33. Alpinale 2018

  1. Alpinale Nenzing 2018
    Eröffnungstag, Di 7.8.18

Der Auftakt zur heurigen Alpinale Nenzing war von einem netten Symbol gekennzeichnet: das Einhorn, das Wappentier der Alpinale war leibhaftig als Kuscheltier anwesend und wurde ausgiebig für Selfies und andere Erinnerungsfotos genutzt. Es war das Überraschungsgeschenk für Manuela Mylonas, die zum 10. Mal das Festival leitet.

Der Wettergott war leider weniger gutmütig. Als alle um 20:30 Uhr auf dem Ramschwagplatz bei angenehm warmen Temperaturen Platz genommen hatten und die einführenden Reden stattfinden hätten sollen, begann es an zu regnen, zuerst wurden noch Regen-Ponchos verteilt und kurz danach wurde doch der Befehl erteilt „alle in den Saal!“.
Bis nun auch die Technik umgestellt war, verging einige Zeit und so konnte gegen 21:30 der erste Film starten.

Norbert Fink mit Einhorn

STILL (Regie: Hanna Mathis, A 2018).
Dieser war aus der Kategorie v-shorts und 4 Minuten kurz in SW und Cinemascope.
In der Wiener U-Bahn setzt sich ein älterer Mann neben einen jungen Mann, der sehr laut Musik hört und auf einem Behindertensitzplatz sitzt. Sie kommen ins Gespräch und statt des erwarteten Konflikts löst sich die Situation in Wohlgefallen auf, war der junge Mann gehörlos? ***

RIEN NE VA PLUS (Sophie Linnenbaum, D 17, 15 Min, Hochschule)
Ein verzweifelter Mann will sich durch Sprung von einem Hochhausdach das Leben beenden, als das Handy klingelt. Eine Frauenstimme verkündet ihm, er habe Jetons für das Casino gewonnen, welche er gar nicht will. Doch gleichzeitig wird jenes Casino überfallen und die Frau am Telefon bedroht. Nun will er ihr Leben retten… Interessante Parallelmontage ***

A THOUSAND KISSES (Richard Goldgewicht, BR  18, 16 min, Animation)
1933 fühlt sich ein jüdisches Paar in Berlin wegen der Nazis nicht mehr wohl und will nach Rio de Janeiro auswandern. Erst wagt der Mann die Schiffspassage, als er in Brasilien Fuß gefasst hat, holt er seine Geliebte nach. Die beiden schreiben sich eifrig Briefe – die 80 Jahre später von deren Enkeln gefunden werden. Kunstvoll und stilsicher animierter Film mit vielen korrekten Details ****

ICARE (Nicolas Bucart, B 17, 25 Min, International)
Das eindrucksvoll an einer Steilküste fotografierte Drama um einen vom Fliegen faszinierten Mann, der einen achtjährigen Jungen nach langem Training und Vorbereitungen mit Flügeln über die Klippen springen lässt war stellenweise langatmig und vor allem das Ende mehr oder minder vorhersehbar. ***

AUGENBLICKE (Kiana Nagshineh, D 2018, 4 Min, Animation)
Eine Frau ängstigt sich beim nächtlichen Nach-hause-gehen. Sehr experimenteller,
wenig verständlicher Animationsfilm. *

WANNABE (Lenz/Jannis A/D, 30 Min, Hochschule)
Die 17jg. Coco schwänzt die Schule, um sich in Castings und Musikvideodrehs zu beweisen – und setzt sich damit einer Demütigung nach der anderen aus. Weil sie als Model, Tänzerin und Schauspielerin nicht weiter kommt, konzentriert Coco sich immer stärker auf die Produktion ihres eigenen YouTube Kanals. Dort kann sie sich so darstellen, wie sie gerne wäre, aber nicht ist.

Der schon auf vielen Festivals ausgezeichnete Film spricht ein sehr junges Publikum an und nervt die älteren Semester.
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Letzter Tag mit Wettbewerbsprogramm
Fr 10.8.18

Der Vorarlberger Felix Kalavainan – schon vorletztes Jahr in den v-shorts präsent -, zeigte
METASTAATEN (A 2019/10 Min)

Er hat inzwischen die Grundausbildung an der Filmakademie Wien abgeschlossen und machte einen Kurzfilm ohne die starren Regeln der Filmakademie. So wagte er sich an das Tabu-Thema heran, Tiere und Kinder zu filmen, stieß in Bürs auf dressierte Hühner und castete einen Jungen.

Paul weiß ganz genau, dass seine Mutter schwer krank ist und baut sich im Wald eine eigene Welt zusammen, in der Tiere eine große Rolle spielen. Als Papa heimkommt, ist er sehr traurig.
Der Zusammenhang zwischen der Fantasiewelt des Jungen mit Tieren und den Metastasen einer Krebserkrankung erscheint mir etwas konstruiert. Dennoch eine gute Idee! ***

FANNY (Haldan Ullman Tǿndel, N 2017, 29 Min, international, Cinemascope)
Fanny, mitte Zwanzig, etwas schüchtern, studiert in ihrer Heimatstadt und gerät in einer Kennenlern-Runde in eine makabre Situation. Sowohl eine heterosexuelle, als auch eine lesbische Bekanntschaft laufen schief. Auf dem Hintergrundes eines sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater werden die Folgen auf die sexuelle Identität geschildert. **

BERNARD (Anna Oparkowska, PL  2017, 6 Min, Animation)
Schwer verständliche Geschichte im Eis – Ein Eisbär, ein lebender Eisblock, ein Mensch? Was im Programmheft steht (Geschichte über Einsamkeit, Verhaltensstörungen und den verzweifelten Versuch nach Nähe in einer unwirtlichen Winterlandschaft) ist nur unklar auszumachen und wenig exakt gezeichnet. *

FUCKING DRAMA (Michael Podogil, A 2017, 17 Min, Hochschule)
Ein Pärchen wird zum Spontanbesuch eines Off-Theaterstücks überredet, in einem alten Kellergewölbe soll ein Drama gespielt werden. Eine Frau spielt Cello, eine andere entblöst ihre Brüste, als Manfred Amour, der Autor des Stücks, seine SchauspielerInnen und das Publikum beschimpft, kommt Dynamik auf. Mit einer Pistole droht er sich zu erschießen, als dann eine Frau den Saal verlassen will wird sie (scheinbar) erschossen und das Publikum zittert. Wie weit darf Kunst gehen um beim abgestumpften Publikum auf jeden Fall Emotionen zu provozieren?
Hochspannend wirft Podogil einen Blick auf die aktuelle Kunstszene. ****

59 SECONDS (Carraro Mauro, CH 2017, 16 Minuten, Animation)

Im Mai 1976 erschütterte ein 59 Sekunden dauerndes schweres Erdbeben die Gegend um Friaul. Wir sehen den Alltag davor, unter anderem auch für den Soldaten Bruno, dessen Kaserne im Epizentrum liegt. Seine Geliebte Tiziana macht sich nach der Katastrophe Sorgen um ihn. Zeichnerisch eher unkonventionell gestaltet, mit düsterem Unterton, durchaus sehenswert.***

MANEKI NEKO (Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, International, Cinemascope)

Ein fremder Mann wird von einer fremden Frau in der Nacht in einem Buswartehäuschen angesprochen, sich doch die Kosten für das Taxi zu teilen und so fahren sie ins Zentrum von Athen. Sie tun so, als ob sie sich schon immer kannten – eine Psychose?
Sollte dies ein Horror-Film sein? Ich konnte wenig damit anfangen!*

ALL THE TIRED HORSES (Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Hochschule, Cinemascope)

Der Film erinnerte stark an “Gott des Gemetzels” – Zwei Paare um die 30, die sich nicht kennen, verbringen einen Abend miteinander und warten auf jenes Paar, die sie zusammengebracht hat und sich verspätet hat. Die gastgebende Frau hat allerdings kurz zuvor einen positiven Schwangerschaftstest gemacht und empfindet deshalb die Diskussion über Umzug der Kreativen nach Berlin, Polygamie, Dating Apps u.a. als sehr unpassend, sie geraten sich immer mehr in der Haare.
Perfekt ausgeleuchtete Räume und eine hervorragende Kamera machen das an sich wortlastige Kammerspiel zu einem kompakten Genuss. ****


Das waren die Siegerfilme:

Felix Kalavainan und Norbert Fink


Gewinner der vorarlberg-shorts:
Felix Kalavainan mit METASTAATEN (A 2019/10 Min)
(Kritik siehe oben)
Kleiner Star war auch Lucas
William-Mathis,
der junge Hauptdarsteller des Films

Lucas William-Mathis

Bester Animationsfilm: Catherine von Britt Raes, B 2016, 12 Min

Mit subtilem schwarzem Humor wird eine Frau gezeichnet, die ihre Tiere liebt, aber auch ungewollt tötet.***

Bester Internationaler Film: MANEKI NEKO
von
Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Lobende Erwähnung der Jury: Detainment von Vincent Lambe, IRL/GB 2018, 30 Min.
Wahre Geschichte von zwei 10jg Jungen, die 1993 beschuldigt wurden ein Kleinkind entführt und ermordet zu haben.

Bester Hochschul-Film: ALL THE TIRED HORSES von Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Preis der Jury (über alle Kategorien):
ENTSCHULDIGUNG, ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN
von Bernhard Wenger, A/D 2018, 23 Minuten, Cinemascope

Die Freundin eines jungen Mannes aus Schweden verlässt diesen nach einem Streit in einem Wellness-Hotel inmitten der Alpen (Kals, Osttirol). Er sucht im Hotel verzweifelt nach ihr, findet neue Gesprächs- und Tischtennisfreunde und verpatzt sich eine Chance, eine neue Freundin zu finden. In Wahrheit ist er auf der Suche nach sich selbst.****
Der Film gewann in Saarbrücken den Publikumspreis Kurzfilm!

Bester Kinderfilm (von den Kindern und Jugendlichen selbst prämiert):
HALIM
von Werner Fiedler, D 2017, 30 Min, Cinemascope
Elias trifft auf Halim, einen eigenartigen älteren Mann mit fremdländischem Aussehen,
der sich nur über Pantomime verständigen kann und auf einer Naturbühne kleine Stücke zur Freude der Kinder zum Besten gibt. Als seine Mutter Elias mit diesem Asylanten entdeckt, verbietet sie ihm jeden Kontakt zu ihm und meint, die Asylanten seien böse und fielen uns zur Last. Doch Elias kontert, er suche seine Familie, die er auf der gefährlichen Flucht verloren hat. Er ist traurig, als er abgeschoben werden soll und erneut fliehen muss. Elias veranstaltet am selben Ort eine Veranstaltung zu Ehren von Halim.
Erstaunlich, dass dieses humanistische Anliegen von den Kindern und Jugendlichen zum besten Kinderfilm gewählt wurde.****

Publikumspreis:

El escarabajo al final de la calle


EL ESCARABAJO AL FINAL DE LA CALLE (Der Käfer am Ende der Straße)
von Joan Vives Lozano, E 2017 (Katalanien), 19 Minuten, Hochschule.
Eines Tages hat die Fischverkäuferin Lolín eine Vision: Amadeo soll nur noch sieben Tage zu leben haben. Amadeo kümmert sich um seinen invaliden Schwiegervater Agustín. Diese Weissagung setzt eine Serie von Ereignissen in Gang, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Sein Begräbnis wird vorbereitet.
Doch nicht Amadeo stirbt, sondern Agustín. Hatte Lolín eine Zuckung und auf den falschen gezeigt? ***

Der Film gewann auch schon beim Festival Internacional de Cine en Guadalajara den Preis für den besten Kurzfilm und war auf vielen Festivals präsent. Er hat seine Wurzeln in der Spanischen Folklore

Detaillierte Kritik in Spanisch:

Una anguila puede cambiarte la vida

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