur auf Seiten der Bevölkerung und der Medien, sondern auch auf Seiten der Polizei, die seit Jahren von einer stetig steigenden Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung spricht und sich in der Ausübung ihrer Tätigkeit mehr und mehr bedroht fühlt. Dieses Spannungsfeld ist die Grundlage für COPS.

Der Film ist ein politisches Drama über weltweite gesellschaftliche Entwicklungen, heruntergebrochen auf den Mikrokosmos einer Spezialeinheit in Wien. Dabei soll er, wie schon mein letzter Film VOID, mehr Fragen aufwerfen als er beantwortet und somit Stein  des Anstoßes sein für eine breit angelegte Diskussion. Diesmal geht es jedoch nicht um eine konkrete polizeiliche Verfehlung, sondern vielmehr um die grundlegende Frage, welche Art von Exekutive bzw. welche Exekutivstrategien wir uns als Gesellschaft wünschen. Welches Verständnis von Kriminalität haben wir und wie ordnen wir VerbrecherInnen gesellschaftlich ein? Sind sie lediglich eine Art „Geschwür“, welches es zu isolieren oder gar zu eliminieren gilt, oder sind sie unumstößlicher Teil einer jeden Gesellschaft und erfordern daher eine gesamtheitliche Auseinandersetzung, die sich vermehrt mit den Ursachen von Verbrechen beschäftigt?

COPS ist ein genreübergreifender Film, der ein breites Publikum ansprechen soll, in seiner thematischen Sprengkraft aber kompromisslos bleibt. Der Film soll sein Publikum wie ein unerwarteter Schlag in die Magengrube treffen und über den Kinobesuch hinaus nicht mehr loslassen.

http://www.cops-film.at/

Trailer
http://www.cops-film.at/videos.html

Foxtrot

Foxtrot

Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2017, 113 min, hebr. O.m.U., Cinemascope

Regie & Drehbuch: Samuel Maoz mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai, u.v.a.m.

Grandioser israelischer Antikriegsfilm, in dem ein Vater seinen während eines Diensteinsatzes unter grotesken Umständen zu Tode gekommenen Sohn betrauert. –Einer der brillantesten Filme des Jahres (Der Stern)

Ein Klingeln an der Tür verändert das Leben des wohlsituierten Tel Aviver Architekten Michael und seiner Frau Dafna. Die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Jonathan, der gerade seinen Militärdienst leistet, wirft Leben, Psyche und Ehe des Paars aus der Bahn. Getrieben von tiefer Trauer und Verständnislosigkeit entwickelt sich in Michael ein Sturm aus rasender Wut, geprägt von Unsicherheiten und Traumata. Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine unvorhersehbare Wendung, die das Schicksal der ganzen Familie in eine neue Richtung lenkt.

Akt 1 beginnt in Tel Aviv. Auf der Klingel ein Finger in Großaufnahme. Dafna Feldman (Sarah Adler) öffnet die Tür des ultramodernen Hauses. Zwei Soldaten stehen vor ihr. Sie weiß, was das bedeutet, fällt in Ohnmacht, erhält beruhigende Medikamente. Ihr Mann Michael (Lior Ashkenazi) zerbricht innerlich, steht wie erstarrt, als man ihm mitteilt: „Herr Feldman, es tut uns sehr leid, Jonathan Feldman ist heute Nacht im Einsatz gefallen“. Jonathan ist der einzige Sohn des Paares. Die Ratschläge sind lapidar. Tief atmen und viel trinken, ein Handy-Piepsen soll ihn stündlich an ein Glas Wasser erinnern. Für die psychologische Betreuung gibt es eine Telefonnummer, zum Abschied den aufgesagten Satz „Unser herzliches Beileid, Herr Feldman“.

Der arrivierte Architekt steht unter Schock. Statt zu weinen, lässt er seine hilflose Wut am Hund aus, er muss raus aus dem Haus, kriegt keine Luft mehr, ein Besuch bei der Mutter im Heim, einer Holocaust-Überlebenden, frustriert ihn noch mehr. Während sein Bruder einen Text für die Todesanzeige aufsetzt, verliert der souveräne Mann erstmals die Fassung, lässt glühend heißes Wasser über seine Hand laufen. Ein körperlicher Schmerz, der den seelischen ausschalten soll. Die Ankunft eines Bestattungsoffiziers verschlimmert die Situation mit seinen bürokratischen Details für die Beerdigung, keine Empathie, nur Rituale und sinnlose Hinweise. Fünf Stunden währt der Alptraum. Dann die neue Nachricht, dass es sich um eine Verwechslung handelt und Jonathan lebt und mit seiner Einheit eine Versorgungsstraße überwacht. Ein Fehler im System sorgte für die Falschmeldung. Michael rastet aus, er fordert die sofortige Rückkehr seines Sohnes nach Hause. Die emotionale Anspannung lässt ihn eine Panikattacke erleiden.
Akt 2 spielt in einem surrealen und kafkaesken Ambiente auf einer Straße im Nirgendwo – ein Kamel, eine Schranke, die sich hebt und senkt, ein Wellblechcontainer, vier junge Soldaten, an deren Nerven das quälende Nichtstun zerrt. Einer von ihnen ist Jonathan Feldman (Yonatan Shiray). Bei einer Schicht tanzt einer seiner Kameraden einen Foxtrot zur Musik aus dem Megaphon, als imaginäre Partnerin dient das Gewehr. Die Ankündigung einer Katastrophe. Der Foxtrot, bei dem der Tänzer trotz aller Schrittvariationen auf der Stelle tritt – ein Symbol für den Nahost-Konflikt –  in dem sich nicht viel bewegt. Shooter-Games, fade Witze, Erzählungen von daheim können die Langeweile nicht bannen. Ansonsten Sprachlosigkeit, Schweigen. Das Essen wird lustlos aus Konserven gelöffelt und eine leere Dose durch den Container gerollt, um zu prüfen, wie die Bodenneigung sich täglich ändert, wie lange es wohl dauert, bis alle im Schlamm versinken. Fragen tauchen auf nach Sinn und Ziel des Kampfes gegen das Unbekannte. Die Zeit kriecht im Schneckentempo dahin. Nur wenn sich ein palästinensisches Auto nähert, herrschen Hektik und Betriebsamkeit. Die Insassen werden genau kontrolliert und auch schon mal aus Schikane draußen im strömenden Regen stehen gelassen. Business as usual. Bis eines Abends zwei junge Paare in ausgelassener Stimmung den Checkpoint erreichen. Die Überprüfung bringt keine Verdachtsmomente, doch bevor der Fahrer Gas gibt, rollt ein Gegenstand aus dem Wagen. Eine Granate? Oder doch nur eine harmlose Bierdose? Die Soldaten schießen los. Der aufgestaute Stress entlädt sich in einem Ausbruch von Gewalt. Vier Menschen sind tot. Ein Bagger sorgt dafür, dass es bald so aussieht, als sei nichts geschehen. Ein Oberst schließt den Fall: „Was geschehen ist, ist geschehen“. Am nächsten Tag steigt Jonathan Feldman aufgrund der Forderung seines Vaters in ein Versorgungsfahrzeug Richtung Tel Aviv.

Akt 3 konzentriert sich auf die Eltern und die Tochter Alma (Shira Haas).
Michael und Dafna zerbrechen sich den Kopf, was aus ihrer Liebe und ihren einstigen Trä¤umen geworden ist in einem Land der permanenten Unsicherheit und Bedrohung von außen. Obgleich vom Krieg traumatisiert, funktioniert Michael vordergründig. Er gehört zur zweiten Generation der Holocaust-Ãœberlebenden, der eingetrichtert wurde, sich nie zu beklagen, da nichts so furchtbar sein kann wie die Erfahrung der Eltern. Dafna bricht seine harte Schale auf, konfrontiert ihn mit seiner Schwäche und Scham, bittet ihn eindringlich, sich und sein Geheimnis zu offenbaren. Michael zeigt seine inneren vom Krieg geschlagenen Wunden, die nie heilen und weiter bluten werden, sein Schuldgefühl und seine Verzweiflung, seine tiefe Trauer. Und wie Jonathan tanzt er den Foxtrot: zwei Schritte vorwärts, einen seitwärts und Schluss, dann das Ganze rückwärts. Michaels bitteres Resümé: Egal, wo du hingehst, du landest immer am selben Ausgangspunkt!  So gibt es kein Glück und keine Erlösung, keine Befreiung von der Vergangenheit. Nur ein bisschen Hoffnung. Und die aber auch nur vielleicht.

Am Donnerstag in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems und mit einleitenden Worten von Hanno Loewy.

FOXTROT –  von der internationalen Kritik gefeiert und in Israel kontrovers diskutiert, wurde beim Filmfestival in Venedig mit dem Großen Preis der Jury, dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet und erhielt eine OSCAR®-Nominierung.

Bester israelischer Film des Jahres. Auszeichnung der Ökumenischen Jury beim 32. INTERNATIONALEN FILMFESTIVAL FRIBOURG u.v.a. weitere internationale Filmpreise

Giora_Bejach

Am Donnerstag in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems und mit einleitenden Worten von Hanno Loewy.

Trailer:

Foxtrot

Foxtrot


Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2017, 113 min, hebr. O.m.U., Cinemascope

Regie & Drehbuch: Samuel Maoz mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai, u.v.a.m.

Grandioser israelischer Antikriegsfilm, in dem ein Vater seinen während eines Diensteinsatzes unter grotesken Umständen zu Tode gekommenen Sohn betrauert. –Einer der brillantesten Filme des Jahres (Der Stern)

Ein Klingeln an der Tür verändert das Leben des wohlsituierten Tel Aviver Architekten Michael und seiner Frau Dafna. Die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Jonathan, der gerade seinen Militärdienst leistet, wirft Leben, Psyche und Ehe des Paars aus der Bahn. Getrieben von tiefer Trauer und Verständnislosigkeit entwickelt sich in Michael ein Sturm aus rasender Wut, geprägt von Unsicherheiten und Traumata. Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine unvorhersehbare Wendung, die das Schicksal der ganzen Familie in eine neue Richtung lenkt.

Akt 1 beginnt in Tel Aviv. Auf der Klingel ein Finger in Großaufnahme. Dafna Feldman (Sarah Adler) öffnet die Tür des ultramodernen Hauses. Zwei Soldaten stehen vor ihr. Sie weiß, was das bedeutet, fällt in Ohnmacht, erhält beruhigende Medikamente. Ihr Mann Michael (Lior Ashkenazi) zerbricht innerlich, steht wie erstarrt, als man ihm mitteilt: „Herr Feldman, es tut uns sehr leid, Jonathan Feldman ist heute Nacht im Einsatz gefallen“. Jonathan ist der einzige Sohn des Paares. Die Ratschläge sind lapidar. Tief atmen und viel trinken, ein Handy-Piepsen soll ihn stündlich an ein Glas Wasser erinnern. Für die psychologische Betreuung gibt es eine Telefonnummer, zum Abschied den aufgesagten Satz „Unser herzliches Beileid, Herr Feldman“.

Der arrivierte Architekt steht unter Schock. Statt zu weinen, lässt er seine hilflose Wut am Hund aus, er muss raus aus dem Haus, kriegt keine Luft mehr, ein Besuch bei der Mutter im Heim, einer Holocaust-Überlebenden, frustriert ihn noch mehr. Während sein Bruder einen Text für die Todesanzeige aufsetzt, verliert der souveräne Mann erstmals die Fassung, lässt glühend heißes Wasser über seine Hand laufen. Ein körperlicher Schmerz, der den seelischen ausschalten soll. Die Ankunft eines Bestattungsoffiziers verschlimmert die Situation mit seinen bürokratischen Details für die Beerdigung, keine Empathie, nur Rituale und sinnlose Hinweise. Fünf Stunden währt der Alptraum. Dann die neue Nachricht, dass es sich um eine Verwechslung handelt und Jonathan lebt und mit seiner Einheit eine Versorgungsstraße überwacht. Ein Fehler im System sorgte für die Falschmeldung. Michael rastet aus, er fordert die sofortige Rückkehr seines Sohnes nach Hause. Die emotionale Anspannung lässt ihn eine Panikattacke erleiden.
Akt 2 spielt in einem surrealen und kafkaesken Ambiente auf einer Straße im Nirgendwo – ein Kamel, eine Schranke, die sich hebt und senkt, ein Wellblechcontainer, vier junge Soldaten, an deren Nerven das quälende Nichtstun zerrt. Einer von ihnen ist Jonathan Feldman (Yonatan Shiray). Bei einer Schicht tanzt einer seiner Kameraden einen Foxtrot zur Musik aus dem Megaphon, als imaginäre Partnerin dient das Gewehr. Die Ankündigung einer Katastrophe. Der Foxtrot, bei dem der Tänzer trotz aller Schrittvariationen auf der Stelle tritt – ein Symbol für den Nahost-Konflikt –  in dem sich nicht viel bewegt. Shooter-Games, fade Witze, Erzählungen von daheim können die Langeweile nicht bannen. Ansonsten Sprachlosigkeit, Schweigen. Das Essen wird lustlos aus Konserven gelöffelt und eine leere Dose durch den Container gerollt, um zu prüfen, wie die Bodenneigung sich täglich ändert, wie lange es wohl dauert, bis alle im Schlamm versinken. Fragen tauchen auf nach Sinn und Ziel des Kampfes gegen das Unbekannte. Die Zeit kriecht im Schneckentempo dahin. Nur wenn sich ein palästinensisches Auto nähert, herrschen Hektik und Betriebsamkeit. Die Insassen werden genau kontrolliert und auch schon mal aus Schikane draußen im strömenden Regen stehen gelassen. Business as usual. Bis eines Abends zwei junge Paare in ausgelassener Stimmung den Checkpoint erreichen. Die Überprüfung bringt keine Verdachtsmomente, doch bevor der Fahrer Gas gibt, rollt ein Gegenstand aus dem Wagen. Eine Granate? Oder doch nur eine harmlose Bierdose? Die Soldaten schießen los. Der aufgestaute Stress entlädt sich in einem Ausbruch von Gewalt. Vier Menschen sind tot. Ein Bagger sorgt dafür, dass es bald so aussieht, als sei nichts geschehen. Ein Oberst schließt den Fall: „Was geschehen ist, ist geschehen“. Am nächsten Tag steigt Jonathan Feldman aufgrund der Forderung seines Vaters in ein Versorgungsfahrzeug Richtung Tel Aviv.

Akt 3 konzentriert sich auf die Eltern und die Tochter Alma (Shira Haas).
Michael und Dafna zerbrechen sich den Kopf, was aus ihrer Liebe und ihren einstigen Trä¤umen geworden ist in einem Land der permanenten Unsicherheit und Bedrohung von außen. Obgleich vom Krieg traumatisiert, funktioniert Michael vordergründig. Er gehört zur zweiten Generation der Holocaust-Ãœberlebenden, der eingetrichtert wurde, sich nie zu beklagen, da nichts so furchtbar sein kann wie die Erfahrung der Eltern. Dafna bricht seine harte Schale auf, konfrontiert ihn mit seiner Schwäche und Scham, bittet ihn eindringlich, sich und sein Geheimnis zu offenbaren. Michael zeigt seine inneren vom Krieg geschlagenen Wunden, die nie heilen und weiter bluten werden, sein Schuldgefühl und seine Verzweiflung, seine tiefe Trauer. Und wie Jonathan tanzt er den Foxtrot: zwei Schritte vorwärts, einen seitwärts und Schluss, dann das Ganze rückwärts. Michaels bitteres Resümé: Egal, wo du hingehst, du landest immer am selben Ausgangspunkt!  So gibt es kein Glück und keine Erlösung, keine Befreiung von der Vergangenheit. Nur ein bisschen Hoffnung. Und die aber auch nur vielleicht.

Foxtrot

Am Donnerstag in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems und mit einleitenden Worten von Hanno Loewy.

FOXTROT –  von der internationalen Kritik gefeiert und in Israel kontrovers diskutiert, wurde beim Filmfestival in Venedig mit dem Großen Preis der Jury, dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet und erhielt eine OSCAR®-Nominierung.

Bester israelischer Film des Jahres. Auszeichnung der Ökumenischen Jury beim 32. INTERNATIONALEN FILMFESTIVAL FRIBOURG u.v.a. weitere internationale Filmpreise

Trailer:

Weapon of Choice in Anwesenheit des Regisseurs

Weapon of Choice

Regie: Fritz Ofner, Eva Hausberger

Österreich 2017, 90 min, deutsch-englische O.m.U.
fehlerfrei als PDF

In ihrem Dokumentarfilm erforschen Eva Hausberger und Fritz Ofner die Geschichte und den Mythos der Glock und entdecken dabei eine Österreichische Geschichte des Wegschauens.

Der milliardenschwere Namensgeber selbst war zu einem Statement für den Film nicht bereit. Dennoch gelingt es Fritz Ofner und Eva Hausberger, sich der legendenumwobenen Pistole und ihrem Erfinder anzunähern: Zu Wort kommen u.a. eine amerikanische Waffentrainerin, die in der Glock die Verlängerung ihres Körpers sieht, ein Exsoldaten, der bei der Festnahme Saddam Husseins zum Sondereinsatzkommando gehörte und die Glock des irakischen Diktators eroberte, und „Panama-Charly“ alias Charles Ewert, Ex-Treuhänder der Firma Glock, der wegen versuchten Auftragsmordes an Gaston Glock in Luxemburg im Gefängnis sitzt. Entstanden ist eine vielschichtige und packende Auseinandersetzung über die Faszination am Mythos Glock und ihre weltweiten gesellschaftspolitischen Folgen, die zur Diskussion anregen sollen.

Regisseurstatement: Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal von der unheimlichen Erfolgsgeschichte der Glock-Pistole hörte: In einer Villa am Wörthersee soll ein mächtiger Waffentycoon leben, der in Kärnten und Niederösterreich Waffen fertigt, mit denen auf der ganzen Welt geschossen wird. Er soll so einflussreich sein, dass ihm Politik und Medien Untertan wären. Konnte es sein, dass in einem neutralen Land wie Österreich ein kleines Familienunternehmen zum weltweit mächtigsten Handfeuerwaffenproduzenten aufsteigen konnte, und dies fast unbemerkt von der Öffentlichkeit? In einem Land, das sonst so stolz ist auf jeden seiner noch so unwichtigen Beiträge zum Weltgeschehen? Meine Neugierde war geweckt. Und als ich an „Weapon of Choice“ arbeitete, stieß ich immer wieder aufs Neue auf Fakten, Geschichten und Hintergründe, die mich zum Staunen brachten.

Ich schrieb nach der Sichtung des Films bei der Diagonale Graz:
Doc über die Glock-Pistole aus Kärnten. Darüber einen Film zu machen ist sehr schwierig, da die Anwälte von Glock bei jeder Nennung ihres Namens sofort mit Klagen drohen. Die Glock gilt als sehr handliche und zuverlässige Pistole, die sich vor allem bei der Polizei in den USA durchsetzen konnte. Von einer billigen,  teils aus Plastik gefertigten Handfeuerwaffe für das Bundesheer entwickelte sich eine Großproduktion eines Weltkonzerns. Jene Waffen, welche die Cops in Chicago haben, möchten auch die Kriminellen und dank den lockeren Waffengesetzen können sie das auch. Aber auch im Irak ist die Glock beliebt, Saddam Hussein hatte eine und nach dessen Sturz erhielt die Polizei via USA gleich 100.000 Stück. Ein ehemaliger hoher Mitarbeiter von Glock sitzt in Luxemburg wegen Geldwäsche im Gefängnis.

Glock Verkäufer

Hinweis:
Bei der Vorstellung am Donnerstag wird der Regisseur Fritz Ofner anwesend sein und im Anschluss an den Film zur Diskussion zur Verfügung stehen. Wir bemühen uns auch Schützenvereine als Partner zu gewinnen, um eine lebendige Diskussion zu gewährleisten. Der Union-Sportschützenverein Dornbirn wird uns sogar einen Glock-Ausbildner zur Diskussion stellen.

Ein wichtiger und aktueller Dokumentarfilm. *** (Norbert Fink)
Trailer:
https://youtu.be/S85jFoQHqX4

 

Weapon of Choice

Weapon of Choice

Regie: Fritz Ofner, Eva Hausberger

Österreich 2017, 90 min, deutsch-englische O.m.U.
fehlerfrei als PDF

In ihrem Dokumentarfilm erforschen Eva Hausberger und Fritz Ofner die Geschichte und den Mythos der Glock und entdecken dabei eine Österreichische Geschichte des Wegschauens.

Weapon of ChoiceDer milliardenschwere Namensgeber selbst war zu einem Statement für den Film nicht bereit. Dennoch gelingt es Fritz Ofner und Eva Hausberger, sich der legendenumwobenen Pistole und ihrem Erfinder anzunähern: Zu Wort kommen u.a. eine amerikanische Waffentrainerin, die in der Glock die Verlängerung ihres Körpers sieht, ein Exsoldaten, der bei der Festnahme Saddam Husseins zum Sondereinsatzkommando gehörte und die Glock des irakischen Diktators eroberte, und „Panama-Charly“ alias Charles Ewert, Ex-Treuhänder der Firma Glock, der wegen versuchten Auftragsmordes an Gaston Glock in Luxemburg im Gefängnis sitzt. Entstanden ist eine vielschichtige und packende Auseinandersetzung über die Faszination am Mythos Glock und ihre weltweiten gesellschaftspolitischen Folgen, die zur Diskussion anregen sollen.

Regisseurstatement: Ich erinnere mich, als ich zum ersten Mal von der unheimlichen Erfolgsgeschichte der Glock-Pistole hörte: In einer Villa am Wörthersee soll ein mächtiger Waffentycoon leben, der in Kärnten und Niederösterreich Waffen fertigt, mit denen auf der ganzen Welt geschossen wird. Er soll so einflussreich sein, dass ihm Politik und Medien Untertan wären. Konnte es sein, dass in einem neutralen Land wie Österreich ein kleines Familienunternehmen zum weltweit mächtigsten Handfeuerwaffenproduzenten aufsteigen konnte, und dies fast unbemerkt von der Öffentlichkeit? In einem Land, das sonst so stolz ist auf jeden seiner noch so unwichtigen Beiträge zum Weltgeschehen? Meine Neugierde war geweckt. Und als ich an „Weapon of Choice“ arbeitete, stieß ich immer wieder aufs Neue auf Fakten, Geschichten und Hintergründe, die mich zum Staunen brachten.

Ich schrieb nach der Sichtung des Films bei der Diagonale Graz:
Doc über die Glock-Pistole aus Kärnten. Darüber einen Film zu machen ist sehr schwierig, da die Anwälte von Glock bei jeder Nennung ihres Namens sofort mit Klagen drohen. Die Glock gilt als sehr handliche und zuverlässige Pistole, die sich vor allem bei der Polizei in den USA durchsetzen konnte. Von einer billigen,  teils aus Plastik gefertigten Handfeuerwaffe für das Bundesheer entwickelte sich eine Großproduktion eines Weltkonzerns. Jene Waffen, welche die Cops in Chicago haben, möchten auch die Kriminellen und dank den lockeren Waffengesetzen können sie das auch. Aber auch im Irak ist die Glock beliebt, Saddam Hussein hatte eine und nach dessen Sturz erhielt die Polizei via USA gleich 100.000 Stück. Ein ehemaliger hoher Mitarbeiter von Glock sitzt in Luxemburg wegen Geldwäsche im Gefängnis.

Hinweis:
Bei der Vorstellung am Donnerstag wird der Regisseur Fritz Ofner anwesend sein und im Anschluss an den Film zur Diskussion zur Verfügung stehen. Wir bemühen uns auch Schützenvereine als Partner zu gewinnen, um eine lebendige Diskussion zu gewährleisten. Der Union-Sportschützenverein Dornbirn wird uns sogar einen Glock-Ausbildner zur Diskussion stellen.

Ein wichtiger und aktueller Dokumentarfilm. *** (Norbert Fink)
Trailer:
https://youtu.be/S85jFoQHqX4

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

Mackie Messer –
Brechts Dreigroschenfilm

Deutschland/Belgien 2017, 136 Minuten, Cinemascope
SWR/ARTE +RBB/NDR

Regie: Joachim Lang

Biopic; Darsteller:  Lars Eidinger (Bertolt Brecht) · Tobias Moretti (Macheath) · Hannah Herzsprung (Polly) · Joachim Król (Peachum) · Claudia Michelsen (Frau Peachum)

Sehr opulente und bildgewaltige, rasante und rastlose Verfilmung des nie zustande gekommenen Dreigroschenfilms. Einerseits wollte Brecht noch mehr politische Aussage in den Film als in das Theaterstück bringen, was den Filmbossen missfiel, andererseits kamen 1933 die Nazis an die Macht, verbrannten Brechts Bücher, und störten die Aufführungen. Dabei war die Uraufführung im August 1928 trotz Chaos bei den Proben überraschenderweise sehr erfolgreich.
Brecht gelang noch mit der Bahn die Ausreise, wenige Tage nach Machtergreifung Hitlers.

Ohne die Musik von Kurt Weil – hier aufwändig eingespielt vom SWR Symphonieorchester und der – Bigband, würde das Stück nicht funktionieren. Die teils zum Schlager gewordenen Stücke (und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht…) werden hier fast schon übertrieben choreografiert.

Regisseur Lang, ein ausgewiesener Brecht Experte, hat darauf geachtet, dass fast jeder Satz ein Brecht Zitat ist (was allerdings die wenigsten Zuschauer merken werden) und hat auch Elemente anderer Brecht-Stücke eingebaut. Sozialkritik wird in kleinen Dosen verabreicht, immerhin ist die makabre Figur des Peachum, der in London die Bettler ausstattet, schminkt und trainiert und so Archetypen von Mitleid erregenden Armen für sein korruptes Unternehmen schafft auch heute noch aktuell, auch das Brecht-Zitat es sei wohl viel schlimmer eine Bank zu gründen, als eine auszurauben.

***1/2 kurzweilig, turbulent und Musical-artig, mit großen Schauspielern besetzt und einem tollen Sounddesign. Wer Brecht mag, hat sicher seine Freude damit!
(NB: „mit Kuhle Wampe“ schrieb Brecht 1932 sehr wohl einmal ein Buch für einen stark zensierten Tonfilm)

Zama

ZAMA

Regie: Lucrecia Martel; Buch: Lucrecia Martel, nach dem Roman von Antonio di Benedetto;
ARG, BR, E, F, NL, MEX, P u.a. 2017, 115 Min, spanische OmU. , Cinemascope

fehlerfrei als PDF

Ein Offizier der Spanischen Krone sitzt in einem kleinen Küstenort fest und schließt sich schließlich einer Soldatengruppe an, um einen Banditen zu jagen. – „Wunderschön, hypnotisch, mysteriös und elliptisch.“ (The New York Times)

Zama

Don Diego de Zama, ein Beamter der spanischen Krone, wartet im Paraguay des Jahres 1790 auf einen Brief des Königs. Doch das ersehnte Schreiben, das ihm erlauben würde, endlich den gottverlassenen Außenposten des spanischen Kolonialreiches zu verlassen und ins heimatliche Spanien zu seiner Familie zurückzukehren, trifft nie ein. Aus diesem knappen Handlungsgerüst heraus entwickelt Lucrecia Martel, die 2001 mit ihrem Erstling LA CIGÜENA zu den Mitbegründerinnen der argentinischen Nouvelle Vague gehörte, ein optisches und akustisches Feuerwerk, bei dem sich superbe Kamera und hervorragendes Sound-Design in idealer Weise ergänzen. Basierend auf dem gleichnamigen, 1956 erschienenen Roman von Martels Landsmann Antonio de Benedetto, einem vergessenen Zeitgenossen von Borges und Cortìzar, ist diese eigenwillige Literaturverfilmung gleichermaßen ein delirierender Tropentraum und eine Abrechnung mit Kolonialismus und Rassismus. (Geri Krebs, nzz.ch; leokino.at)

Zama

Lola u.a.

Don Diego de Zama, ein in Südamerika geborener Offizier der Spanischen Krone, sitzt in einem Provinzort an der Küste fest. Sehnlichst erwartet er einen Brief des Königs, der ihm eine Versetzung nach Buenos Aires mitteilen soll, wo er ein neues Leben beginnen möchte. Nichts soll seine gewünschte Versetzung gefährden, was Zama dazu zwingt, jede Anweisung untertänigst zu befolgen, die ihm von den zuständigen Gouverneuren zugetragen wird. Doch während die Gouverneure kommen und gehen, bleibt der ersehnte Brief des Königs aus. Nach Jahren des vergeblichen Wartens beschließt Zama, sich einer Gruppe von Soldaten anzuschließen, die einen gefährlichen Banditen jagen.

„Gleichermaßend verblüffend und mitreißend!“ (Variety)

„Genial, verblüffend“(Liberacion)

„Ein eigenartiges, sinnliches Wunder!“ (The Guardian)

„Ein optisches und akustisches Feuerwerk“ (Neue Zürcher Zeitung)

„In vielerlei Hinsicht ein Meisterwerk“ (Die Furche)

„Unerhört sinnlich, eine Flutwelle an verstörenden und beglückenden Bildern und Assoziationen: ZAMA ist magisches Kino, in dem Wirklichkeit, Fiebertraum, Wunschvorstellung und Albdruck nicht immer klar voneinander unterscheidbar sind. …  einem glorreichen Film am Rande des Wahnsinns. (Salzburger Nachrichten)

Lucrecia Martel verwandelt ihr bildgewaltiges Historiendrama zugleich in ein optisch wie akustisch so betörendes Tropendelirium, das seinesgleichen sucht, anstatt sich möglichst realitätsnah an der zunehmend kuriosen Handlung abzuarbeiten.  … eine ureigene, finstere Magie, der man sich nur schwer entziehen kann. (RAY Filmmagazin)

Havana Film Festival 2017:  Winner FIPRESCI Award, Winner Best Direction, Winner Best Art Direction
Sevilla European Film Festival 2017 : Special Mention
International Film Festival Rotterdam 2018:  Winner KNF Award

2001 von Stanley Kubrick jetzt neue 70mm Kopie

2001 Odyseee im Weltraum „unrestored“ 70mm Fassung (Stanley Kubrick 1968).


Diese Fassung wurde kürzlich von Regisseur Christopher Nolan vom Original 70mm-Negativ gezogen, wobei nur analoge / chemische Methoden zur Verbesserung herangezogen wurden. Der Ton ist in DTS, da kein Labor mehr 6-Kanal-Magnetton-Kopien herstellen kann.

Der Film ist mancher Hinsicht prophetisch, Dietmar Zingl
wies darauf hin, dass es

  • Flachbildschirme (auch im PanAm Flugzeug im
    Vordersitz)
  • Bildtelefon (heute Skype)
  • Kreditkartenzahlung
  • Künstliche Intelligenz, welche allmählich die
    Kontrolle über den Menschen erlangt und Menschen tötet
  • Sprachausgabe und –Eingabe – Computer

im Film gibt. Dies war 1968 reine Utopien, die aber eingetroffen sind. Mir ist auch aufgefallen dass „Fake News“ eingesetzt wurden, um die Bevölkerung ruhig zu stellen.
Noch heute faszinierend wirkt die Filmmusik (R. Strauss, also sprach Zarathurstra, J.Strauss, Donauwalzer u.a.).
Eigenwillig ist die Idee des Quaders, der von Außerirdischen stammen soll und das Böse in die Welt trägt (Die Vormenschen lernen, einen Knochen als Mordwaffe einzusetzen und werden so zu Jägern), psychedelisch die Rückkehr auf die Erde und irgendwie esoterisch, als zum Schluss er sich als alter Mann und Greis selber sieht. Doch dies dürfte auch von Einsteins Theorie der Zeit beeinflusst worden sein.

Die Handlung kann in Wikipedia nachgelesen werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/2001:_Odyssee_im_Weltraum#/media/File:Screenplay_(8649765020).jpg

Er ist in 70mm wieder zu sehen beim 70mm Festival in Karlsruhe am Sa.29. 9.18 um 21:00 in der Schauburg (siehe:  in70mm.com,)

Auch nach 50 Jahren ist dieser Klassiker des SF-Films
absolut sehenswert!

Grenzenlos (Wim Wenders)

Grenzenlos (Submergence)
Regie: Wim Wenders, USA, F, D, E 2017, 112 Min.

Der Film nach dem Roman von Jonathan M. Ledgards hatte bei den Filmfestspielen von San Sebastian seine Europapremiere und erschien bei einem US-Verleih.
In einem Luxus-Schlosshotel am Atlantik in Frankreich treffen zwei Menschen mit komplett unterschiedlichen Berufen aufeinander und verlieben sich. Die schöne Alicia ist Biomathematikerin und will tiefste Meeresschichten mit einem Spezial U-Boot erforschen,
Der durchtrainierte James gibt sich als Brunnenbauer in Afrika aus, ist aber Geheimagent des MI6 und wird auf eine sehr gefährliche Mission gegen die Djihadisten nach Somalia geschickt.

Im ersten Teil, sehen wir die beiden am Turteln, wobei das ganze sehr züchtig dargestellt ist. Dann müssen sie sich leider trennen und ihren Aufgaben nachgehen, was beide sehr schmerzt. Werden Sie sich je wieder sehen?

Er wird bei der Ankunft in Somalia gleich enttarnt, gefoltert und in ein dunkles Loch gesteckt, bei ihr ist die Dunkelheit die Tiefe des Meeres, es gibt nur ein solches U-Boot, bekommt es einen Defekt, wird sie entweder ertrinken oder binnen 5 Tagen ersticken, außerdem ist ihr Tauchgang der letzte der Mission. Im zweiten Teil lebt der Film von der Parallelmontage und gewaltigen Naturaufnahmen (v.a. der Faroer-Inseln). Beide denken ständig aneinander und sind in großer Gefahr, Alicia verzehrt sich vor Sorgen, da sie keine Nachricht von James erhält und keinen Kontakt zu ihm herstellen kann. Als James wenigstens halbwegs anständig behandelt wird und statt in einem Loch in einem Ausbildungscamp in den Mangroven gefangen gehalten wird, kann er einen Sender in seiner Zahnprothese aktivieren. Bald greifen die Amerikaner das Camp an, und er kann nur ins Wasser springen, um sich zu retten.

Alicia ist jetzt in 3000 m Tiefe und entdeckt neue Lebensformen, als das U-Boot plötzlich jeden Strom verliert. Nun, wenigstens kein Happyend. Das Ende des Films kann man in mehrere Richtungen interpretieren, ist das helle Licht der Übergang ins Jenseits oder doch das Licht an der Wasseroberfläche? Einen Hoffnungsschimmer lässt er den Zusehern.  Wenders neigt ja manchmal zum Übersinnlichen…
Viele Themen werden angeschnitten, es wäre eigentlich Stoff da für einen James-Bond-Film einerseits und einen Nautilus-Film andererseits, die wissenschaftlichen Erörterungen der Meeresschichten überfordern sicher die meisten Zuseher, während die Schilderung der Djihadisten eher den Klischees entspricht. Richtig spannend wird der Film erst zum Schluss.
Leider nicht in Cinemascope gedreht!

*** Wim Wenders versucht die Parallelen zweier frisch Verliebter in höchst unterschiedlichen Gefahrensituationen und Umwelten durch harte Schnitte darzustellen, und gleichzeitig einen Bericht zur Lage des Planeten – politisch wie ökologisch – abzuliefern, was einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt.