303

303

D 2018, Regie: Hans Weingartner, Buch: Hans Weingartner und Silke Eggert, 145 Min, gesehen in DF

https://de.wikipedia.org/wiki/303_(Film)  (genauer Inhalt)
https://303-film.de (Homepage mit Reiseroute und Musiklinks)

Der neue Film des Vorarlbergers Hans Weingartner („Das weisse Rauschen“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und vier weitere Langfilme) ist eine gekonnte Mischung aus Road-Movie (von Deutschland via Belgien, Frankreich, Spanien bis nach Portugal) in einem alten Wohnmobil auf Basis des Mercedes 303 Kleinlasters. Jule und Jan sind 24jg. Studenten, bei denen das Studium nicht ganz so läuft wie erhofft, außerdem ist Jule schwanger und ihre Mutter drängt sie zur Abtreibung. Sie fährt mit ihrem Wohnmobil zu ihrem Freund nach Portugal, der sie geschwängert hat, um dies zu besprechen und nimmt sie Jan als Autostopper mit. Sie diskutieren über die biologischen und genetischen Grundlagen der Liebe, also über Hormone und Pheromone, Jule träumt von einer solidarischen Gesellschaft, Jan hält den Konkurrenzkampf für wichtig, kritisiert aber das kapitalistische System, das die Menschen „systemimmanent“ einsam und so krank mache. Jan möchte eigentlich seinen leiblichen Vater kennenlernen, der im spanischen Baskenland bei einer Werft arbeitet.

Die Gespräche sind auf einem intellektuell hohen Niveau und entsprechen durchaus dem Stand der Wissenschaft. Es dauert zwei Stunden, bis die beiden ihre theoretischen Gespräche über Sex zaghaft in die Realität umzusetzen.

Mich erinnerte der Film doch stark an meine Studentenzeit, wo wir viel über Gott und die Welt, Kapitalismus und Sozialismus, Psychoanalyse und Behaviourismus usw. diskutiert hatten und auch mit alten Autos durch südliche Gegenden gefahren sind.

Die Schauspieler Mala Emde und Anton Spieker spielen grandios, die langen Dialoge wirken spontan und echt, sind aber haargenau nach Drehbuch eingelernt. Einige tolle Landschaftsaufnahmen sind auch dabei. Mit 145 Min. ist der Film schon etwas lang geraten, ist aber nie langweilig. Es war ein Wagnis den Film zu produzieren, zumal keine großen Fernsehanstalten mitmachten. Doch er berührt das Publikum!
****

Kommentare sind geschlossen.