Kurzbericht Alpinale Bludenz 2000
von Norbert Fink


Die Alpinale verlief auch in ihrem 16. Jahr wie immer im positiven wie im negativen. Wieder gab es im 16mm-Bereich die üblichen Pannen und Unzulänglichkeiten und besucherzahlmäßig ist die Alpinale vielleicht das kleinste Filmfestival der Welt, heuer waren es sogar noch eine paar weniger als letztes Jahr. So "strömten" am Eröffnungstag gerade mal 30 zahlende Besucher in das Cinema-S in Bludenz. 90 Sekunden vor dem Ende des letzten 16mm-Films verschmorte vor den staunenden Blicken der Zuschauer ein Film und dann zerstörte sich die Lampe.

Der zweite Abend fand im kleinen Saal statt, der mit seinen 4 (!) Sitzreihen doch zu füllen war. 27 zahlende Besucher waren anwesend, dazu die Jury, einige Filmemacher und Ehrengäste (darunter der Autor dieser Zeilen). Die 16mm-Projektion war amateurhaft wie immer. Nur ein kleiner Teil der Leinwand wurde ausgefüllt, der Ton zu leise ...

Charmant waren aber die Ansagen von Otmar Rützler, der solche Kleinigkeiten von der heiteren Seite aus betrachtete.

Die Filme an sich Kurzfilme nichtprofesionell und von Filmhochschulen waren durchaus sehenswert, mir hat "Mosquito" von Frieder Wittich am besten gefallen. Auch die Jury "überschüttete" diesen 8-minütigen, schwarzweißen Kurzfilm, der aus der Sicht einer Stechmücke ein Paar betrachtet und erfolgreich deren Liebe stört, mit Preisen: einmal mit einem Einhorn für den besten Hochschulfilm und einmal mit der Jean-Thevenot-Medaille für den besten Ton.

Ich sah auch den Gewinner des Sonderpreises für Animation "Endstation Paradies" von Jan Thüring, der diesen Preis auch verdiente. Es geht um die Schwierigkeit von Ratten eine Straße zu überqueren.
Der Publikumspreis ging an den einzigen Langspielfilm "die Hochzeitskuh"- wir berichteten bereits über diesen Film, den wir in Solothurn schon voriges Jahr (Jänner 99 !) gesehen hatten: 
DIE HOCHZEITSKUH, Regie: Tomi Streiff. Eine junge Frau ist auf dem Weg von Norddeutschland in den Schwarzwald. Ihr wird gleich zu Beginn das ganze Geld gestohlen. Darauf trampt sie und wird von einem Klempner mitgenommen, der kurz vor seiner Hochzeit steht und mit dem Geschenk seiner Tante, der Kuh Hannah, in einem klapprigen Transporter unterwegs ist. Schließlich kommt noch eine vierzehnjährige Ausreißerin dazu, und das Chaos ist perfekt. Unterhaltsames deutsches Road-movie mit ein paar netten Einfällen.** netter, kleiner, unterhaltsamer Film

Auch am letzten Abend fuhr ich nach Bludenz um zu erfahren, wer die Preise gewonnen hatte. Die Jury kritisierte dabei, daß die professionellen Filme eher enttäuschten , die nicht-professionellen und Hochschulfilme aber um so besser waren.

Nach der Preisverleihung gab es dann einen recht sehenswerten Film über das Leben eines Seemannes, der auf See und zu Land viel fotographierte und auch filmte: "Hans Warns mein 20. Jahrhundert". Seine Erinnerungen wurden z.T. kunstvoll nachgedreht und zwar im Stile alter Dokumentar- oder Stummfilme, in sepia getönt. Es begann 1914. Hans war als 14jg. Schiffsjunge auf dem Hamburger Viermastsegler "Herbert" in Chile . Dieser sollte in Iquique Salpeter aus der berühmten Atacama-Wüste holen, doch es brach der erste Weltkrieg aus und die ganze Besatzung mußte an Land bleiben, war aber in der dortige Gesellschaft gern gesehen und genoß das Nichtstun. Die "Herbert" wurde von den Engländern konfisziert. Eine heftige Liebschaft hatte Hans später in Chile auch und gerne erinnerte er sich immer wieder an diese Frau. Er kletterte die Karriereleiter stetig hinauf, wurde Steuermann und Kapitän (die strengen Prüfer der Marineakademie waren wohl sehr trinkfest...)

Liebeswerben, Heirat und Familiengründung, Krieg und Frieden, alles wurde von ihm fotografiert oder gefilmt

Hans Warns erlebte verkaptte Transporte für die "Legion Condor" in das Spanien des Bürgerkrieges , im Zweiten Weltkrieg wurde er zuerst wegen Blockadebrecherfahrten ausgezeichnet und dann als Kapitän eines Schlachtschiffes einberufen. Es tat ihm weh, die wunderbare "Herbert", auf der er die ersten seemännischen Erfahrungen sammelte, versenken zu müssen.

"Glücklicherweise" noch vor dem Abschuß des Kreuzers verwundet, überlebte er im Lazarett den Krieg und verbrachte seinen Lebensabend in Bremen.

Regie führte Gordian Maugg, ein Einhorn-gekrönter früherer Alpinale Teilnehmer, er stellte diesen Film vom ZDF produzierten Film "außer Konkurrenz" zur Verfügung; die bruchlose Verquickung von echten alten Aufnahmen mit den Nachgedrehten und ein selbst-ironischer Unterton boten somit einen würdigen Abschluß derdiesjährigenAlpinale.

Die Filme hätten also ein zahlreicheres Publikum verdient. Der Termin im Hochsommer kommt noch aus der Zeit, als die Alpinale ein Open-Air Festival war. Da ein solches nicht mehr finanzierbar ist, sollte wohl darüber nachgedacht werden, einen besseren Termin zu finden, an dem das Publikum auch Lust hat ins Kino zu gehen. Leider hat das Festival noch nicht einen solchen Ruf in der Welt, daß viele internationale Gäste seinetwegen anreisen, auf diese müßte also bei der Terminwahl nicht allzu sehr Rücksicht genommen werden, außerdem dürften die Festivaltouristen doch zu diesem Zeitpunkt eher Locarno Bludenz vorziehen. (Norbert)


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